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The Witcher: über Monster und Moral

The Witcher ist ein weltweit erfolgreiches Videospiel. Wir haben uns mit den Hintergründen auseinandergesetzt.

Quelle: Entwickler

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Der Hexer.

Im Original auf Polnisch heißt es Wiedźmin und bezeichnet den Protagonisten der berühmten Buchreihe des polnischen Schriftsteller Andrzej Sapkowski, der mit seinen Büchern eine Fantasy-Welt erschuf, welche heute weit über die Bücher hinausreicht und längst den PC-Spielemarkt erobert hat.

CD Projekt Red, deren Namen so klingt als hätten die Gründer einfach wahllos Wörter aus einem englischen Lexikon zusammengefügt, sind die Erschaffer der Witcher-Spielereihe, welche uns seit 2002 beglücken und uns eine Welt näher bringt, die sehr an das mittelalterliche Europa erinnert. Sapkowski spielt in seinen Geschichten um den Hexer und Mutanten Geralt von Rivia mit Elementen aus der europäischen Mythenwelt, vermengt alles, zieht es zumal ins Lächerliche und manchmal in Düstere. Da werden aus Grimms Märchenstoff grauenhaft realistische und persönliche Dramen gezaubert, während andernorts der Wolf des Rotkäppchens im Wald zur zynischen Karikatur degradiert wird.

Beim Beschreiten der Welt des Witchers kommt der weißhaarige und katzenäugige Geralt immer wieder in Kontakt mit allerlei vielfältigen Wesen: Menschen, Zwerge, Elfen, Halblinge und allerlei Fabelwesen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Dabei merkt der historisch versierte Leser und Spieler vielleicht, dass dieses Konglomerat der Zauberwesen, vermischt mit Magie und Politik, möglicherweise eine Ode an Europa ist. Vor allem die Geschichte Polens sieht man in dem Völkergemisch, welches sich dem Hexer immer wieder präsentiert. In seiner Welt leben die Menschen in den Städten, Burgen und Dörfern, die sie in die Wildnis gepflanzt und mithilfe von Feuer, Schwert und Magie verteidigen. Überall lauern bösartige Kreaturen, für die man die harte Schwerthand eines Hexers wie Geralt von Rivia brauch, den man als Monsterjäger in seiner Welt kennt. Er ist einer der letzten seiner Art und teilt eine seltsame Melancholie mit den Fabelwesen und Monstern, die er eigentlich für Geld jagen und töten soll. Denn wie auch sie ist er ein Ausgestoßener aus der menschlichen Mehrheitsgesellschaft, in der Anderlinge gemieden und gehasst werden. Nicht völlig grundlos natürlich, weil sowohl Menschen als auch Elfen, Zwerge und Halblinge miteinander bereits häufig im Konflikt standen. In vielen Kriegen haben sich die Menschen als Sieger erwiesen und diese Alte Welt den Anderlingen abgenommen, welche sie nun nur noch als Bürger zweiter Klasse dulden oder aber offen bekämpfen.

Und selbst die Monster, die Geralt für ein paar Taler töten soll, entpuppen sich nicht selten als friedlichere und angenehmere Wesen, als es die meisten Menschen seiner Welt sind. Trotz ihrer grotesken Gestalt gelingt es dem Hexer manchmal in das tiefere Wesen dieser Monster vorzudringen und zu sehen, dass nicht alles immer so scheint wie es ist.

Intoleranz ist ein Thema, welches sich durch die gesamte Geschichte des Hexers zieht, ohne dabei nervig oder unglaubwürdig zu sein. Dabei gibt der Hexer selbst selten ein klares Urteil ab, sondern wirkt fast wie ein griechischer Anhänger der Stoizismus, der mit Geduld und einer inneren Gelassenheit den Zynismus seiner Welt erträgt, ohne daran zu zerbrechen.

In den Städten von Novigrad und Vizima muss er mitansehen, wie Elfen und Zwerge rassistisch diskriminiert und sogar getötet werden. Magier brennen auf dem Scheiterhaufen, während eine Art wahnsinnige Inquisition jagt auf alles Magische macht. Viele dieser Magier kennt der Hexer selbst und hilft ihnen bei der Flucht, oder er ergreift Partei für die Elfen und Zwerge, wenn er sie zu Unrecht belästigt sieht. Pöbelhass und wütende Mobs kann er nicht ausstehen und verabscheut die Mentalität, in der nur in Schwarz und Weiß gedacht wird. Daher kämpft er häufig für die Anderlinge und all jene, die Ausgestoßene sind, solange sie ein gutes Herz haben. Gleichzeitig ist es nicht so, dass die Skepsis der Menschen gegenüber den Anderlingen unbegründet wäre. Denn viel zu oft sterben Menschen im Wald an den Pfeilen der elfischen Rebellen, die keinen Unterschied machen, ob sie einen Elfenfreund oder Elfenfeind vor sich haben, solange er ein Mensch ist. Andernorts fallen Hunderte Unschuldige den Klauen und Mäulern scheußlicher Monster zum Opfer, die nur warmes Fleisch kosten wollen und der menschlichen Gesellschaft als pure Bedrohung gegenübertreten.

Warum lieben die Menschen das Witcher-Universum so sehr?

Vielleicht weil es fast nur in Grautönen gezeichnet ist und keine einfachen Antworten auf die vielfältige und komplizierte Welt gibt. In einem hässlichen Monstrum kann ein helleres und gütigeres Herz schlagen, als in der Brust eines noblen Prinzen in goldener Rüstung, der auf einem hohen Ross den Bauernpöbel über den Haufen reitet. Kurz: „Die Augen können dich täuschen, vertraue ihnen nicht!“

Nicht das Aussehen, sondern einzig und allein die Taten bestimmen in den Augen des Hexers Geralt die Wertigkeit einer Person, egal ob sie nun Mensch oder Anderling ist.

Aber manchmal ist ein fleischfressendes Monster eben genau das und dann hilft nur die Klinge eines Hexer.

Young German ist ein Blog zu Politik, Geschichte, Kultur, Gesellschaft und Militär. Wir sind ein kleines Team engagierter Autoren und schreiben in unserer Freizeit. YG ist ein ehrenamtliches Projekt ohne Gewinnorientierung.

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