fbq('track', 'ViewContent');
Verbinde dich mit uns

Bücher

Sophie Passmann: Alte weiße Männer. Ein Schlichtungsversuch.

Das Buch sorgt jetzt für ordentlich Aufruhr. Wir haben es gelesen.

Veröffentlicht

am

Ein Buch macht derzeit Schlagzeilen – und nicht nur positive. „Alte weiße Männer: Ein Schlichtungsversuch“ heißt es und ist bei Kiepenheuer & Witsch erschienen, der sich mancher hipper Publikation rühmt. Über das Buch schreibt der Verlag: „Frauen haben ein Feindbild, den alten weißen Mann. Dabei wurde nie genau geklärt, was der alte weiße Mann genau ist. Eines ist klar: Er hat Macht und er will diese Macht auf keinen Fall verlieren.“ Das war dann selbst der Taz zu viel an Oberflächlichkeit: „Harmlos wie ein Sektfrühstück“ lautet die Überschrift der Rezension. Wir haben uns selbst einen Einblick verschafft.

Wer ist die Autorin? Sophia Passmann ist 24 Jahre alt und ist eine Akteurin im zeitgenössischen Feminismus-Diskurs. Sie schreibt für diverse Zeitungen. Und sie liked auf Twitter gerne mal die Beiträge von Sawsan Chebli, für die ihr Vater ja schon feministisch war, weil der Sohn sich selbst sein Wasser holen sollte.

Zurück zu ihrem zweiten Buch: „Alte weiße Männer“ besteht aus Gesprächsprotokollen. Passmann reiste durch die Bundesrepublik: „Einen ganze Sommer habe ich damit verbracht, mich mit mächtigen Männern zu treffen“, schreibt sie im Vorwort. Männer, die Macht hätten. Dazu gehören Grünen-Chef Habeck, Kevin Kühnert (SPD), Peter Tauber (CDU), aber auch Nicht-Politiker wie Ex-Bild-Chef Kai Diekmann und Blogger Sascha Lobo. Diese Männer, so Passmann, könnten ihr weiterhelfen, wenn es darum ginge, das Feindbild des weißen Mannes zu suchen, also nach einer Männlichkeit, die sich vom Feminismus bedroht fühlt. Ziel der Passmann’schen Reise: Zu taxieren, sich anzunähern, „wie alte weiße Männer zu dem werden, was sie sind“. „Sind Sie ein alter weißer Mann und wenn ja – warum?“ lautet die Frage, die sie ihren Gesprächspartner stellen möchte.

Das Vorwort wirft mehr Fragen auf, als es beantwortet: Wer sind die alten weißen Männer, die um ihre Macht fürchten und keine Feministinnen mögen. Gibt es Quellen und Belege? Und wieso sind sie der Feind und von was genau fühlen sie sich bedroht? Was sind die „aktuellen Ungerechtigkeiten“ zwischen Frauen und Männern? Auch der emotionale Ausgangspunkt ist paradox: Passmann möchte schlichten und alten weißen Männern ein Gesprächsangebot machen. Aber weshalb, wenn der Feind doch so furchtbar ist, dass man ihm ein Buch widmen muss? Wieso schlichten, anstatt zu kämpfen? Und weshalb ist der explizit weiße und alte Mann der Feind? Wieso nicht der junge, arabische? Und wieso stellt sie keinen AfD-Politiker im Gespräch, wenn diese Partei angeblich der große Frauenfeind in der Politik ist?

Antworten – so hofft man – gibt es im Buch.

Gleich im ersten Gespräch mit dem Blogger Sascha Lobo wird so manche steile These ausgepackt. So antwortet Lobo über den alten weißen Mann, um den es thematisch geht: „Der alte weiße Mann ist eher ein Typus Mensch. […] Die Essenz von diesem Typus ist, dass sich alles um ihn herum dreht. Er ist der Mittelpunkt der Welt.“ Man kann ja alles behaupten, aber woran macht er das fest? Passmann fragt nicht nach und so bleibt Lobo dem Leser eine Antwort schuldig.

Und weiter geht es mit den Plattitüden im Gespräch mit Christoph Amend, Chefredakteur des ZEIT-Magazins. Der sagt: „Frauen heute wollen an die Macht. Und zwar genauso wie Männer.“ Wollen sie das? Und selbst wenn es so ist, was würden sie besser machen? Das Gespräch bricht dann ab, wenn es spannend, unbequem und schmerzhaft werden könnte. Das setzt sich fort im Gespräch mit Robert Habeck, in dem Passmann zu dem Schluss kommt, dass jeder Mann „sexistisch“ ist. Was bedeutet das? Dass jeder Mann Frauen unterdrücken möchte? Ist das ein Vorwurf, eine Feststellung, ein Naturgesetz? Und angenommen, es ist letzteres, wie gehen wir damit um?

Und weshalb redet sie überhaupt mit Habeck, dem Chef der Partei, die den super-sexistischen Islam, der alles ist, was Feministinnen hassen,  lange Zeit gar nicht problematisch fand? Weshalb keine Frage dazu? „Er ist einer von den Guten“, bilanziert die Autorin. Weil er „sexistische Werbung“ verbieten möchte? Und auch Peter Tauber („Wer nicht für Merkel ist, ist ein Arschloch“) findet sie „klug“ und „aufrichtig“. Du meine Güte, das sind undifferenzierte, ja gefährliche Urteile.

Ich denke, dass die Welt komplizierter ist. Ich kenne eine Menge alter weißer Männer, die hart für ihren Job gearbeitet haben und weiterhin hart dafür arbeiten. Die jeden Tag zwölf Stunden am Schreibtisch sitzen. Die die Gesellschaft, das System  am Laufen halten. Und die keinen Körper haben dürfen. Und sich zu Tode schämen sollen, wenn sie auch im höheren Alter noch eine Sexualität haben und einen eher harmlosen Flirtversuch starten (Brüderle-Debatte). Und ich kenne ungelogen keinen Mann, der eine „selbstgefällige Haltung“ und einen „arroganten Blick auf die Welt“ hat. Und wenn, würde ich sie eh für ein Schauspiel halten, für maskierte Unsicherheit.

Ich rate nicht ab, Sophie Passmanns Buch zu lesen. Sie schreibt unterhaltsam. Und der ein oder andere kluge und berechtigte Gedanke ist weder ihr noch ihren Gesprächspartner auf keinen Fall abzusprechen. Etwa, wenn Werner Patzelt zugibt, dass er automatisch davon ausgeht, dass seine Frau zuhause das Essen kocht und für die Einrichtung der Wohnung verantwortlich ist.

Störend an dem Buch ist, dass es Plattitüden aufgreift: Weiße Männer sind qua Natur privilegiert. Männer können besser netzwerken. Frauen werden vor allem von Männern diskriminiert, nicht von anderen Frauen. Mehr Frauen in der Politik  und in den Aufsichtsräten ist per se eine gute Sache. Werbung mit nackten Frauen ist „sexistisch“ (ein Begriff, der problematisch ist, weil er erst einmal definiert werden muss). AfD, Pegida  … böse, böse, böse.

Die Welt aber ist komplizierter, als dieser von Sophie Passmann propagierte Feminismus es uns glauben machen möchte.

Did you like this?
Tip Arcadi Staff with Cryptocurrency

Donate Bitcoin to Arcadi Staff

Scan to Donate Bitcoin to Arcadi Staff
Scan the QR code or copy the address below into your wallet to send some bitcoin:

Donate Bitcoin Cash to Arcadi Staff

Scan to Donate Bitcoin Cash to Arcadi Staff
Scan the QR code or copy the address below into your wallet to send bitcoin:

Donate Ethereum to Arcadi Staff

Scan to Donate Ethereum to Arcadi Staff
Scan the QR code or copy the address below into your wallet to send some Ether:

Donate Litecoin to Arcadi Staff

Scan to Donate Litecoin to Arcadi Staff
Scan the QR code or copy the address below into your wallet to send some Litecoin:

Donate Monero to Arcadi Staff

Scan to Donate Monero to Arcadi Staff
Scan the QR code or copy the address below into your wallet to send some Monero:

Donate ZCash to Arcadi Staff

Scan to Donate ZCash to Arcadi Staff
Scan the QR code or copy the address below into your wallet to send some ZCash:

Werbung
Klicken um zu Kommentieren

Hinterlasse einen Kommentar

avatar
2500
  Abonnieren  
Benachrichtige mich bei
Werbung

Beliebte Beiträge