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Politik

Warum die Jugend trotz Fridays for Future und Artikel 13 nur bedingt politisiert ist

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Foto: imago images / Christian Mang / imago 90306797

Wahrlich ein Trugschluss ist es, anzunehmen, dass sich momentan eine „Gesamtpolitisierung“ der Jugend beobachten lässt. Fridays-for-future-Demonstrationen und gelegentliche anti-AfD-Aufmärsche zeugen vielmehr von einer partiellen Politisierung junger Menschen und weniger von einem tatsächlichen Erwachen. Gefrönt wird nach wie vor dem Konsum, der Systemkonformität und der eigenen Selbstgefälligkeit, während weiterhin Entscheidungen über die Köpfe der Menschen hinweg gefällt werden, ohne dass diese überhaupt im großen Maße an die Öffentlichkeit kommuniziert werden.

Groß ist die Aufregung, wird die Freiheit des munteren „postens“ im Internet beschnitten (Artikel 13), doch bleibt sie gänzlich aus, wird die Meinungs–und die Redefreiheit im nicht-virtuellen Leben mit Füßen getreten (innergesellschaftliche Selbstzensur, Beobachtung durch den Verfassungsschutz, körperliche Gewalt durch „antifaschistische“ Gruppierungen, etc.).

Die zu beobachtende partielle (!) Politisierung Jugendlicher und junger Erwachsener ähnelt mehr dem Prinzip ,,Gratismut für Maulhelden“, anstatt dem des ernstzunehmenden Widerstandes.

Freitägliche Demonstrationen werden zum freitäglichen Schuleschwänzen, zum Hobby, zum Bestandteil der an Erlebnissen orientierten Existenz. Sie werden Teil des narzisstischen, selbstgefälligen Handelns des Selbstverwirklichungsmilieus innerhalb der Erlebnisgesellschaft, wie es der Bamberger Soziologe Gerhard Schulze beschrieb und zeugen von dem Verlangen, sich selbst in der Rolle des vermeintlichen Helden zu gefallen. Der Kognitionswissenschaftler Fritz Breithaupt sprach in seinem Buch ,,Die dunklen Seiten der Empathie“ vom Helfer-Held-Prinzip, welches sich direkt auf den Wochenendprotest jugendlicher Wohlfühlrebellen beziehen lässt. Die Zukunft ist in Gefahr, man selber erkennt dies, rennt mit Greta um den Block und profiliert sich im Anschluss mit der eigenen Heldentat.

Zweifelsohne ist unsere Zukunft zu einem gewissen Maße in Gefahr, doch lässt sich diese Gefahr nicht durch die stellenweise Minimalpolitisierung der Jugend zu Gunsten des Liberalismus abwenden. Lieber wäre mir eine komplett apolitische Jugend, anstatt die von Arroganz und Linientreue gezeichneten Wochenendrebellen, welche zwischen Akne und Stimmbruch meinen, die Weisheit mit Löffeln gefressen zu haben.

Auch ich fing im Alter von 15 Jahren damit an, mich mit Politik zu beschäftigen und auch mein Wesen war und ist von Idealismus geprägt. Doch bezweifle ich sehr, nach 10 Jahren die Politik komplett verstanden zu haben. Was mich und diverse Mitstreiter von dem Status Quo der heutigen Jugend unterscheidet, ist jedoch die Fähigkeit der Selbstreflexion.

Mein Rat an junge Idealisten wäre, zu hinterfragen, wem das eigene Handeln tatsächlich dient – dem Staat, der Wirtschaft, einem selbst, der Heimat – um anschließend über das Beibehalten des eigenen Kurses zu entscheiden.
Floskeln wie ,,davon profitieren wir alle“ müssen zwangsläufig erst einmal mit einem ,,inwiefern?“ hinterfragt werden.  Ignorante Gedankengänge wie ,,mit dem und dem spricht man nicht“ sind generell zu unterbinden, ist man an der Entfaltung des eigenen Geistes interessiert. Schwachsinnige Denkblockaden a la ,,das sind aber linke/rechte Ansichten“ gilt es zu überwinden. Wichtig ist der Mehrwert einzelner Ansichten, nicht die Einteilung in links und rechts.  Unerlässlich ist das kontinuierliche Hinterfragen der eigenen Ansichten, der eigenen Standpunkte, das Beibehalten des Bewährten und das Verwerfen des Überflüssigen.
Auch unerlässlich ist es, den Geist rein zu halten und sich von benebelnden Substanzen fernzuhalten. Von einem dummen Volk profitiert letztendlich nur das System, niemals das Volk selber.  Die Fähigkeit des Philosophierens muss trainiert werden, denn im Rahmen des Vorganges des Philosophierens gewährt man dem Geist die Möglichkeit, sich auf Wanderschaft zu begeben, Unentdecktes zu entdecken und neue Kraft zu schöpfen. Eine Möglichkeit den Geist auf Wanderschaft zu schicken, ist das Schreiben. Selten weiß ich, wie ein Text enden wird, denn woher soll ich wissen, wohin die Reise führt? [ Auch hier muss erwähnt werden, dass Freiheit nicht gegeben wird. Man hat sich die Freiheit zu nehmen – so auch die Freiheit des Denkens! ]

Idealismus ist ein leistungsstarker Motor, doch muss man mit diesem auch umgehen können. Um den Karren nicht gegen die Wand zu fahren, bedarf es einer klaren Sichtweise und eines freien Geistes. Wer dies nicht hat, wird es nicht weit schaffen.  Schön, dass Greta den einen oder anderen dazu bringt, sich politisch zu betätigen, doch reicht Euer politischer Tatendrang auch dazu aus, Euch selbst, eine Greta und letztendlich auch das System zu hinterfragen – oder geht es Euch nur um die Anerkennung der breiten Masse?

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