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Menschen

Rezension: Nur der Himmel blieb derselbe – Ein Buch über Flucht und Leid

Warnung: Das Buch nimmt einen wirklich arg mit…

Veröffentlicht

 

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Nur der Himmel blieb derselbe

Ostpreußens Hungerkinder erzählen vom Überleben

Dr. Christopher Spatz, erschienen 2016 im Ellert & Richter Verlag, 16,95 €

 

Kriegsende im Mai 1945. Familien, die die Flucht aus Ostpreußen nicht geschafft hatten, waren in der nordöstlichsten Provinz des zusammenbrechenden Reiches dem Vergeltungswillen der sowjetischen Soldaten vollkommen ungebremst ausgesetzt gewesen. Vergewaltigungen von Angehörigen oder der eigenen Person, Misshandlungen, Zwangsverschleppungen und Erschießungen ließen die Werte- und Normengefüge der Kinder innerhalb weniger Tagen vollständig in sich zusammenbrechen. Familienbande und Dorfgemeinschaften lösten sich auf. Ausgerechnet in Deutschlands ehemaliger Kornkammer entstand eine von der Weltöffentlichkeit völlig unbemerkte Hungerkatastrophe. Über 100.000 Menschen starben zwischen 1945 bis 1948 an Seuchen oder Unterernährung. Zur Leichenbeseitigung wurden selbst 10jährige Kinder eingesetzt. Zwölfjährige hatten darüber zu befinden, welches von den übriggebliebenen Geschwistern zum Sterben freigegeben wurde, denn gab man jedem ein bisschen, reichte die Nahrung oft genug keinem zum Überleben. Sie sammelten in unvorstellbarem Ausmaß Gewalt-, Hunger- und Todeserfahrungen. Das Ergebnis war die vollständige Entwurzelung, an deren Auswirkungen die Betroffenen für immer zu tragen hatten.

Ab 1947 wurden die Überlebenden in mehreren Schüben nach Deutschland gebracht. Doch dort stießen ihre tragischen Geschichten zu oft auf Desinteresse, Ablehnung oder Relativierung. Durch die fehlende gesellschaftliche Anteilnahme empfanden viele ihre Herkunft als Makel und schwiegen. Fassungslos macht die Aussage eines Pastors zu einer redebereiten Betroffenen, sie würde sich in ihrem Geschädigtsein suhlen! Im sich normalisierenden Alltag spürten die meisten, dass ihre Wunden keine Aussicht auf Heilung versprachen.

Der Historiker Dr. Christopher Spatz (*1982 in Bremen) beschreibt sprachgewandt und mit großer Empathie die Geschichte Ostpreußens Hungerkinder. Dabei lässt er Betroffene lautgetreu und damit authentisch selbst zu Wort kommen, wobei die Interviews emotionale Schwerstarbeit für sie bedeuteten. Häufig muss man einen Satz wieder und wieder lesen, um die Grausamkeit hinter den Worten erfassen zu können.

Es sind keine 293 Seiten, die man liest und unberührt wieder weglegt – die erschütternden Geschehnisse verfolgen den Leser in den Alltag. Leider gibt es bis heute keine angemessene Form der öffentlichen Erinnerung an das apokalyptische Massensterben in Ostpreußen.

Das Buch löst in dem Leser etwas aus, das in Deutschland fast einem Tabubruch gleichkommt: Trauer. Ja, Trauer um die vielen namenlosen Toten, das unsägliche Leid der Überlebenden.

Erschütternd.

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