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Kino & Fern

Was ist der Film „Der Graben“?

Wir haben mit den Machern des Films „Der Graben“ gesprochen. Lest hier mehr:

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Der Graben - FilmszeneWie kamen Sie auf die Idee zu ,,Der Graben“ ?

Letztendlich war es die Analyse des jüngerschen Kriegstagebuch in der Jünger Biographie von Helmuth Kiesel, die zu der Idee vom „Graben“ führte. Darin arbeitet Kiesel mehr als ein halbes Dutzend verschiedene Persönlichkeiten heraus, die aus den Aufzeichnungen des „Kriegsmutwilligen“ sprechen. Damit war ein Ansatz gefunden, umso mehr, als dass das von Jünger beherbergte Figurenpanorama sich bestens dazu eignet, daraus Charaktere zu entwickeln, die als echte Menschen auf den Schlachtfeldern des Ersten Weltkrieges starben beziehungsweise an Körper und Seele verwundet wurden. Und zwar auf beiden Seiten der Front und über den Ersten Weltkrieg hinaus. Das ist auch das, was uns daran interessierte. Es geht nicht um den kühnen Stoßtruppführer, den Pour le merite Träger, Ernst Jünger. Sondern darum, wie er das Grauen und den Schrecken um sich herum jahrelang ausgehalten hat, wie er inmitten von Tod und Leid überlebte, nicht nur physisch, sondern vor allem psychisch. Und das ist es, was Jünger in seinen Kriegsbüchern schildert. „In Stahlgewitter“ beispielsweise ist mitnichten ein Heldenepos, es ist vielmehr ein Buch über das zeitlose Grauen des Krieges, das auch heute gilt, in den Schützengräben in der Ostukraine genauso wie in denen in Libyen oder in Syrien. Jedenfalls nach unserer Lesart.

Was schätzen Sie an Jüngers Werk, dass Sie Ihn als Inspiration herangezogen haben besonders und gibt es auch andere Werke, die Sie beeinflusst haben, wie z.B. ,,Im Westen nichts neues“?

Nun gibt es viele Möglichkeiten, sich von Jüngers Texten inspirieren zu lassen. In unserem Falle war es neben dem stereoskopischen Blick das psychologische und soziologische Talent Jüngers. Er bedarf nur weniger Sätze um komplexe Psychogramme zu entwerfen beziehungsweise seelische Zustände in Ausnahmesituationen zu beschreiben. Und dies in einer Art, die durch Klarheit besticht und gleichzeitig größtmöglichen Raum lässt für eigene Interpretationen.  Darüber hinaus hat uns natürlich auch das Dunkle, die Koketterie mit dem Tod fasziniert. Jüngers Beschreibungen vom Sterben, vom Hinübergleiten von der einen in die andere Welt, haben uns bei der Arbeit am Drehbuch durchweg beschäftigt und uns zur Auseinandersetzung damit gezwungen.
Was die weitere Literatur angeht, so haben wir natürlich auch andere Werke als die Jüngers zu Rate gezogen. Diese waren die Inspiration, doch nicht die einzige Quelle. Solche waren neben diversen militärhistorischen Arbeiten und Fundstücken in privaten Archiven, Bücher wie „Im Westen nichts neues“, „Reise ans Ende der Nacht“ von Celine, „Krieg“ von Renn oder „Schlump“ von Grimm. Das war uns von Beginn an wichtig. Denn wir wollten und wollen nicht die „Stahlgewitter“ in Szene setzen, sondern einen Film über den Krieg machen und das, was dieser aus einem Menschen macht.

Besonders in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts war der Erste Weltkrieg ein präsentes Thema in Literatur und Film. Inwiefern ist die Thematik heute noch aktuell und die Werke stilistisch relevant?

Das Thema Erster Weltkrieg ist natürlich immer aktuell und wird es sicherlich noch lange bleiben. Immerhin ist die Welt, in der wir heute leben, ja ein direktes Ergebnis dieser Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts. Wäre sie, auf welche Weise auch immer, verhindert worden, es sähe heute zweifelsohne anders aus auf dem Planeten Erde. Der Erste Weltkrieg war ein Zeitenbruch, das Jahr 1913 trennt vom Jahr 1918 mehr als nur ein Jahrfünft. Welten liegen dazwischen. Insofern wird der WK I, zumindest bis zum nächsten historischen Wendepunkt, niemals an Relevanz verlieren. Dass zeigen außerhalb Deutschlands die alljährlichen Feierlichkeiten in England und Frankreich zu den Jahrestagen des Great War beziehungsweise Grande Guerre. Hierzulande wird die Erinnerung an den Ersten Weltkrieg fast vollständig durch die an den Zweiten überlagert. Allerdings scheint sich auch hierzulande inzwischen etwas zu ändern. Anlässlich der hundertsten Wiederkehr des Jahrestages des Kriegsausbruchs, scheint neues Interesse an den Jahren zwischen 1914 und 1918 aufgekommen zu sein.
Vielleicht entstehen dann auch wieder Filme wie „Im Westen nichts neues“ oder Westfront 1918″. Sie waren stilbildend und wirken bis heute nach. Natürlich, die Zeiten und Kriege ändern sich, und damit auch die Erzählungen und Filme darüber.  Doch wer sich mit einem Film über den Ersten Weltkrieg beschäftigt, kommt an Werken aus der Zwischenkriegszeit nicht vorbei. Hier wurden Grundlagen geschaffen, auf denen Kriegsfilme wie „Stalingrad“ oder „Saving Private Ryan“ bis heute aufbauen. „Der Graben“ greift ebenfalls darauf zurück. Wenn auch nur vereinzelt. Das liegt vor allem daran, dass wir auf Massenszenen verzichten und stattdessen in Gestalt eines Kammerspiels den einzelnen in den Vordergrund rücken.
Hinsichtlich der Literatur nach dem Ersten Weltkrieg, so ist es hier vor allem die Überwältigung der Autoren angesichts der Maschnisierung und Industrialisierung des Tötens auf dem Schlachtfeld, die sie besonders macht. Der Feind war unsichtbar. Jahrelang bekamen ihn die Soldaten nicht zu Gesicht, dennoch trachtete er ihnen jeden Tag, jede Stunde und Minute nach dem Leben. Der Tod kam aus dem Nichts, von irgendwo hinter dem Horizont. Jünger findet dafür das passende Bild vom „Walzwerk des Todes“. Diese vollkommen neue und ungeheuerliche Erfahrung kann man in ihrer Auswirkung auf die Psyche der Soldaten kaum überschätzen. Aus ihr erwuchs nicht nur ein neues, finsteres Menschenbild, das, einmal an die Macht gekommen, die Welt ins Unglück stürzte, sondern darüber hinaus eine beeindruckende Literatur. Die Neue Sachlichkeit reformierte den deutschen Literaturbetrieb, ihre Autoren sind heute Klassiker, deren Romane erscheinen in immer neuen Auflagen und nicht wenige heutige Schriftsteller verorten ihre künstlerischen Vorbilder in jener Zeit zwischen den Kriegen.

Wie wird ihr Independent-Film finanziert?

Leider kommen für „Der Graben“ nur wenige Fördertöpfe in Betracht. Daher machen wir aus der Not eine Tugend und wollen den Film über Sponsoren finanzieren. Wir sind auf der Suche nach jemandem, der uns bei unserem Vorhaben finanziell unterstützt. Bis dahin treten wir, soweit es uns möglich ist, in Vorleistung.

Auf Ihrer Internetpräsenz haben Sie bereits einige Schauspieler aufgelistet, welche auch als Autoren am Film beteiligt sind. Können Sie uns erzählen, wie Ihr Team zusammen gefunden hat und welchen Hintergrund die Leute haben und welche Erfahrungen bereits mit der Produktion von Filmen gemacht wurde?

Zusammengefunden hat das Team über Markus Gertken. Während der Arbeit am Drehbuch und vor allem der Entwicklung der Figuren kamen recht bald Fragen hinsichtlich der Besetzung auf. Es war klar, dass man starke Schauspielerpersönlichkeiten brauchte. Also machten wir uns auf die Suche. Herausgekommen ist ein Ensemble, das sowohl auf der Leinwand wie auch auf Theaterbühnen sein Können und seine Präsenz eindrücklich bewiesen hat.

Zu guter letzt natürlich die Frage, die sicherlich allen Lesern unter den Nägeln brennt: Wie weit fortgeschritten ist das Projekt und wann darf man mit einer Veröffentlichung rechnen?

Es ist Vieles im Gange. Derzeit leisten wir noch gewisse Vorarbeiten. Wir komplettieren die Mannschaft,bauen Strukturen auf, organisieren Equipment und sind, wie bereits erwähnt, auf der Suche nach Sponsoren. Unsere Drehorte haben wir gefunden und die nächsten Schritte sind geplant. Zum Veröffentlichungstermin können wir allerdings im Moment noch nichts sagen. Alle Neuigkeiten gibt es auf Facebook und auf unserer Homepage.

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