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Politik

Was ist die TPD? Transhumanismus in Deutschland

Was versteht man unter Transhumanismus?

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1) Die deutsche Parteienlandschaft wird immer vielfältiger. Das kann man auch an der Parteienliste auf dem nächsten Wahlzettel zur Bundestagswahl 2017 sehen. Insgesamt werden dort nun 42 Parteien stehen. Die junge Transhumane Partei Deutschlands (TPD) gründete sich 2015 und war zur Wahl zugelassen, entschied sich dann aber doch dagegen anzutreten. Was führte zu diesem Entschluss? Welche Probleme traten dabei auf?

Die Transhumane Partei Deutschland (TPD) konnte in den letzten 2 Jahren viele gute Grundlagen legen, um ab jetzt auch verstärkt deutschlandweit in die Öffentlichkeit zu treten. An Wahlen konnte die TPD bisher allerdings noch nicht teilnehmen, da nicht ausreichend Unterstützungsunterschriften gesammelt werden konnten; dies gilt leider auch für die anstehende Bundestagswahl, für die die TPD die Zulassung am 06.07.2017 vom Bundeswahlausschuss zwar erhalten hat, aber eben nicht daran teilnehmen wird. Es existieren bisher auch nur drei Landesverbände in Berlin, Baden-Württemberg und Sachsen; die Gründungen der Landesverbände Nordrhein-Westfalen, Bayern und Niedersachsen sind in den nächsten Wochen und Monaten geplant. Das Ziel der TPD bezüglich der nächsten Wahlen ist es nun, an den Europawahlen 2019 sowie, falls möglich, mit der noch zu gründenden TPD Bayern an den Landtagswahlen 2018 in Bayern teilzunehmen; selbstverständlich planen wir auch die Teilnahme an der nächsten Bundestagswahl, aber das wird ja vermutlich noch etwas dauern …

2) Wie würden Sie einer Person, die noch nie etwas von der TPD gehört hat, den Transhumanismus erklären?

Man muss zu der Frage „was ist Transhumanismus?“ als Erstes klar sagen, dass es nicht den einen Transhumanismus gibt. Wie in den meisten anderen Denkströmungen auch, gibt es im Transhumanismus verschiedene Meinungen und ein Spektrum von Interpretationen und Standpunkten.
Obwohl der Transhumanismus also keine vollkommen homogene Strömung ist, eint Transhumane bzw. Transhumanisten weltweit im Allgemeinen jedoch das Streben nach einem langen, gesunden und lebenswerteren Leben sowie das Ziel einer positiven Entwicklung von Mensch und Gesellschaft, insbesondere (aber nicht nur) durch Wissenschaft und Technik. Auf dieser Grundlage lassen sich durchaus einige charakteristische Merkmale des Transhumanismus als philosophische Denkrichtung herausstellen:

Der Transhumanismus orientiert sich an vielen modernen humanistischen Idealen (wie der rationalen Vernunft oder einer umfassenden Bildung) sowie der Anerkennung und der respektvollen Wertschätzung allen Lebens – sei es menschlicher oder nichtmenschlicher Art. Darüber hinaus hält er wissenschaftlichen, technologischen aber auch gesellschaftlichen Fortschritt sowie ein glückliches, selbstbestimmtes und erfülltes Leben in Gesundheit, Wohlstand und Freiheit, dazu im Einklang mit der Natur, für erstrebenswert; und zwar ohne spezielle Ausnahmen und ohne Zwänge, ohne willkürlich gezogene Grenzen oder ideologische Beschränkungen.
Im Angesicht der sich immer schneller und tiefgreifender ändernden menschlichen Welt erkennt der Transhumanismus die radikalen und weitreichenden Änderungen in Beschaffenheit und Möglichkeiten des Lebens durch Forschung, Wissenschaft und Technologie sowie die Bedeutung und Chancen einer global vernetzten heterogenen Weltgemeinschaft. Er setzt sich daher dafür ein, gegenwärtige und erwartete zukünftige Entwicklungen sowie ihre Auswirkungen rational und systematisch zu erforschen und bei der Zukunftsplanung zu berücksichtigen, damit deren Möglichkeiten sinnvoll für die Gesellschaft nutzbar gemacht sowie verantwortungsvolle Entscheidungen mit Weitblick getroffen werden können. Der Transhumanismus definiert sich dabei außerdem und auch gerade deshalb durch eine vielfältige, soziale und freiheitliche Gemeinschaft, die sowohl Basis als auch Ziel von Befähigung und Entwicklung ist.
Entsprechend kann man Transhumanismus als die logische Fortsetzung des Humanismus im Kontext der aktuellen Geschwindigkeit technologischer und gesellschaftlicher Veränderungen ansehen; wobei der Transhumanismus den Humanismus weiter denkt und ihn dahingehend „überwindet“, dass er die Grundlagen und Werte des Humanismus kontinuierlich fortentwickelt und daher auch immer dynamisch einem explizit gewollten geistigen Wandel unterzogen ist.
Unter Beachtung eventueller Risiken und ethischer Aspekte tritt hierbei der Transhumanismus im Sinne einer „Verpflichtung zum Fortschritt“ insbesondere dafür ein, die Grenzen menschlicher Möglichkeiten durch den Einsatz neuer technologischer Verfahren und wissenschaftlicher Erkenntnisse zu erweitern. Dies soll es jedem Menschen in Zukunft ermöglichen, seine Lebensqualität individuell zu verbessern sowie seine physischen und geistigen Fähigkeiten selbst bestimmen und bisher grundlegende menschliche Einschränkungen überwinden zu können.

Dabei legen mache Transhumanisten den Schwerpunkt auf Technik und/oder die Verschmelzung von Mensch und Technologie, für andere stehen philosophische Aspekte oder soziale Utopien im Vordergrund und wieder andere vertreten eine Art religiösen bzw. spirituellen Transhumanismus und streben beispielsweise Unsterblichkeit an.
Diese unterschiedlichen Richtungen im Transhumanismus schließen sich zwar in der Regel nicht gegenseitig aus, aber es ist wichtig, sich über die vielfältigen persönlichen Schwerpunktsetzungen zu verständigen, damit keine Missverständnisse entstehen und teilweise bestehende Vorurteile abgebaut werden können. Transhumanismus ist nämlich genau das Gegenteil dessen, was manche Menschen darunter verstehen bzw. sich darunter vorstellen (falls sie überhaupt schon einmal etwas von Transhumanismus gehört haben).

Transhumanismus steht dafür, sich nicht mit dem Erreichten zufriedenzugeben, sich nicht mit bestehenden Missständen und Beschränkungen abzufinden, sondern, Gegebenheiten zu hinterfragen, sich weiterzuentwickeln, sich zu verändern, sich zu verbessern – generell nach Höherem zu streben und überhaupt die gesamte Welt in einen lebenswerteren Ort zu verwandeln.
Transhumanismus ist die Idee, dass es allem Leben in Zukunft besser gehen kann als heute, wenn wir als Gesellschaft aufhören, in Grenzen zu denken.
Transhumanismus, das ist zusammenfassend das weitgehend ideologiefreie humanistische Umarmen der Menschen, mit allen ihren Fähigkeiten, mit all ihren Wünschen und Bedürfnissen – ohne sich durch das Hier und Jetzt begrenzen lassen zu wollen.

 

3) Passt die TPD ins Links-Rechts-Spektrum einer klassischen Parteienlandschaft oder würden Sie sagen, dass Sie als Partei vielleicht sogar dem Koordinatensystem der Politik eine weitere Achse hinzufügen: Nämlich die des Fortschritts und der Technik?

Die TPD lässt sich in das recht veraltete, sich aber trotzdem immer noch hartnäckig haltende, eindimensionale „Links-rechts-Schema“ nicht wirklich gut einordnen; ein Parameter ist ganz einfach auch zu wenig, um eine Partei zu charakterisieren.
Aber selbstverständlich ist von vielen Leuten, die sich einen ersten Überblick über eine Partei verschaffen wollen, eine klare Einordnung in das „politische Spektrum“ gewünscht. Beim „Rechts-links-Schema“ ist es jedoch eigentlich notwendig, vorher erst einmal die Begrifflichkeiten zu klären und festzulegen, was man überhaupt unter „links“ und „rechts“ versteht.
Unter Berücksichtigung dieser Unklarheiten ist die TPD allerdings (wenn man diese unbedingt einordnen müsste) eher „links“ als „rechts“.
Die TPD ist „links“ im Sinne einer Ablehnung von Konservatismus, Nationalismus und veralteten Lohnarbeitskonzepten. Und sie ist „links“, wenn man optimale Freiheit als ein rein „linkes“ Ideal ansieht.
Die Transhumane Partei ist außerdem insofern als „links“ zu sehen, dass sie auf dem gleichen philosophischen Grundstein aufbaut, nämlich der Gleichheit aller Menschen, und sich als Ziel setzt, Ungleichheit und Unterdrückung zu beenden sowie insbesondere erreichen möchte, dass alle (und nicht nur wenige) vom Fortschritt möglichst schnell profitieren.
Es fließen also durchaus „linke“ Ideen in die Konzepte der TPD ein bzw. bilden teilweise die Grundlage von Positionen und Lösungsansätzen, die letztendlich allerdings weit außerhalb des normalen politischen Spektrums liegen.
In diesem Sinne unterscheiden sich alle weiteren praktischen Ansätze der TPD stark von jeder rein „linken“ Initiative. So liegt ihr Fokus nicht auf wirtschaftlicher Anpassung hin zu dem gewünschten Zustand, sondern im Bereich der Bildung, Wissenschaft und Technik. Oder anders gesagt: Da das aktuelle Wirtschaftssystem selbst bereits Quelle von Ungerechtigkeit ist, liegt für die Transhumane Partei die Lösung außerhalb dieses Bereichs.

Nun kann man neben „links vs. rechts“ (was oft wirtschaftlich interpretiert wird) dem „Koordinatensystem des politischen Spektrums“ noch beliebig viele Achsen hinzufügen und versuchen, die TPD entsprechend einzuordnen. Auf einer Achse „autoritär/restriktiv vs. liberal/libertär“ wäre die TPD sicher weit im „liberalen Bereich“ und auf einer Achse „kollektivistisch vs. individualistisch“ würde sich die TPD stark bei „individualistisch“ positionieren. Eine Achse „konservativ vs. progressiv“ könnte tatsächlich auch sehr gut dem klassischen Schema hinzugefügt werden. Selbstverständlich wäre die TPD hier ganz klar bei „progressiv“ zu finden und auch bei „biokonservativ vs. technologistisch“ dürfte die Zuordnung eindeutig sein.
Man könnte noch viele weitere Dimensionen finden und sich Positionen auf diesen Achsen überlegen: Letztendlich bleibt es aber eine unzutreffende Gesamt-Charakterisierung einer politischen Partei, insbesondere im Fall der TPD.
Wenn man es trotzdem so einfach wie möglich möchte, macht eine zusätzliche Achse, die Progressivismus/Technologie abbildet, jedenfalls viel Sinn, um sich dem Wesen des Transhumanismus bzw. dem politischen Charakter der TPD anzunähern.

Zusammenfassend kann man (wenn man die TPD kurz mit Stichworten beschreiben möchte), festhalten: Die Transhumane Partei ist transhuman, progressiv (auf den Fortschritt ausgerichtet; insbesondere humanprogressiv und technoprogressiv), individualistisch, sozialliberal (also sowohl liberal als auch sozial) und kosmopolitisch.

4) Haben Sie in Deutschland schon Ablehnung erfahren?

Der Transhumanismus wird tatsächlich, gerade in Deutschland, manchmal kritisch gesehen, wobei es aber auch oft Missverständnisse bezüglich der Werte und Ziele gibt. Ablehnung kommt meist von konservativ eingestellten Menschen, die anderen gerne vorschreiben, wie sie ihr Leben zu führen haben und die die drastischen Entwicklungen in den letzten Jahren in allen Bereichen des menschlichen Lebens und die kommenden gravierenden Veränderungen in den nächsten Jahrzehnten generell kritisch sehen. Aber auch das gehört zum Transhumanismus; dass auch diese Menschen ein Leben führen können sollen, wie sie es sich wünschen: Idealerweise soll niemand zu etwas gezwungen werden. Transhumanisten sind davon überzeugt, dass die Menschheit den Zustand maximaler Freiheit für jeden Menschen erreichen kann, insbesondere durch weitere technologische Entwicklung, die immer wieder auf das Neue Grenzen durchbricht.
Selbstverständlich bringen neue Technologien auch problematische Entwicklungen mit sich. Die TPD ist sich dieser Entwicklungen bewusst, sie möchte sie diskutieren, möglichst ausgewogen politisch einbetten und Visionen aufzeigen. Seit der Gründung der TPD ist es ein wesentliches Anliegen der Partei, einen rationalen und transparenten Dialog über die aktuellen Herausforderungen zu führen, die durch Technologie entstehen.
In diesem Sinne hat sich die Transhumane Partei vorgenommen, die kommenden technologischen und gesellschaftlichen Entwicklungen (wie Automatisierung und den damit verbundenen Veränderungen im Arbeitsmarkt, den Umgang mit bzw. die Folgen von künstlicher Intelligenz, Langlebigkeit und die Optimierung der eigenen Gesundheit, globale Herausforderungen wie Armut, Terrorismus oder Klimawandel usw.) politisch zu begleiten, zu gestalten und Antworten auf die Frage zu finden, wie die Menschheit als Ganzes den Wandel positiv für sich nutzen kann. Denn es ist entscheidend, wie sich die Gesellschaft vorbereitet und Entwicklungen steuert, und ob alle, oder nur wenige, vom Fortschritt profitieren werden und wann dies geschehen wird.
Nach Betrachtung dieses Vorhabens und ihrer Programmpunkte hat die TPD bisher eigentlich kaum prinzipielle Ablehnung erfahren. Sicherlich liegt dies auch daran, dass die Transhumane Partei wie auch der Transhumanismus noch nicht der breiten Öffentlichkeit bekannt sind und die TPD in persönlicher Kommunikation Vorurteile bzw. Vorbehalte bezüglich des Transhumanismus abbauen konnte. Wenn Kritik aufkommt, dann geht diese eher in die Richtung, dass argumentiert wird, dass die Ziele und Forderungen der TPD eventuell zu weit in die Zukunft gedacht sind und manche vielleicht zu utopisch sind. Andererseits können besonders technologische Veränderungen sehr schnell gehen und es sind auch viele Menschen davon überzeugt: Der „alten“ Politik fehlt es an Weitblick und Visionen für Deutschland. Insgesamt erhält die TPD jedenfalls überwiegend Zustimmung für ihre grundsätzlichen Positionen. Sie freut sich aber über jede konstruktive Kritik und ist immer offen für neue Ideen und Vorschläge.

 

5) . Ist die TPD international vernetzt? Wenn ja, welche Parteien oder Organisationen im Ausland haben dort vielleicht einen Vorbildcharakter?

Die TPD hat Kontakt zu verschiedenen transhumanistischen Organisationen weltweit. Es gibt mittlerweile über den gesamten Globus verteilt transhumane Parteien, Parteien in Gründung sowie zahlreiche mit dem Transhumanismus verknüpfte und/oder transhumanistische Ideale unterstützende Initiativen.
Darüber hinaus hat die TPD durch ihre internationalen Verbindungen in Wissenschaft und Forschung, neuer Politik und gesellschaftlich aktiven Menschen, Unternehmen und Organisation, Zugang zu einem anderen, einem neuen, sehr differenziertem Denken. In solchen Keimzellen, in den Fabriken des Denkens, wird intensiv an der Welt von morgen gearbeitet und die TPD versucht natürlich, die aussichtsreichsten Lösungen und Vorhaben, speziell für Deutschland, umzusetzen und in die Politik einzubringen.

 

6) Wie stehen Sie zu der Vorstellung, dass der Mensch einmal in der Technik aufgehen könnte? Ist dies für Sie eine Wunschvorstellung, ein Ziel?

Wie bereits angesprochen, gibt es verschiedene transhumanistische Strömungen und sicherlich gibt es Transhumanisten, die ein „Aufgehen des Menschen in der Technik“ anstreben. Letztendlich muss aber jeder Mensch selbst entscheiden, wie er mit den technologischen Möglichkeiten umgeht, die zu einer bestimmten Zeit vorhanden sind.
Tatsächlich sind der Evolutionsgedanke und das Ideal des Menschen, der über sich selbst hinauswächst, irgendwann vielleicht sogar mit der selbst erschaffenen Technik verschmilzt, ein Bestandteil des Transhumanismus; aber nicht alle Transhumanisten wollen Cyborgs sein und weder die TPD noch der Transhumanismus wollen diesbezüglich den Menschen irgendwelche Vorschriften machen.

Tatsache ist allerdings, dass der Mensch im Allgemeinen schon seit Jahrtausenden immer stärker mit Technologie verschmilzt und dabei kontinuierlich seine Möglichkeiten erweitert hat; und diese Entwicklung wird weitergehen. Einige Transhumanisten argumentieren sogar, dass eine stärkere Interaktion mit Computern in Zukunft nötig sein wird, damit der Mensch die Kontrolle über fortschrittliche künstliche Intelligenz behält.

Davon abgesehen halten viele Transhumanisten die sogenannte technologische Singularität für möglich, welche in der Prognose den Menschen wahrscheinlich grundlegend verändern wird und je nach zugrundeliegender Definition den „Übermenschen“ erschaffen kann. Doch das mit der „Erschaffung des Übermenschen“ ist weitestgehend eine Gedankenübung: Nach welchem Bewertungsparameter soll denn entschieden werden, was ein „Übermensch“ ist? Ist dies ein besonders intelligenter Mensch? – oder ein sehr starker? – oder ein unsichtbarer? Oder ist es ein Mensch, der dank Beinen aus Carbon schneller ist als alle anderen? Gibt es überhaupt absolute Maßstäbe? Kann man einen heute lebenden Menschen (ausgerüstet mit Kleidung, Brille, Smartphone, Auto, usw.) im Vergleich zu einem „Höhlenmenschen“ nicht auch als „Übermensch“ bezeichnen? Oder ein anderes Beispiel: Sicherlich würden viele Menschen zustimmen, dass eine Welt ohne Krieg erstrebenswert ist. Nun aber wieder die Frage: Da Krieg über die gesamte Menschheitsgeschichte hinweg immer Gegenwart des Menschen war, ist dann nicht ein friedlicher Mensch bereits ein „Übermensch“, weil er seinen „Naturzustand“ „überwunden“ hat?

Ein Ende der technologischen und gesellschaftlichen Weiterentwicklung ist jedenfalls nicht in Sicht und das Ziel ist für den Transhumanismus eindeutig: Es soll jedem Menschen, insbesondere durch neue Technologien, in Zukunft ermöglicht werden, seine Lebensqualität individuell zu verbessern sowie seine physischen und geistigen Fähigkeiten selbst bestimmen und bisher grundlegende menschliche Einschränkungen überwinden zu können.
Dies geschah und geschieht offensichtlich auch auf „natürlichem“ Wege, aber inzwischen besitzt die Menschheit wesentlich effektivere Methoden als ihre frühen Vorfahren. Waren es vor Jahrtausenden noch Sprache und erste Werkzeuge, später dann Kunst, Schrift und Kleidung, die der Menschheit Evolutionssprünge bescherten, so sind es heute medizintechnische Entwicklungen wie CRISPR/Cas9 die das Potenzial haben, Menschen viel schneller und tiefgreifender zu verändern, als dies bisher möglich war.
Für die TPD ist jedenfalls klar: Neue technologische Entwicklungen sollten nicht länger düsteren Weltuntergangsszenarien überlassen bleiben, denn es gibt ein sehr großes Potenzial für viel Gutes. Man muss nur davon wissen und den Mut beweisen, darüber zu sprechen.
Die TPD ist sich dieser Entwicklungen bewusst, sie möchte sie diskutieren, möglichst ausgewogen politisch einbetten und Visionen aufzeigen.
Und jeder Mensch ist individuell, hat eigene Ziele, persönliche Motivationen und Ideen; dies gilt es zu beachten.

Insgesamt setzt sich die TPD für die größtmögliche Freiheit des Menschen ein – unter Berücksichtigung des Schutzes des Individuums: Jede Freiheit des Einzelnen endet dort, wo die Freiheit eines Anderen berührt wird. Einerseits will und wird die TPD daran arbeiten, jegliche Form von Diskriminierung, Gewalt und Fremdbestimmung abzuschaffen; andererseits will sie speziell die positive Freiheit des Menschen befördern: Freies Denken, Vielfalt und freie Meinungsäußerung (auch innerhalb der Partei), gestalterische Selbstbestimmung sowie Verfügung über den eigenen Körper und das eigene Leben. Langfristig strebt die TPD die Ausweitung einer sicheren technologischen Selbstbestimmung und die Abschaffung allen unfreiwilligen Leids an.
Wie gesagt, der moderne Transhumanismus im Allgemeinen schätzt alles Leben, auch so, wie es ist. Bei allen potenziellen Eingriffen soll es das Ziel sein, die Freiheit jedes Menschen (im Allgemeinen des gesamten Lebens) zu vergrößern, was auch bedeutet, dass keiner zu nicht gewünschten Veränderungen gezwungen werden darf, denn das würde die individuelle Freiheit stark einschränken. Nur in Ausnahmefällen sollte die persönliche Freiheit eingeschränkt werden, nämlich dann, wenn ansonsten die Freiheit anderer Lebewesen bedroht ist.
In diesem Sinne und mit den erwähnten Einschränkungen, unterstützt die TPD auf Grundlage des Transhumanismus daher selbstverständlich die Vorstellung bzw. das Ziel, dass es dem Menschen in Zukunft möglich ist, in „Technik aufzugehen“. Dies schließt andere Lebensvorstellungen bzw. Lebensentwürfe aber nicht aus, die die TPD genauso befürwortet, wenn diese „unter dem Strich“ mehr Nutzen als Schaden, mehr Freude als Leid bringen bzw. die Freiheit der Menschen insgesamt maximiert wird, was man vielleicht als „pareto-optimierte morphologische Freiheit“ bezeichnen könnte.

 

7) Welche Probleme können wir mit dem Transhumanismus Ihrer Meinung nach besser angehen? Bietet der Transhumanismus Lösungen für Hunger, Rohstoffknappheit und Überbevölkerung?

Wenn wir zurück in die Vergangenheit schauen, uns die Gegenwart ansehen und in die Zukunft blicken, so erkennen wir unweigerlich, dass sich unsere Welt nicht einfach nur bloß wandelt, sondern sich zudem immer schneller und tiefgreifender verändert. Gesellschaftliche und technologische Wandlungsprozesse, die vor zweihundert Jahren noch Jahrzehnte gebraucht haben bzw. gebraucht hätten, vollziehen sich jetzt innerhalb von einigen Jahren, und bald schon innerhalb von Monaten.
Unsere Welt wird sich in Zukunft schneller verändern als in der Vergangenheit – der gesellschaftliche sowie technologische Fortschritt beschleunigt sich; und, wie wir beispielsweise an Technologien wie Telefon, Radio, Fernsehen, Computer, Handy, Internet oder Smartphone sehen, dringen die Auswirkungen davon immer schneller und massiver in unseren Alltag ein.
Ein Großteil der politischen Entscheidungsträger und auch große Teile der Bevölkerung scheinen in einer „Zeitblase“ zu leben, durch die die rasanten Entwicklungen und ihre potenziellen Implikationen viel langsamer oder kaum wahrgenommen werden.
Tatsächlich jedoch, wachsen die Möglichkeiten der Menschheit rasant – täglich kann man neue wissenschaftliche Erkenntnisse und technologische Durchbrüche nachlesen, die zu einer weitreichenden, tiefgreifenden sowie sich immer stärker beschleunigten Veränderung des Lebens auf diesem Planeten beitragen.
Aber unabhängig davon, wie schnell die Zukunft auf uns zurollt, ist jedoch klar: Die Zukunft wird voraussichtlich viele Möglichkeiten bieten, aber auch gewaltige Herausforderungen und Probleme mit sich bringen.

Es stellen sich beispielsweise folgende Fragen:

  • Wie kann man zukünftige Technologien zum Nutzen aller einsetzen und welche Risiken bergen diese?
  • Wie wird sich die Gesellschaft durch neue Technologien und neue wissenschaftliche Erkenntnisse verändern?
  • Welche persönlichen Konsequenzen werden bestimmte gesellschaftliche und technologische Entwicklungen haben?
  • Was bedeutet gerechte Verteilung von Wohlstand durch Wissenschaft und Technologie?
  • Kann dieser gerecht verteilt werden? Und wenn ja, wie?
  • Wie gehen wir damit um, dass einzelne Personen und ihre Entscheidungen oder Erfindungen die gesamte Welt verändern können?
  • Mit welchen Methoden kann verhindert werden, dass sich vom Menschen geschaffene intelligente Maschinen gegen ihre „Schöpfer“ richten?
  • Wie kann man die zukünftigen Beziehungen zwischen Menschen und intelligenten Maschinen sinnvoll und zum Nutzen aller gestalten?
  • Welche gesetzlichen Grundlagen sind nötig, um flexibel auf zukünftige Ereignisse reagieren zu können?
  • Wohin führt eine mögliche zunehmende Überwachung und ein möglicher zunehmender Verlust von Privatsphäre?
  • Was heißt es, „Mensch“ zu sein und welche Rechte und Pflichten werden künstliche intelligente Maschinen mit Bewusstsein erhalten?

Als Menschheit müssen wir uns solche und zahlreiche weitere Fragen stellen und versuchen, Antworten zu finden, schon heute, den sonst wird die Gesellschaft von den Geschehnissen überrollt werden.
Der Transhumanen Partei ist dabei bewusst, dass die Menschheit nicht alle Probleme mit Technologie lösen kann. Und die eben gestellten Fragen bzw. Probleme lassen sich erst einmal wirklich nicht primär mit Technik beantworten bzw. lösen. Wir können nicht alle Probleme mit Technologie lösen; die großen, wichtigen Probleme des 21. Jahrhunderts sind keine reinen Technikprobleme.
Probleme, die man theoretisch mit Technik lösen kann, die wird man früher oder später auch mit neuen Technologien lösen können, aber das sind nicht die Hauptprobleme. Die Hauptprobleme sind tatsächlich sozial-gesellschaftlicher Natur. Oft ist es das unvernünftige Verhalten von Menschen, welches Probleme wie Umweltzerstörung, Überbevölkerung, Armut, Diskriminierung, Gewalt, Terrorismus usw. schafft.
Und es nützt auch erst einmal recht nichts, wenn die Regierenden willkürliche und fortschrittsfeindliche Verbote aussprechen oder Reformen verhindern. Das wird nicht gut gehen – die Geschichte zeigt, dass so etwas noch nie lange gut gegangen ist.
Gesellschaftliche Systeme werden sich verändern. Und Demokratien werden stürzen, wenn sie Zeichen der Zeit nicht erkennen und die Regierenden die Bedürfnisse der Menschen nicht beachten. Nur, wenn wir früher als später handeln, können wir unnötiges Leid verhindern!

Einige kennen vielleicht die Geschichte vom Frosch, der sofort wieder rausspringt, wenn man ihn in einen Topf mit kochendem Wasser wirft, aber sitzenbleibt und schließlich verendet, wenn man ihn in einen Topf mit kaltem Wasser setzt und dieses langsam erwärmt.
Dieser Mythos vom „dummen Frosch im warmen Wasser“ stimmt übrigens nicht, aber die Geschichte kann trotzdem als Beispiel für die Trägheit menschlicher Gesellschaften dienen – Gesellschaften, die die Konsequenzen von Veränderungen nicht rechtzeitig erkennen.
Das Problem der meisten Leute ist tatsächlich, dass sie nicht glauben können, dass was passieren kann, dass sich etwas grundlegend ändern kann, bis es schon so weit ist. Das ist das Problem. Es ist keine Dummheit oder Schwäche; so ist die menschliche Natur.
Aber wir haben auch die Fähigkeit, unser Verhalten, unsere Vorurteile, unsere Ansichten, unsere ureigenen Triebe und Instinkte sowie die vorherrschenden Verhältnisse kritisch zu hinterfragen. Uns verändern und Dinge hinterfragen müssen wir, wenn die Welt in Zukunft verbessern wollen! Wir müssen uns nur dazu entscheiden, es zu tun; wir müssen unsere geistige Faulheit überwinden und Neues zulassen.
Die TPD ist davon überzeugt, dass hierbei Transhumanismus als philosophische Denkrichtung helfen und mit neuen bzw. anderen Ansätzen auch die Politik unterstützen und leiten kann.

Der Transhumanismus sucht Lösungen auf aktuelle Probleme nicht in der Vergangenheit, nicht im Rückschritt, nicht in Methoden, die die Probleme überhaupt erst verursacht haben, sondern in neuen Technologien, in innovativen Konzepten und in neuen Denkweisen – kurz in Veränderung und Fortschritt.
In diesem Sinne bietet der Transhumanismus auf extrem zahlreichen Wegen Lösungen für die großen Probleme des 21. Jahrhunderts.
Konkret bietet er auch (zumindest theoretisch) durchaus Lösungen für Hunger, Rohstoffknappheit und Überbevölkerung.
Hinsichtlich dieser Herausforderungen plädiert die TPD beispielsweise einerseits für eine Erhöhung von Gesundheit und Bildung, für eine gerechte Verteilung der Ressourcen sowie für eine Teilhabe aller Menschen an einem möglichst hohen globalen Lebensstandard. Andererseits sollen neue Technologien erforscht und eingesetzt werden, damit es möglich ist, auch sehr viele (immer mehr) Menschen auf der Erde (bzw. langfristig auch im Weltraum oder auf anderen Himmelskörpern) zu versorgen. Die Technologien hinter Begriffen wie „künstliches Fleisch“, „vertikale Farmen“, „Gentechnik“, „3D-Druck“, „Automatisierung“ oder „molekulare Nanotechnologie“ bieten jedenfalls enormes Potenzial, die genannten Probleme zu lösen. Viele weitere Konzepte und Technologien könnten genannt und genau erklärt werden, was allerdings den Rahmen hier sprengen würde.

 

8) Woher kommen Ihre Mitglieder und welchen Background haben sie? Können sich junge Menschen für die TPD begeistern?

Die Mitglieder der TPD sind Individualisten, Sozialliberale, Progressivisten, Transhumanisten und Posthumanisten, die das Streben nach einem langen, gesunden und lebenswerten Leben sowie das Ziel einer positiven Entwicklung von Mensch und Gesellschaft, insbesondere durch Wissenschaft und Technologie eint.
Die TPD-Mitglieder kommen dabei aus ganz Deutschland; es gibt auch einige Mitglieder im Ausland.
Mitglied kann man mit Vollendung des 14. Lebensjahres werden. Und tatsächlich gibt es auch Mitglieder, die (noch) Schüler sind. Es gibt aber auch ältere Mitglieder, die über 70 sind. Da die TPD progressiv ausgerichtet ist, kann man zwar vermuten, dass eher jüngere Menschen Interesse an der TPD haben, als ältere; aber grundsätzlich ist jeder unabhängig vom Alter in der TPD willkommen und es ist auch jede Altersklasse von etwa 15 bis etwa 75 Jahren in der TPD vertreten. Das Durchschnittsalter liegt aktuell bei etwa 33 Jahren. Entsprechend gibt es bei Betrachtung des Median- und Modalwerts eine „Häufung“ im Bereich von 25 bis 32 Jahren.
Man kann im Allgemeinen schon sagen, dass sich junge Menschen für die TPD „begeistern“ bzw. „begeistern“ können, wenn diese sich etwas mit den Werten, Zielen und politischen Forderungen der TPD auseinandersetzen.
Wie die Mitglieder, ist auch deren Background unterschiedlich. Allerdings sind überdurchschnittlich viele Mitglieder, entsprechend der Orientierung der TPD, im wissenschaftlich-technischen Bereich oder angrenzenden Gebieten tätig. Man trifft häufig auf Interesse an Naturwissenschaften, neuen Technologien, Gesundheit, Philosophie, Autarkie und natürlich Politik; man spürt aber auch stark den Drang der Mitglieder, die Welt zu einem besseren Ort für alle Menschen zu machen und beobachtet aktives persönliches Engagement in vielen verschiedenen gesellschaftlichen Gebieten.
Die meisten Mitglieder eint darüber hinaus die Befürwortung eines bedingungslosen Grundeinkommens. Generell werden jedoch fast alle Programmpunkte der Transhumanen Partei von einer sehr großen Mehrheit der TPD-Mitglieder befürwortet.

Foto: TPD

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