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Kino & Fern

Wieso Rogue One eine Enttäuschung ist!

Eine nicht ganz spoilerfreie Kritik.

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star_wars_rogue_oneKein fließender Text als Vorspann, lediglich der Titel wird nach einer kurzen Eröffnungssequenz eingeblendet, „Rogue One“ will anders sein, grenzt sich also direkt zu Beginn von der restlichen Saga ab und geht seinen eigenen Weg. Zum Einen ist dies interessant, zum Anderen stehen Fans einer zu starken Kommerzialisierung der Sternenkriege seit der Übernahme von Walt Disney skeptisch gegenüber. Der Vorwurf, mit dem guten Namen Geld machen zu wollen und dabei nun jedes Jahr eine lieblose Produktion nach der anderen auf den Markt zu werfen, steht also seit dem siebten Teil im Raum.

Alles nur Kommerz?

Diesem Vorwurf konnte man durch eine liebevolle Aufarbeitung und eine kontextualisierte Einbettung in die Geschichte gut begegnen. Anders als die Überschrift vermuten lässt, soll dies kein Verriss auf den neuesten Film sein. Ich bin mir darüber hinaus durchaus der Mehrheit derer bewusst, die den Film mit großer Begeisterung sahen und meine Kritik eventuell nicht teilen. Eine aus meiner Sicht nicht immer ganz nachvollziehbare Haltung, so kommen Fans der Reihe zumindest im letzten Drittel auf ihre Kosten, „Laien“ werden jedoch nicht mitgenommen und erleben so vermutlich eher ernüchternde zwei Stunden.

Was sagt man zur Gestaltung?

Der Film ist zunächst liebevoll aufgebaut, die Kulissen sind schön gewählt und die Darsteller schaffen es, diese mit Leben zu füllen. Generell lässt sich das sagen, vor allem aber im letzten Drittel entschädigt der Film für vieles, was er zuvor falsch macht. Auch die technische Darstellung wirkt nicht verkitscht, sondern wurde behutsam modernisiert, fügt sich dennoch glaubwürdig in die Reihe und in die heutige Zeit und schafft so den ersten schwierigen Spagat. Am deutlichsten äußert sich dies in der digitalisierten Darstellung von General Tarkin und Prinzessin Leia und in der letzten Szene, die sozusagen die letzten Minuten vor Teil vier zeigt. Jeder Star Wars Fan, auch ich, ist von solchen cineastischen Erlebnissen fasziniert. Das letzte Drittel des Films zeigte auch durchaus das Potenzial für die ersten beiden Drittel auf. Die Kriegsszenen sind zudem kernig und glaubwürdig.

Doch wo liegt nun eigentlich die Kritik?

SPOILER:

Der erste Schauplatz ist direkt ein Sehnsuchtsort. Gefühlt am Ende der Welt hat sich Galen Erso mit seiner Familie niedergelassen um ein bäuerliches Leben zu führen und wird dort von imperialen Truppen aufgespürt. Nicht überrascht scheinen er und seine Frau davon zu sein, vielmehr scheint alles genau vorbereitet. Umso mehr überrascht es, dass seine Frau sich erschießen lässt, statt sich entweder zu ergeben oder der Tochter ins Versteck zu folgen. Sie handelt hierbei offensichtlich spontan, da Galen Sekunden vorher behauptet, seine Frau sei tot. Der General bietet ihr jedoch an, mitzukommen, wenn sie die Waffe fallen lässt. Die Aussicht auf ein Leben als Frau eines Kollaborateurs wirkt deutlich attraktiver als der Tod, trotzdem lässt sie sich erschiessen, was bereits wie mit der Brechstange in die Handlung eingefügt wirkt. Seine kleine Tochter Jyn finden die imperialen Truppen nicht. Sie wird von einem Rebellenführer in ihrem Versteck abgeholt. Nun folgt ein Zeitsprung, der Jyn zu einer jungen Frau macht, die in keinem Kontakt zur Rebellion steht, was erst später begründet wird. Doch statt nun die Handlung auf eine junge, rastlos wirkende Akteurin zu fokussieren und ihren Werdegang genauer zu beleuchten, fügt man einen ganzen Blumenstrauß von flat characters ein. Der verwegene Spion Cassian als wortkarger, geheimnisvoller Antiheld, der gewitzte Deserteur Bodhi Rook und die im Duo auftretenden Baze Malbus, eine Art Weltallrambo und sein Kumpane Imwe, ein blinder Jedi-Wächter, der zwar über kein Lichtschwert verfügt, dafür aber jede Menge Pathos aus dem Fundus des leicht schwülstigen, spirituellen Überbaus der Saga. Er wirkt daher eher wie ein Zen Mönch, der sich an das falsche Filmset verlaufen hat. Gelungener Sidekick ist da schon eher der imperiale Droide K2, der die recht düstere Handlung mit zynischen Sprüchen und gelungener Selbstironie immer wieder auflockert. Die anderen Charaktere bleiben in ihren Motiven recht oberflächlich. Generell wirkt die Handlung zur Mitte des Films recht zerstreut. Nachdem ein halbes Dutzend Darsteller auf einem halben Dutzend Planeten vorgestellt wurden, trifft Jyn ihren Ziehvater Saw Gerrera wieder. Dies ist schon relativ unglaubwürdig, da Jyn vorher im Eiltempo den Wandel von einem resignierendem, sich den Verhältnissen fügendem Einzelgänger hin zu einer Einpeitscherin („Rebellion entsteht aus Hoffnung“) der Rebellen durchlebt. Die Möglichkeit, diesen Wandel glaubwürdiger darzustellen, nimmt sich der Regisseur durch seine Überfrachtung mit Charakteren selbst. Saw Gerrera scheint kampfesmüde und verbleibt auf einem dem Tode geweihten Wüstenplaneten, statt mit Jyn in die finale Schlacht zu ziehen. Vorher zeigte er ihr jedoch schnell noch die Botschaft ihres Vaters, welcher sie über die Schwachstelle im Todesstern aufklärt. Da die Rebellen sie nicht unterstützen wollen, sammelt sie um sich ihre Getreuen, um sie auf ein Himmelfahrtskommando im besten Wortsinn zu führen und die Pläne, die den Fehler erläutern, von einem Planeten des Imperiums zu stehlen. Nach nunmehr fast zwei Stunden wirrer Erzählstränge, Kompetenzgerangel im Imperium und der Hatz über viele Planeten laufen nun also die Fäden auf Scarif zusammen und hier wird der bereits enttäuschte Star Wars Fan für so manchen Jedi-Ritter ohne Lichtschwert entschädigt. In den Kriegsszenen zeigt darüber hinaus auch der Regisseur, wo seine Potenziale gelagert sind.

SPOILERENDE:

Beim Einschleichen dreier Hauptakteure setzt er zudem auf Bewährtes und weiß zu überzeugen. Generell kauft man dem Planeten Scarif die imperiale Besatzung ab. Keine gesetzlose Dystopie, eher ein für die imperialen Eliten geschaffenes Elysium wird hier auf die Leinwand gezaubert. Der coole Auftritt von Darth Vader, die Sekunden, in denen man eine komplett animierte Prinzessin Leia von Hoffnung sprechen sieht und als Fan bereits genau weiß, was ihr in naher Zukunft blüht, all dies stimmt die Fans versöhnlich, die vorher nur von wohldosierten Referenzen wachgehalten wurden. Diese zu erkennen ist aber nunmal nur den Fans vergönnt. Entsprechend enttäuscht und gelangweilt war meine Freundin nach dem Film. Wann und ob sie schonmal einen Star Wars Film gesehen habe, frage ich sie nach Verlassen des Kinos. „Vor einem Jahr“, ist die Antwort, „…der war aber besser.“


Bild: YouTube Screenshot

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