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Karriere machen

Mit dieser WG kannst du dein Studium gleich abbrechen!

Als frisch gebackener Student hat man es schon schwer. Ist es nicht furchtbar anstrengend, abrupt aus dem süßen Leben des Elternhauses gerissen zu werden und sich dann selbst um sein Leben kümmern zu müssen! INKLUSIVE WOHNUNGSSUCHE! So geschehen mir, 19 Jahre alt, Mitte September.

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am

messie-1572494_1920In der Panik ist man sympathisch

‚Eindwandfrei‘, dachte ich ‚üppige zwei Wochen vor Semesterbeginn die Zusage, das fängt ja gut an. Verdammt nochmal, wer findet denn in einer Großstadt eine Wohnung innerhalb von zwei Wochen? In einem Zeitraum in dem JEDER auf Wohnungsschnäppchen geiert und auf ein Inserat innerhalb von zwei Tagen über hundert Anfragen eingehen?‘
Mit dem Mut der Verzweiflung also ran ans Werk und „sympathische“ Texte getippt. Und getippt. Und nochmal getippt. Ich mag gar nicht daran denken, wie viele Menschen sich damals über mein Machwerk im Postfach freuen durften.
Lange Rede, kurzer Sinn: Nach Zeiten bangen Wartens bekam ich doch tatsächlich einige Antwortschreiben und mehr oder weniger freundliche Einladungen zum Kennenlerngespräch („Kannst mal herkommen wenn du Bock hast“).

Auf in den Kampf

Also los, adrett zurechtgemacht und ein Duftwässerchen aufgelegt, zur ersten Wohnung.
Mein breites Lächeln (man ist ja sympathisch) konnte auch der etwas muffige Geruch nicht vertreiben, der mir aus besagter Wohnung entgegenwaberte, als nach mehrmaligem Klingeln die Wohnungstür geöffnet wurde. Ein verschlafen aussehender junger Mann stand im Türrahmen und brummte ein „Tach was willstn du hier?“ aus seinem zigarettenbestückten Mundwinkel.
Ich erinnerte ihn höflich an unseren vereinbarten Termin und tatsächlich, meinem Einlassbegehren wurde stattgegeben. Dem in allen Farben leuchtenden Irokesenschnitt meines Gastgebers folgend, betrat ich also die Wohnung und erfuhr, dass dieses Haus schon alt sei, und daher die Kritzeleien an der Wand als Gebrauchsspuren zu betrachten seien. Flotte Sprüche wie „Jetzt oder nie – Anarchie“, „Nie, nie, nie wieder Abeit“ (JA, Abeit) oder „Alterta Alerta Antifascista“ waren da zu lesen.

„Wenn du auf Sauberkeit achtest, bist du hier falsch“

In der Küche angekommen erblickte ich ein am Tisch sitzendes Mädchen und grüßte sie freundlich.
„Mäg, meine Mitbewohnerin!“, erklärte mir der vorausschlurfende junge Mann, der sich Jesse nannte und mein potentieller Vormieter war. „Mäg, der hier will vielleicht einziehen.“
Ohne auch nur von ihrem Laptop aufzusehen hauchte sie ein „Hi“ zwischen ihren blassen Lippen hervor und das sollte auch das Letzte sein, was ich von Mäg während meines Besuchs zu hören bekam. Ob es denn noch mehr Mitbewohner gebe, wandte ich mich an Jesse. „Naja da wären die Juli und Ömer halt. JULI! KOMM MAL!“. Sich mir wieder zuwendend fügte er hinzu: „Ömer spricht nur türkisch, den siehste ja dann irgendwann!“ Juli erschien in der Tür. Sie schien nicht gerade erbaut darüber zu sein, bei was auch immer gestört zu werden: „Hi, ich bin Juli. Du bist der Neue?“ „Naja, potentiell.“ Sie musterte mich abschätzig und ließ sie sich dann auf einen bereitstehenden Klappstuhl fallen: „Also eins muss dir klar sein: Wenn du auf Sauberkeit achtest bist du hier falsch! Wir handhaben das alles locker!“, sie deutete auf die geschirrbestückte Küchenablage „Abwasch machen wir wenn wir Bock haben und da brauchen wir auch niemanden, der uns damit nervt.“

Schlimmer geht immer…

Das Bad könne man zur Zeit nicht anschauen, da müssten sie noch was ausbessern. Bis Oktober würde es vielleicht wieder gehen, festlegen wollte sie sich aber nicht.
Nach diesen erfrischenden Neuigkeiten hielt ich es für das Beste, das Gespräch erst einmal weg von der Wohnung, hin auf ihre Bewohner zu lenken. Die Informationen die ich nun bekommen sollte, waren aufschlussreich: Informatikstudent Jesse hatte keinen Bock mehr auf Uni und jobbte daher jetzt im Callshop, was Ömer macht, wusste keiner so richtig und Mäg und Juli studierten „ab und zu“ Philosophie.
Schlafen sollte ich in einem winzigen Zimmerlein mit gelbgerauchten Wänden und gebrauchtem Mobiliar.
Rein Interessehalber erkundigte ich mich nach etwaigen anderen Bewerbern. Die habe es gegeben, sagte man mir, nach den Besichtigungen seien diese aber nicht mehr erreichbar gewesen.
Damit war dann auch alles gesagt.

Foto: Pixabay

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