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Politik

Tempolimit 130? – Eine Nachhilfestunde

Was hinter den Forderungen steckt.

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In verlässlichen Abständen überrollt das Land im Wunsch nach Profilierung und Aufmerksamkeit eine von links angestoßene, bekannt emotionale Debatte: Das Autobahn-Tempolimit. Wer möglichst günstig und mit viel Effekt ablenken oder Achtung erlangen möchte, der wählt dieses Thema. Die Lager scheinen klar, die Grenzen aufgezeigt, die Argumente bekannt. Polarisierung ist dennoch garantiert.

 

Selbst ein streitbarer Geist wie Herr Ulf Poschardt, Chefredakteur bei der WELT-Gruppe, seinerseits begeisterter 911-Fahrer und wohl bekanntester Kritiker eines drohenden Tempolimits, mahnt zu mehr Pragmatismus und weniger fehlgeleiteter Emotion. Eine durchaus korrekte und schlichtende Feststellung, denn nur wenigen schlägt der Hass der Tempolimit-Forder so massiv ins Gesicht wie ihm. Man möchte aber auch entgegnen, es handele sich eben nicht nur um verständliche Emotionen, sondern um eine Verstrickung dieser mit einer gehörigen Portion politischer und gesellschaftlicher Ideologie. Nun, den Vorwurf als Spielball des ideologiebetriebenen Handelns könnte man an dieser Stelle sicher zwischen den Lagern beliebig hin und her werfen. Nur das Verbot als solches, den staatlichen Einschnitt in ein möglichst freies Leben zu verantworten, vermag eine eindeutige Beweislast und hohe Zustimmung.

 

Und hier wird es komplizierter. Wiegt man wohlbekannte wissenschaftliche Aspekte, Argumente und Gegenargumente ab, so bekommt der Limit-Befürworter noch kein ausreichend dramatisches Bild. Weder Umwelt- noch Technik- oder Sicherheitsfaktoren liefern eindeutig klare Beweise um die Ultima Ratio, ein Tempolimit auf Autobahnen zu vertreten. An dieser Stelle behilft man sich in Greta Thunberg-Manier der Gefühlsebene, die auch vor geschmacklosen, morbiden Schilderungen katastrophaler Unfällen nicht halt macht. „Fahrende Mordmaschinen“ titelte jüngst die taz. Das Bild des kalten deutschen Rasers wird gezeichnet. Seelenlose schwarze Oberklassenfahrzeuge welche mit grellen Scheinwerfern die alleinerziehende Mutter im klapprigen Kleinwagen drangsalieren. Weil sie es können, weil man es ihnen erlaubt. Höhepunkt dieser moralisch aufgeladenen Gewissheit für das Richtige zu kämpfen, stellt die Eingebung mit Petition „Tempo 130“ der evangelischen Kirche dar.

 

Naturgesetz 130

 

Aber warum 130 km/h? (Fast) sämtliche Bemühungen belaufen sich auf diese eine Zahl. Wurden wir alle Zeuge der Offenbarung Gottes als uns mit wolkenbehangenem Himmel diese 130 (und weitere Grenzwerte) am Berg Sinai in Stein gemeißelt präsentiert wurde? Wohl kaum. Auch wenn die Bemühungen religiös und sektirisch anmuten lassen. Lediglich der selbsternannt „ökologische“ Verkehrsclub Deutschland unterbietet mit 120 km/h und fordert im gleichem Atemzug: 80 km/h außerorts, 30 km/h innerorts. Nun stellt sich noch immer die Frage, nach der Sinnhaftigkeit dieses scheinbaren Konsens, die Geschwindigkeit konkret auf 130 km/h zu reduzieren. Ist ein potentiell tödlicher Unfall bei dieser Geschwindigkeit Teil eines zu kalkulierenden Risikos und bei 150 km/h das Ergebnis blinder Raserei? Wo beginnt Rasen? Ist verantwortungsvolles Fahren nur eine Sache der Geschwindigkeit?

 

Volvo verkündete bei medialem Beifall die hehre Vision, dass in Zukunft kein Mensch mehr in oder durch ihre Fahrzeuge zu Tode kommen würde. Teil dieser Vision ist es, Volvos ab 2020 ab Werk mit einem Tempolimit von 180 km/h auszuliefern. Folgt man der Logik des strikten Limits, baut Volvo damit wahre Höllenmaschinen die jede Autobahn zur Rennstrecke mutieren lassen und einen alten VW Fox nur so von der Fahrbahn peitschen. Anerkennung gab es dennoch, auch von der taz.

Bei einer Umfrage 2017 des Deutschen Verkehrssicherheitsrates (DVR) sprachen sich 52% aller Befragten für ein Tempolimit aus, eine ganz knappe Mehrheit. Eine konkrete Geschwindigkeit wurde dabei nicht genannt, ob den Befragten die oft propagierte 130 im Hinterkopf wummerte, ist zumindest zu vermuten. Trotz diesem Trends gilt auf deutschen Autobahnen „die freie Fahrt für freie Bürger“. Einfluss der mächtigen Automobillobby? Nein. Wohl eher das politische Unvermögen eine Agenda ideologiebefreit zu verpacken. Denn das stupide verharren auf Tempo 130 verfehlt sowohl Ziel als auch Realität. Sie beginnt mit der Annahme, sobald diese Richtgeschwindigkeit überschritten würde, liefere man sich unkontrolliert dem Wahn der Geschwindigkeit hin. Sie missachtet täglich tausende Autofahrer, die mit hellem Geiste und vollster Verantwortung eine höhere Reisegeschwindigkeit wählen. Im Verkehrsaktionsplan der Stadt Gera konnte bei einer Erhebung der freigegebenen A9 im Bereich Niemegk folgendes festgestellt werden: „Im Schnitt fahren deutlich über 60 % der Verkehrsteilnehmer schneller als 130 km/h. Mehr als 30 % der Verkehrsteilnehmer fahren im Schnitt schneller als 150 km/h.“

 

Der Gedankenfehler in der Strategie 130

 

Die Strategie 130 liefert dem politischen und wissenschaftlichen Konkurrenten quasi die Argumente frei Haus. Argumente die bei Geschwindigkeitsbegrenzungen im Rahmen von 150-180 km/h deutlicher dünner ausfallen würden. Das halbe Land wird gedanklich zum Raser. Es fehlt die geistige Verfassung, anzuerkennen, dass der Deutsche in seiner Sozialisation eben permanent über 130 km/h unterwegs ist. Eine noch knappe Mehrheit für die Akzeptanz eines Limits würde bei einer realistischen Begrenzung wohl deutlich anwachsen. Die stetige Entwicklung des Automobils erlaubt dem durchschnittlichen Fahrer heute, mit deutlich höheren Geschwindigkeiten sicher ans Ziel zu kommen als noch vor Jahrzehnten. Der Traum/Wahn von Geschwindigkeiten stark über 190 km/h ist dennoch für die meisten Autobesitzer schlichtweg nicht realisierbar. Das Argument der PS-strotzenden Fahrzeugs ist nur für einen kleinen Teil der Bevölkerung mit ihrem Fuhrpark möglich.

 

Nehme man also das Vorbild Volvo mit 180 km/h, so könnte man einen deutlich höheren Anteil der Deutschen für ein Tempolimit mobilisieren und eventuell sogar begeistern. So scheitert eine politische Agenda mit durchaus Potential an Verbohrtheit, an Ignoranz und lässt durchaus an dem hehren Ziel des sicheren und umweltverträglichen Fahrens zweifeln. Gilt Tempo 130 km/h wirklich als alleiniges Mittel um deutsche Autobahnen sicherer zu machen?

 

Der Kampf um das Auto, der Kampf um Identität

 

Das Automobil spielte in der noch jungen Geschichte der BRD eine tragende, identitätsstiftende Rolle. Stand es seit den noch holprigen Anfängen doch stets als Symbol für Freiheit, Individualität aber vor allem für Prosperität. Wachsender Wohlstand, sozialer Aufstieg, alles oft bemerkbar am gepflegten Vehikel in der Einfahrt. Die Reputation der deutschen technologischen Überlegenheit wurde bestätigt, Global-Player entstanden. Das Auto wurde auch als Werbe-Slogan Kernbestandteil unserer Identität, weltweit geschätzt.

 

Christian Lindner bezeichnete jüngst die Entwicklungen als einen Kulturkampf gegen das Automobil. Eine Vermutung die sich nicht von der Hand weisen lässt. Analysiert man die Lager aus denen ein Tempolimit propagiert oder zumindest befürwortet wird, ist im generellen und bekanntermaßen eine linke Geisteshaltung anzutreffen. Dort wird der Kulturkampf schon lange erprobt und oft auch erfolgreich umgesetzt. Das neuste Ziel ist unser Auto.

 

Tempo 130 ist nicht mehr als Mittel zum Zweck. Ziel ist es mit wehenden Fahnen die letzte Irrationalität die sich das Volk erlaubt zu tilgen. In einer technologie- als auch wirtschaftsfeindlichen Atmosphäre nötigt man der Bürokratie ab, die freie Fahrt obsolet erscheinen zu lassen. Eine an sich doch recht preußische Methodik. Die letzten Jahrzehnte geben jedoch den Tempolimit-Forderern recht und lassen böses erahnen. So haben wir doch in sturer Manie nach und nach jegliche deutsche Anomalien ausgemerzt und auf die Resterampe angeblicher Anachronismen verfrachtet. Wir formen ein heterogenes Europa zur grauen homogen nivellierten Masse der EU. Da ist auch diese Debatte nur ein weiteres Teil eines großen Puzzles.

 

PSA-Chef Carlos Tavares entgegnete den Bestrebungen zur Beschränkung der Höchstgeschwindigkeit: „Ich glaube als ein Bürger dieser Region, dass eine Stärke von Europa die Diversität und die Kreativität ist, die durch Freiheit entsteht“ Wohlgemerkt ein Portugiese.

 

 

 

 

 

 

 

 

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