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Meinung

Rechts steht die Vielfalt – Ein Diskussionsbeitrag

Was ist links? Was ist rechts? Und was, um aller guter Götter Willen, ist diese ominöse Mitte, in der sich ein jeder heute zwanghaft zu positionieren scheint?

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Bei all seinen verschiedenen Fassetten und Nuancen dürfte innerhalb des sog. „freiheitlich patriotischen Spektrums“ heutiger Tage insbesondere dahingehend große Einigkeit bestehen, seine Bemühungen in einem doch erheblichen Maße auf die Beendigung des oftmals im politischen wie medialen Raume getriebenen semantischen Schabernacks – oder auch Wortklauberei zu konzentrieren, um das lang ersehnte Wiederaufleben des in diesem Lande so dringend benötigten gesellschaftspolitischen Diskurses überhaupt erst bewerkstelligen zu können.

 

Mit Blick auf die politische Gemengelage unserer Tage gewiss nur wenig überraschend, wird es im Zuge dieser Unternehmungen allem voran gelten, dem Terminus „rechts“ ein klares, wie unverzerrtes Bildnis wiederzugeben und ihn aus der Jahrzehnte lang angetragenen Dämonisierung zu befreien. Sicher ist dies keine leichte oder gar dankbare Aufgabe, welche sich auch bei den leidenschaftlichen Verfechtern entsprechender Denkschulen im parlamentarischen Raum keiner großen Beliebtheit erfreut. Im Gegenteil. Es ist nur zu deutlich eine flächendeckende Zurückhaltung, Scheu, wenn nicht gar panische Angst vor diesem klaren Bekenntnis oder auch nur der objektiven Diskussion um die Natur der Begrifflichkeit zu beobachten. Auch das Agieren der sog. „alternativen“ Spieler auf der parlamentarischen Bühne stellt – von wenigen verdienten Ausnahmen abgesehen, zumindest bis dato noch keine nennenswerte Zäsur in dieser Frage dar.

 

„Freiheitlich-konservativ„,“patriotisch„,“bürgerlich„. Welch Fülle an Phrasen wird seit je her in der Bundesrepublik verwendet, um das vermeintliche Gegenstück zu dem seinerseits nur allzu klar benannten „linken“ oder auch „links-versifften“ Mainstream zu beschreiben? Letztlich sind es viele bunte Floskeln, mit denen man versucht um ein und die selbe Klippe herum zu schiffen. Womit keinesfalls der eigene Sinngehalt der Begrifflichkeiten in Abrede gestellt sei. Auf den gebotenen Nenner bringt es aber in den seltensten Fällen jemand. Hingegen besitzt das zu beobachtende Herumdrucksen vieler Akteure um diese Frage nur all zu oft regelrechten Fremdscham-Charakter.

 

Viele kritische Stimmen werden nicht ganz zu Unrecht in dieser falschen Zurückhaltung bereits den ersten entscheidenden Fehler der politischen Rechten ausmachen. Wie sollte ein respektables Auftreten gegenüber Gesinnungsgenossen wie auch dem Kontrahenten nur möglich sein, wenn man nicht einmal benennen kann, was man vorgibt zu sein?

 

Gewiss mag zu Teilen begründete Furcht vor empfindlichen Repressalien, in gegebenen Fällen auch tatsächlich Feigheit die Begründung sein. Doch, wo nicht wenige Kritiker schnell mit allzu harschem Kollektiv-Urteil gegenüber den zurückhaltenden Mitstreitern am Werke sind, ist das ihrerseits zu beobachtende Zögern gewiss zu großen Teilen nicht etwa mangelnder Charakterfestigkeit oder Überzeugung, sondern dem schlichten Mangel einer tragfähigen Definition geschuldet. Und wer könnte es angesichts des semantischen Chaos ernsthaft verübeln?

 

Wollen wir also einen ersten Versuch wagen, einen Beitrag zum Anstoß dieser nur überfälligen Diskussion zu leisten. Die Frage nach einer Definition scheint hierbei insoweit vorrangig. Das Herangehen an eine solche nahezu grenzenlos. Nur allzu beliebt scheint dem Volksmund die simple historische Bezugnahme auf die Sitzordnung der post-revolutionären Parlamente, wie wir sie aus den Schulbüchern kennen. Sozialisten–Demokraten(Liberale)-Monarchisten(Konservative). Man versucht letztlich Dinge mit sich selbst zu erklären ohne ihnen einen Sinngehalt beizumessen. So gemütlich es auch scheint, ist aber damit kein Blumentopf gewonnen.

 

Genauso wenig erfolgversprechend scheint es, die ausschlaggebenden Trennlinien, wie nur zu häufig versucht, an politischen Themenfeldern festmachen zu wollen. Überschneiden sich diese doch nur zu oft, wenn sie nicht ohnehin schon falsch verortet werden. Wieso sollte die politische Linke beispielsweise ein Patent auf die „soziale Gerechtigkeit“ ihr eigen nennen? Warum ist die politische Rechte nur zu häufig darum bemüht, sich über ihren „Patriotismus“ zu definieren, wobei doch die instinktive Heimatverbundenheit nach eigenem Verständnis eine menschliche, von jeglicher politischen Couleur unabhängige Tugend ist?

 

Stellen wir uns etwa einmal die Frage: Ist der Rechte etwa ein asoziales wie gieriges, der Linke etwa ein amorphes Individuum? – Ausgemachter Humbug und eine Beleidigung für jede Intelligenz.

 

An diesem Punkt teilt der Verfasser die im weiten Vordringen befindliche Auffassung hinsichtlich einer „soziologisch-psychologischen“ Definition. Der wohl derzeit bekannteste Verfechter eines entsprechenden modus operandi ist der französische Philosoph und „unbestrittene Vordenker der Neuen-RechtenAlain De Benoist. Allem voran in seinem unverzichtbaren theoretischen Wegweiser Kulturrevolution von Rechts (1985/2017) bemüht und formuliert er diverse fundamentale Überlegungen, die nach hier vertretener Ansicht einzig größten Zuspruch erfahren.

 

Kurz um:  Die bemühten Begrifflichkeiten stehen nicht etwa für starre Komplexe. Noch weniger für sich selbst. Es handelt sich bei der politischen Verortung um eine Frage der persönlichen „Grundlagen-Philosophie“. Es gibt nicht etwa rechte und linke Themen, sondern vielmehr einen rechten und linken Blickwinkel die Dinge, die uns umgeben – soll heißen: den Menschen, die Welt, sowie den Kosmos als Ganzes zu begreifen. Die letztlich wohl primär ausschlaggebende Trenn-  und Demarkationslinie dieser Weltansichten – sofern denn eine zu suchen ist, wird hierbei im Spannungsfeld zwischen „Egalitarismus und Diversität“ auszumachen sein.

 

Viele, wenn auch gewiss nicht alle entscheidenden Fragen im Hinblick auf dieses Verhältnis, lassen sich in etwa wie folgt zusammenfassen:

 

Erkennt man die Vielgestaltigkeit der Welt, der Menschen, der Völker und Kulturen, sowie die aus ihr logischerweise resultierenden Unterschiedlichkeiten als Triebfeder allen Seins, als Motor jeder Inspiration und des menschlichen Vorankommens? Bemisst man den Wert des Einzelnen nicht nach seinem bloßen Vorhandensein, sondern entsprechend der nach eigenen Fähigkeiten im sozialen Gefüge übernommenen Verantwortungen, sowie erbrachten Leistungen für das gemeine Funktionieren und Voranschreiten? Trägt man diesen Verantwortungen und Verdiensten des Einzelnen durch die Akzeptanz eines  angemessenen „Entlohnungsprinzips“ Rechnung – ganz nach dem Motto  suum cuique – oder moderner: „What you deserve is what you get!„?

 

Oder aber erachtet man die blanke Moral als Fundament jedes gesellschaftlichen Wirkens? Erachtet man die Unterschiedlichkeit als Quelle der weltlichen Ungerechtigkeiten? Begegnet man den aus der Vielgestaltigkeit resultierenden relativen Unterschiedlichkeiten mit Skepsis, wie Ablehnung und dem Wunsch nach größtmöglicher Beseitigung, zwecks Herbeiführung eines  vermeintlich sodann gerechteren, weitestgehend uniformen bzw. egalitären Kollektivs?

 

Ein Schelm, wer an dieser Stelle nun böses denken mag. Wir kratzen lediglich an der Oberfläche der Thematik. Die gebotene Tiefe der Diskussion ist bei Weitem nicht erreicht. Ebenso wird man an dieser Stelle den Anspruch auf dogmatischen Absolutismus vergebens suchen. Weder ist jede Ungleichheit sachgerecht, noch ist jede Umverteilung oder Kollektivierung als schändlich zu erachten. Doch im Sinne der Diskussion, oder auch nur des allzu genüßlichen Schockmomentes wegen, lasst uns für den Moment als Faustformel einfach festhalten: Rechts steht die bunte Vielfalt.

 

In diesem Sinne: „Ich bin rechts … und das ist gut so.

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Werner N.
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Werner N.

Der Beitrag von „Gastautor“ spricht eine entscheidende Schwäche der „Neu–Rechten“ an. Abgesehen von richtiger Kritik am EU-, Ökonomie- und Flüchtlingsproblem fehlt es: a) an einer umfassenden ideologischen Rahmentheorie des heutigen rechten Leitbildes und seiner Werte; b) an einer Begründung, warum in Zukunft eine rechte statt linke Revolution erforderlich ist; c) an einer klare Definition des Unterschieds zwischen demokratischen „Rechten“ und rechtsextremen Nationalsozialisten. Ohne dies wird man der „Dämonisierung“ nicht entgehen. (Die bisherige Strategie, Nazis als linken Sozialismus auszugeben, hält Etikett und Inhalt der Flasche für immer übereinstimmend und verwechselt Methode mit Ideologie); d) an Maßnahmen gegen die Zukunftsblindheit bei Konservativen… Weiterlesen »

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