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Politik

Der Moscheestreit zu Marbach – oder gehört eine Moschee in ein ostdeutsches Dorf?

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fullsizerenderWestlich von Erfurt liegt Marbach, unweit der Universität, geprägt von neumodischen Reihenhäuschen, einer langen Faschingstradition und gutbürgerlichen Einwohnern. Kleinbürgerliche deutsche Idylle. Jedenfalls bis im Sommer 2016 die Ahmadiyya-Gemeinde Thüringens bekannt gibt, an jenem beschaulichen Ort eine Moschee errichten zu wollen. Ein Minarett, eine Kuppel und das alles neben einem kleinen Gewerbegebiet, der Feuerwehr und weiten Feldern.

Alteingesessene fühlen sich bedroht

Das Moscheeprojekt spaltet ganz Erfurt. Da sind die Alteingesessenen, die sich fragen, was Erfurt mit einer solchen Moschee vor allem in einem Vorort in dem kein einziger Muslim und noch weniger ein Ahmadiyya wohnt, soll. Die Bürger sind schnell auf der Palme, sie fühlen sich bedroht und gründen Bürgerbündnisse. Eine Bürgerversammlung, die der Aufklärung dienen soll, eskaliert fast. Das Minarett wird als Symbol islamischer Macht wahrgenommen. Schnell existieren Informationen, wie gefährlich die Ahmadiyya, die einen sogenannten Reformislam vertreten und selbst in vielen islamischen Ländern verfolgt werden, sind. Die Rede ist von Ehrenmorden, Unterdrückung von Frauen und Homosexuellen und einem Demokratieverständnis, was man eigentlich nicht als solches bezeichnen kann. Ein Bürgerbegehren bei der Stadt bleibt erfolglos, eine Petition im Landtag scheint aussichtslos. Die Moscheegegner sehen sich zunehmend in einer verzweifelten Situation.

Moscheebau als Ausdruck der Religionsfreiheit?

Auf der anderen Seite stehen die Befürworter. Linksgrüne Politiker des Landtages, junge sogenannte Antifaschisten, Studenten der Universität. Sie predigen die Religionsfreiheit und meinen, diese würde es verbindlich vorschreiben, dass eine Moschee neben frisch getünchten Einfamilienhäusern errichtet werden können muss. Sie argumentieren zunächst mit Moral und Grundgesetz, aber auch ihre Stimmung wird aufgebrachter. Eine Eskalation lässt nicht lang auf sich warten.

Der Marbacher Moscheestreit ist längst aus den Fugen geraten.

Plötzlich Anfang März taucht ein zehn Meter hohes Holzkreuz auf dem Grundstück neben dem potenziellen Bauplatz der Moschee auf. Wie aus dem Nichts steht es warnend und mahnend auf dem Feld. Es soll, so die Verantwortlichen, Zeichen für unsere Identität und unsere Lebensweise sein. Für die Moscheegegner ist es pure Provokation und wird schnell zu Fall gebracht. Doch die Aktiven in Marbach lassen sich davon nicht verschrecken und beschließen für jedes gefallene Kreuz zwei neue zu errichten. Heute sind es zehn, die durch abwechselnde Wachen beschützt werden.

Kirchen begrüßen Moscheebau

Sowohl die katholische als auch die evangelische Kirche jedoch sprechen von einem Missbrauch des christlichen Symbols was ihrer Ansicht nach genutzt wird, um eine andere Religionsgemeinschaft zu verunglimpfen.

Ministerpräsident und Ku-Klux-Klan-Vergleich

Deutlicher macht der Thüringer Ministerpräsident, was er von der Aktion hält. Der twitteraffine Landespolitiker äußerte in diesem Zusammenhang im sozielen Netzwerk „Kreuzzüge, Hakenkreuze, oder Ku-Klux-Klan – die Traditionslinien sind erkennbar“ und heißte damit die Stimmung nochmals deutlich an. Währenddessen riefen antifaschistische Gruppen offen dazu auf, mit Hilfe von Kreissägen, Äxten und sonstigem Werkzeug das Kreuz zu Fall zu bringen.

Eine Lösung ist nicht in Sicht

Eine Lösung des Konfliktes ist nunmehr nicht in Sicht. Die Fronten sind verhärtet. Die Ahmadiyya-Gemeinde nutzt alle Methoden des modernen Marketings um sich beliebt bei Groß und Klein zu machen, während die Gegner mit verzweifelten Aktionen versuchen, auf sich aufmerksam zu machen. Am Ende wird eine Moschee in Marbach gebaut werden, trotz allen Widerstandes, der bis heute keinerlei Wirkung auf die Verantwortlichen gezeigt hat.

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