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Musik

Rezension F&M – 100 % Lindemann, aber dennoch nichts für jeden Rammstein-Fan

Grotesk, brutal, emotional

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Foto: Lindemann Band

Lindemann hat es wieder getan: Das zweite Album des bekannten Rammstein-Musikers und seiner Band ist bereits am letzten Freitag auf den Markt gekommen. Doch lohnt sich der Kauf des Albums?

 

Grotesk, brutal, emotional

 

Wem Rammstein ein Begiff ist, dem ist in der Regel ihr Frontsänger Till Lindemann auch bekannt. Schon weit weniger wissen, dass Lindemann seit 2015 zusammen mit dem schwedischen Musiker Alf Peter Tägtgren ein Soloprojekt unter seinem eigenen Namen betreibt. Vergangenen Freitag ist  das zweite Album der Band unter dem Namen Frau & Mann (F & M) erschienen und ist dabei vor allem eines – typisch Lindemann.

Angefangen bei der Auswahl an Themen bis hin zur musikalischen Verarbeitung wird ein Album voller Grotesken mit metallischen Klängen und Texten zwischen martialischer Brutalität und balladischer Emotionalität geboten.

 

Lindemann bleibt sich treu

 

Thematisch überwiegen negativ behaftete Themen, wie Gewalt, Tod, Depression, Selbstmitleid und Hass. Das alles ist dabei gehüllt in ein vulgäres, von Gewaltfantasien durchsetztes (zerfetztes) Kleid. Keines der Lieder ist völlig eindeutig formuliert, sodass, wie bereits schon so häufig bei Rammstein, die Auswahl und Umsetzung der Thema auch als kritische Inszenierung, als Überspitzung oder eben als Groteske interpretiert werden kann. Aber gerade diese gewollte Uneindeutigkeit ist es wohl, die im Speziellen diese Texte so beliebt macht. Die Ausgefallenheit, die Perversionen, der Hang zur Gewalt und zu Sexualfantasien scheinen, ähnlich der Liebhaberei des Horrorfilmgenres, Gründe für die Begeisterung vieler Fans zu bieten. Gerade die neuen Lieder „Steh auf“, „Ich weiß es nicht“,“Blut“ und „Wer weiß das schon“ geben mit Zeilen wie „Umschließt die Klinge in der Not, wenn das Blut im Leib gerinnt.“ oder „Ich liebe das Leben, das Leben liebt mich nicht„ der morbiden Zuhörerschaft das, was sie begehren.

Zum Titelthema des Albums, „Frau und Mann“ – und damit selbstverständlich einhergehend allerlei Gewalt-, Vergewaltigungs- und Sexualfantasien –, bieten die Lieder „Knebel“, „Frau und Mann“ und „Ach so gern“ genug Hörstoff. Für die besondere Perversion hat diese Platt schließlich noch das Lied „Gummi“ in petto.

 

Geringe Rolle von gesellschaftlichen Fragen

 

Genau wie die vorherig genannten Merkmale zu Lindemanns Markenkern gehören, zählen dazu aber ebenso Lieder mit politisch-gesellschaftlichen Themenfeldern. Dies lässt sich hier in Liedern wie „Allesfresser“, „Frau und Mann“ und ansatzweise noch in „Mathematik“ erkennen. Auch bei diesen Texten lässt sich jedoch, wie bereits zuvor, großer interpretativer Spielraum finden, sodass nur grobe Themen erkennbar sind, die genaue Position der Gruppe jedoch nicht.

In „Allesfresser“ kann am ehesten noch eine gepfefferte Kritik an eine verfettende, maßlose und immer konsumgeilere Gesellschaft erkannt werden.

„Frau und Mann“ ist in diesem Sinne wohl mehr ein Zwitter und noch weniger eindeutig formuliert als andere Lieder dieser Sorte. Die Groteske und die Perversionen halten sich im Text aber in einem ebenso großen Maße zurück und so lässt sich im Falle dieses namensgebenden Liedes für das Album doch noch am meisten eine politische Position herauslesen. Die einzig klare Botschaft ist dabei diejenige, dass es Männer und Frauen gibt und diese grundverschieden sind. Natürlich werden auch die vorhanden Konflikte in der Geschlechterbeziehung gezeigt und die daraus resultierende Gewalt(-fantasie), aber die wohl fundamentalste Aussage ist eben die erstgenannte. Denn alleine schon das klare, öffentliche Bekenntnis zur Unterscheidbarkeit der zwei Geschlechter, ist in unserer heutigen Gesellschaft traurigerweise bereits ein mutiger Schritt geworden.

Zuletzt ist da noch „Mathematik“, dessen Klang mit seiner Ähnlichkeit zum Hip-Hop schon für Irritation sorgt und hierdurch noch stärker den Eindruck eines ironischen Untertons erkennbar werden lässt. Die auffallende Fixierung auf Geld liefert im Liedtext den einzigen Ansatz für Überlegungen und Erkenntnisse, der jedoch durch den ungewöhnlichen Musikstil umso stärker hervortritt. Das Lied schlägt also in eine ähnlich kritische Kerbe, wie bereits das vorherige Lied „Allesfresser“.

 

Lindemann ist nicht Rammstein

 

Wer nun ein Album vom Kaliber Rammsteins erwartet, der könnte enttäuscht werden. Denn Lindemanns Stil ist zwar in vielen Punkten dem von Rammstein ähnlich, doch liegt sein textlicher Fokus deutlich auf der Groteske und der Perversion und zwar in einem solch exzessiven Maße, dass es nicht mehr schlicht wie ein Stilmittel wirkt, sondern wie eine Obsession, so als würden Lindemanns tiefste innere Wünsche, zumindest teilweise und in überspitzter Form, dort zum Ausdruck kommen. Das heißt der Nutzen als Schockmittel und Schocktherapie wandelt sich beim durchschnittlichen Hörer in ein tiefes Gefühl des Unbehagens und des Ekels gegen solch ein Ausmaß an Perversionen. Wer seinen Spaß am abstoßendsten Teil des Horrorfilmgenres hat, der wird hier ebenfalls seinen Spaß finden, jeder anders gepolte Mensch, sollte sich die Lieder vor einem etwaigen Kauf jedenfalls erst einmal zur Gemüte führen.

Musikalisch sollten sich Rammsteinfans ebenfalls nicht blindlings auf dieses Album stürzen, denn der deutlichste Unterschied zwischen Lindemanns Gruppe und Rammstein besteht darin, dass dieses Album deutlich balladischer klingt als noch nach „Metall“ oder „Neuer Deutscher Härte“. Das heißt also jeder, der es eher laut und metallisch-klingend mag, der wird mit diesem Album genauso wenig glücklich werden.

 

Kaufwarnung an junge Rechte

 

Auch wenn in „F & M“ wichtige gesellschaftliche Fragen thematisiert werden, ist dieses Album, alles in allem, vielleicht noch empfehlenswert für Lindemanns ganz spezielles, eigenes Publikum. Bereits für Rammsteinfans ist es aber nur noch bedingt empfehlbar und für durchschnittliche Gemüter überhaupt nicht mehr zu empfehlen. Für junge Rechte hingegen ist es ein völliger Graus und Sinnbild für die immer exzessivere Degeneration unserer Gesellschaft, weshalb gerade diese es dringend meiden sollten.

 

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Kubus
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Kubus

Sehr gute Analyse, nur den Schlussteil finde ich übertrieben: „dringend meiden“. Lindemann beschreibt ja auch grade Degenerationen unserer modernen Gesellschaft, das heißt nicht, dass er sie propagiert. Für mich ist es eher eine Geschmacksfrage. Mathematik ist der einzige Titel auf dem Album, den ich grundweg ablehnen würde, weil der mitwirkende Rapper Haftbefehl in meinen Augen als Person schon fragwürdig ist. Seine sonstigen Titel als „Proleten-Gangsterrapper“ wirken völlig ironiefrei und geben ein äußerst schlechtes Vorbild. Musikalisch sind sie zudem völliger Abfall. Bei Lindemann wird der durchschnittlich begabte junge Zuhörer verstehen, dass alles nicht so ernst gemeint ist und dieser Lebensstil (wenn… Weiterlesen »

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