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Gesellschaft

Das Fest, das den Boomer spawnte

Bill Eppridge/The LIFE Picture Collection/Getty Images

Veröffentlicht

 

am

50 Jahre Woodstock

Mitte des Monats war der 50ste Jahrestag der Hippie-Großveranstaltung „Woodstock Festival“. Woodstock war sowas wie ein gigantisches Boomer-Wacken, in der Nähe von New York.

Damit wir uns gleich richtig verstehen: Ich hasse so ziemlich alles, was mit Woodstock zusammenhängt:

  • Gekiffe
  • Männer mit langen, fettigen Haaren
  • Mangelnde Hygiene
  • Schlaghosen
  • Batikhemden
  • Sich im Dreck rumwälzen
  • Verwarzte VW-Busse
  • Drogentod mit 27
  • Gitarrenschrammelmusik
  • Zu laute Musik
  • Singer/Songwriter“
  • Flower Power“
  • Eigene E-Gitarre auf der Bühne kaputtschlagen
  • Zu wenig Dixi-Klos
  • Dixi-Klos an sich

Miniatur Wunderland

 

Leider muss man aber sagen, dass Woodstock unglaublich identitätsbildend für die Boomergeneration war. Es bricht mir das Herz, wenn ich sehe, wie unsre Eltern jetzt, mit Sechzig bis Siebzig Jahren, den ganzen Hippiequatsch von Anno 1969 noch immer voll cool und legitim finden und noch immer solche Musik wie die der Drogentoten Janis Joplin konsumieren statt, wie es sich für einen distinguierten Senioren gehören würde, Musik von Künstlern wie Karel Gott oder Roger Whittaker oder Herbert von Karajan.

Noch gruseliger ist es, wenn sogar Millennials noch in der kulturellen Boomersphäre feststecken: Schön die Woodstockmusik von Papa hören, denn die war damals voll revolutionär, und Söhnchen will ja auch revolutionär sein und zugleich aber auch von Papa liebgehabt werden! Und nirgends anecken! Und dann schön nach Wacken fahren, was ja im Grunde ein Woodstock-Reenactment ist. Bloß mit noch mehr Konsum und ohne politische Botschaft.

Und hier kam soeben das Stichwort, warum meine Zustimmung zur Hippie-Bewegung doch nicht ganz bei Null Komma Null liegt, sondern leicht darüber: „Politische Botschaft“. Die Hippies waren nämlich tatsächlich eine Bewegung gegen den Krieg, namentlich den Vietnamkrieg. Erkennbar an ihrem Slogan „Make Love not War“ und auch schon an ihrem Aussehen und Verhalten, welche sich aus dem größtmöglichen Negieren des soldatischen Aussehens und Verhaltens ergaben:

Bürstenschnitt – Lange Haare

Tarnkleidung – Bunte Klamotten

Breeches – Schlaghosen

Asketisch – Dauerbekifft

Marschieren – Rumhängen

Disziplin – Laissez-faire

Und ja: als Antikriegsbewegung war die Existenz der Hippies in den USA auch verdammt verständlich und berechtigt! Der Vietnamkrieg war grausam und sinnlos und zigtausende Amerikaner wurden darin verheizt. Wie schon zuvor im Koreakrieg etc.

Wahrscheinlich hat die Hippiebewegung das Ende des Vietnamkrieges etwas beschleunigt. Das erkenne ich an. Aber ansonsten war sie doch ziemlich erfolglos, oder? Die US-Kriege gingen schließlich immer weiter. Und außerdem fingen die Weißen jetzt an, Scham und Selbsthass wegen dieser ganzen Kriege zu empfinden: „Wir müssen jetzt diesen und jenen Araberstamm bei uns ansiedeln, weil die vor UNSEREN Waffen geflohen sind!!!“

Nicht nur den Vietnamkrieg zu beenden, sondern die kriegssüchtige Elite der USA zu entmachten – das wäre die eigentliche, wichtigste und vornehmste Aufgabe der Hippies gewesen. Das haben sie nicht gemacht. Die Wehrpflicht wurde abgeschafft, keiner wurde mehr zum Soldatsein gezwungen, und dann marschierten die USA in den nächsten und nächsten und nächsten Krieg. Und der Hippie stand in seinen hässlichen Batik-Klamotten kiffend daneben und schaute dumm aus der Wäsche.

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Kubus
Gast
Kubus

Ich stimme mit dem Autor in allem überein, jedoch die Musik war genial damals, die gesamte 60er Jahre Musik. Ich muss das anerkennen, auch wenn mir die politischen Botschaften, sofern vereinzelt vorhanden, nicht passen. Das kann man aber trennen, vor allem nach so langer Zeit.

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