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World of Warcraft Classic

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15 Jahre ist es her, seit Millionen Menschen sich in den Kampf für die Allianz oder die Horde warfen, um Azeroth zu retten und Spielern der feindlichen Fraktion das Leben schwer zu machen. Spartanisch, fast primitiv muten Interface und Spielweise der ersten Stunde an, wenn man es mit der aktuellen World of Warcraft Version vergleicht, die vor etwa einem Jahr mit ihrem 7. AddOn „Battle for Azeroth“ die Segel zu neuem Content setzte.
Die Spieler von „WoW-Vanilla“, wie Veteranen die erste Version des MMORPGS nennen, mussten mit bloß 8 Rassen auskommen, auch die Zahl der erhältlichen Reittiere war stark begrenzt sowie fast unbezahlbar und an Fliegen war nicht zu denken. Man musste sich die Questtexte noch sorgfältig durchlesen, weil Ziele nicht auf Karten vermerkt wurden, Gegner waren allgemein schwieriger und brachten weniger Erfahrung, sodass der Weg zur Maximalstufe hart und beschwerlich war.

Warum zieht es die Menschen trotzdem zu Tausenden in die klassische Version von World of Warcraft, die Blizzard Entertaiment vergangenen Dienstag zugänglich gemacht hat und wie gut funktioniert das Konzept? Wir haben es getestet:

Die erste Hürde, wenn man aktuell versucht World of Warcraft Classic zu starten, ist eine immens lange Warteschlange. Je nach Server und Uhrzeit dauert der Vorgang des Einloggens 3 – 4 Stunden, mit bis zu 12.000 Personen, die vor einem darauf warten das Spiel betreten zu können. Hatte Blizzard anfangs gar keine deutschen Server geplant, wurden auf zahlreiche Beschwerden der hiesigen Community hin doch zwei sogenannte „Realms“ zur Verfügung gestellt. Der Andrang war derart groß, dass Blizzard die Zahl am Erscheinungstag vervierfachte.

Hat man es aber geschafft und sich einen Charakter erstellt, liegt einem das neue alte Azeroth zu Füßen. Die angestaubte Introsequenz, der altbackene Grafikstil und das umständliche Interface stören kaum und nach wenigen Stunden ist es, als sei man nie weg gewesen. Die Musik stimmt nostalgisch und auch das Fehlen ungeliebter Inhalte, welche erst mit den Jahren dazugekommen sind, bringen alte Gefühle zurück. Hinter jeder Ecke wartet ein „Achja, das war ja mal so“-Moment, auf den drei brenzlige Situationen kommen. Schon längst vergessen war, dass mehr als ein Gegner das vorzeitige Ableben bedeuten konnte und ungewohnt oft küsst man schmerzhaft den Boden. Aber etwas ist da, dass es nicht nur nicht schlimm macht, sondern es sogar zu einem schönen Erlebnis werden lässt. Plötzlich ist das Leveln keine reine Unannehmlichkeit zum Erreichen der Maximalstufe mehr, sondern eine Herausforderung die sogar wieder die Interaktion und Zusammenarbeit mit anderen Spielern notwendig macht. Und davon sind, releasetypisch, viele unterwegs. Seit 2005 waren die Startgebiete nicht mehr so bevölkert und die lokalen Chats derart aktiv. Doch diese vielleicht größte Stärke des klassischen WoW ist leider auch die vergänglichste. Wieviele haben in zwei Monaten die rosarote Nostalgiebrille abgelegt und kehren in die sogenannte „Retail-Version“ zurück, wo das Erlebnis schnellebiger und das Spiel zugänglicher ist? Wenn die Welt bis auf ein paar Freaks, die World of Warcraft Classic dann im Highend-Bereich spielen, leergefegt ist, bringt einem auch die schönste Erinnerung an alte Zeiten nichts mehr.
Daran mag man aber im Aubenblick noch nicht denken und spielt sich munter durch die niedrigstufigen Gebiete und freut sich an Reisgefährten und unerwarteten Zusammenstößen mit feindlichen Spielern. Verlorengeglaubte Immersion kehrt zurück, wenn jeder zu Fuss unterwegs ist und die Welt nicht vor gigantischen Reittieren überquillt die Ausrüstung eher wie aus der Grabbelkiste aussieht, anstatt vor inflationär vieler und überdimensional großer Stacheln zu strotzen. Man könnte sich fast das schüchterne Urteil erlauben WoW-Classic sei konservativ. Es beruft sich auf alte Stärken, entschleunigt die Welt und lässt seine Bewohner wieder intensiver miteinander in Interaktion treten.

Aber nicht alles was Gold ist glänzt und so hat auch World of Warcraft Classic eklatante Schwächen. Die Spielerschaft ist nicht mit einer Zeitmaschine in die Gegenwart gezaubert, sondern entstammt der aktuellen Version. Heißt: Die Hilfsbereitschaft früher Tage, als keiner wusste was er tat und jeder auf den Beistand anderer angewiesen war, kehrt nicht zurück. Auch wenn man von Feinden umringt an der Schwelle des Todes steht, laufen viele Spieler an einem vorbei, selbst wenn ein kurzes Eingreifen Leben retten könnte. Viele Chatgespräche wirken verkrampft locker und man muss kein MMORPG-Experte sein, um zu erkennen, dass der Wettlauf gegen die Zeit und das Rennen nach einem möglichst frühen Erreichen der Höchststufe längst begonnen haben. Viele popkulturelle Referenzen sind mittlerweile veraltet und auch die Aussicht auf Inhalte im Endgame, die man schon vor Jahren gesehen und später sogar im Alleingang bewältigt hat, reizt wenig.

WoW Classic wird nach seinem anfänglichen Hype zeigen müssen, ob es auch darüber hinaus zu begeistern weiß oder ob es nur ein kurzer romantischer Ausflug in die eigene Jugend war und man doch lieber im bequemeren Hier und Jetzt der virtuellen Reizüberflutungen ankommt. Wer allerdings wenigstens ein bisschen in Nostalgie schwelgen will, steigt besser jetzt ein, denn näher wird man der Anfangszeit von World of Warcraft nie wieder kommen.

 

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