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Pokémon Let’s Go: Remake sie Dir alle

Foto: flickr steamXO

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Bei alten Spielen war in den Neunzigern, insbesondere auf Nintendo Konsolen, Pokémon das Phänomen schlechthin. Damals war Pokémon an Bekanntheitsgrad das neue Tetris und selbst viele Nichtspieler hatten davon gehört. Die Spiele gehören, obwohl man sie heute vielleicht belächelt, zu den erfolgreichsten Rollenspielen aller Zeiten. Die 23 Jahre alte Spielemarke begann ein Retro Revival mit dem Rerelease der alten Spiele auf dem Nintendo 3DS, (sogar mit nachgeahmter Originalverpackung), und der Handyapp Pokémon Go. Letztes Jahr erschienen Remakes der Roten und Blauen Urspiele in Form der Switch Titel „Let’s Go“ in den Editionen Evoli und Pikachu.

Deshalb lohnt es sich als Retrospieler, diese beiden Remakes zu besprechen.

Ich gebe es zu. Ich war bei Pokemon immer ein Purist. Für mich waren die wahren Editionen Rot und Blau und der Rest hat mich nie interessiert. (Höchstens Sonne und Mond, aber nur, weil laut dem Youtuber Gnoggin, das auf antiker griechischer Philosophie und Alchemie basiert.) Ich hatte schon bei Gold und Silber die Lust verloren und kann mir fast kein Pokémon nach Mew merken. Und Pokemon Go hatte ich auch nur deshalb richtig intensiv eine Zeit lang gespielt, weil dies eine Rückkehr zu Rot und Blau war.

Pokémon Let’s Go ist genau das richtige Spiel für Leute wie mich. Das ist ein sehr puristisches Remake davon. (Eigentlich ist es ein Remake von Pokémon Gelb, um Genau zu sein. Gelb hat nämlich viele generische Elemente wie den „Team Rocket Angehörigen Nummer Sonstwas“ durch Anime Figuren wie Jessie und James ersetzt, und es so gemacht, dass einem Pikachu immer folgt und man auf dessen Emotionale Verfassung aufpassen muss. All das kommt hier zurück. Aber in deutlich besserer Form.

Was in Bezug auf den Anime leider fehlt, sind die „albernen“ aber durchaus cool klingenden Musikstücke. Wahrscheinlich wäre dies dann aber so, dass das Spiel endgültig die Immersion gebrochen und zu richtigen Lachkrämpfen geführt hätte. Schon jetzt muss man sich sein breites Grinsen sehr verkneifen, wenn Jessie und James „Das war mal wieder ein Schuss in den Ofen“ schreien.)

Das Graphische Update ist Phänomenal. Die Levels sehen durch Effekte wie volumetrisches Licht richtig schön aus. Und Pokemon laufen frei in der Gegend rum und sind keine Zufallskämpfe mehr. Leider hat man aber nur deren Bewegungen zufällig gemacht, und nicht versucht, wie bei Pokémon Snap die Pokémon als „realistische“ Tiere in freier Wildbahn, die ihren typischen Verhaltensmustern nachgehen, dargestellt. Hätten die das auch noch gemacht, wäre dies die ultimative Darstellung der Pokémon Welt gewesen. Aber auch so wirkt dies schon „Lebensechter“ als in jedem Pokémon Spiel zuvor.

Die Pokémon sind ebenfalls „interaktiver“. Man kann viele Pokémon als Begleiter aus dem Pokéball holen, und man kann auf vielen sogar reiten. Letzteres hat leider den Programmfehler, dass das entsprechende Pokémon ab und zu verschwindet. Gleichzeitig ist die „Reitbarkeit“ sehr unlogisch verteilt. Einige Pokémon wie die Riesenvögel Zapdos, Arktos und Lavados sind größer als der Spieler, aber man kann sie nicht reiten. Das ist jedoch ziemlich Sinnlos. Man wird dadurch nicht schneller oder besser geschützt. Sieht nur cooler aus.

Die Musik besteht aus Covern der alten Lieder aus den Spielen. Die Musik ist insgesamt relativ gut. Aber Smash Bros hat teilweise bessere Cover verwendet als Let’s Go Pikachu. Besonders „Road to Veridian City“ war in Smash Bros besser gecovert worden, als hier in dem Spiel.

Das Kampfsystem von Pokémon Let’s Go kann in zwei Teile geteilt werden: Fangen und Trainer Kämpfe. Das Einfangen ist ganz anders als sonst. Statt dem üblichen System hat man das Spielprinzip der Handy App Pokémon Go übernommen. (Daher auch die Namensähnlichkeit.) Das ist deshalb jetzt mehr Hand-Augen Koordination als Strategie. Dieses Spielprinzip ist im Einspielermodus, wenn man die Gamepads an der Konsole hängen hat, noch vergleichsweise Simpel. Im zwei Spieler Modus nimmt jeder einer dieser Fernbedienungen und muss diese nach vorne bewegen. Dies ist gerade am Anfang verwirrend und umständlich.

Was man auch von Pokémon Go übernommen hat, ist die Mechanik, dass man Pokémon füttern kann, um sie zu „überreden“, sich leichter fangen zu lassen. Ähnlich wie bei Pokémon Go ist das allerdings später ziemlich Sinnlos und irgendwann hilft nur, so lange zu versuchen, das Pokémon zu fangen, bis es aufgibt, und sich nicht mehr wehrt.

Die „Lebensräume“ der Pokémon sind jedoch explizit nicht nach den Pokémon Go Regeln bestimmt, sondern folgen den Prinzipien der Game Boy und (3)DS Spiele. Dies bedeutet, Wasser Pokémon sind deutlich schwerer zu erhalten, als in Pokemon Go. (Bei dem Spiel war das aber meist auch „notwendigerweise“ sehr unrealistisch. Dort konnte man in jedem kleinen Flutkanal mitunter das „Monster von Loch Ness“, im Spiel „Lapras“ genannt, finden.)

Dafür wird aber nicht alles fast nur mit kleinen Nagetieren und Insekten befüllt, sondern man findet stattdessen auch höher entwickelte Pokémon.

Man kann übrigens sich bei der Vervollständigung seines Pokédex (also seiner Pokémon Sammlung) gut helfen, wenn man früher Pokémon Go spielte und noch einen Spielstand hat. Die „Safarizone“ aus den Originalen wurde nämlich durch eine Art Zoo ersetzt, in dessen Gehege man seine auf dem Handy gefangenen Pokémon laden kann. Die müssen dann aber neu eingefangen werden. Nur Vorsicht: Wer Pokémon Go spielte, besitzt dort häufig nur noch die allerhöchsten Weiterentwicklungen oder die Grundform der Pokémon. Die Zwischenschritte hat man meistens nicht mehr. Dies bedeutet, mit dem Handy kann man sich meist nicht komplett durch das Spiel „Cheaten“.

Der Trainer Kampf ist zum Glück das Standard Prozedere von Früher. Jedoch scheint es, als hätte man alle „unbedeutenden Trainer“ absichtlich massiv vereinfacht. Das ist ein zweischneidiges Schwert. Oft fehlt es diesen Trainern so an Schwierigkeit. Auf der anderen Seite konnten die aus früheren Spielen bekannten „Prügelgassen“, wo man hintereinander von 5 oder mehr Gegnern zum Kampf aufgefordert wurde, schnell nervig werden. Durch die Vereinfachung ist man da schneller durch.

Fies sind manche Zeitlimits, wo man einen Gegner in 5 Minuten besiegt haben muss.

Möglicherweise ist der Schwierigkeitsgrad insgesamt auch reduziert. Das war das allererste Pokémon Spiel, was ich in 6 Tagen komplett durch hatte. Es kann auch sein, dass ich einfach alles noch von früher wusste und deshalb weniger stark rumrätseln musste, was zu tun ist. Jedoch fällt dies massiv auf. In den Neunzigern brauchte ich für Pokémon ein gesamtes Jahr (und schaffte es außerdem nur, nachdem ich mit Hilfe der Null Pointer Exception „Missingno“ durch einen Programmfehler Sonderbonbons verhundertfacht und damit meine Pokémon „Gedopt“ habe) und jetzt 6 Tage.

Es stimmt aber nicht, dass alle Kämpfe extrem vereinfacht wurden. Die Top Vier (Also die allerletzten Kämpfe) muss man hintereinander absolvieren und kann seine Vorräte nicht auffüllen. Deshalb ist dieser Kampf extrem hart. Zwei Tage meines Sechstägigen Marathons hab ich allein mit denen verbracht. Plus den Abend davor.

Die Geschichte des Spiels ist Fanfiction Niveau. Man spielt nicht Rot und Blau (oder wie die Meisten sagen, Ash und Gary), sondern einen neuen Typen, der fast genauso aussieht, wie Rot/Ash Ketchum, und einen Rivalen hat, der zufällig wie Blau/Gary aussieht, aber eine völlig andere Persönlichkeit hat. Man eifert scheinbar Ash und Gary nach und wird auch von Gary unterstützt. Man erlebt aber, obwohl laut dem Spiel Gary das scheinbar erlebt hatte, genau dieselbe Geschichte wie im Original. Also hat zufälligerweise derselbe „Mafiaboss“ dieselbe Vereinigung noch einmal gegründet um exakt dieselben Verbrechen zu begehen, derselbe Genforscher macht im selben Labor dasselbe Genexperiment, was genau so wie vorher schief geht usw. Die Story ergibt also kurzum nicht viel Sinn. Pokémon spielt man aber auch nicht wegen der Story.

Fazit:

Insgesamt ist dieses Spiel ein richtig gutes Remake. Obwohl es nichts weltbewegend Neues liefert, sondern mehr auf der Nostalgiewelle reitet. Dies macht es aber z.B. besser als Pokémon Go. Dadurch, dass man dort zwar neue Pokémon aus neueren Spielen hinzufügte, aber die Zahl der auftauchenden Pokémon nicht erhöhte, kann es da jetzt ewig dauern, bis man die Sammlung von einem einzigen alten Spiel komplettiert hat. Und Let’s Go Pikachu macht es viel einfacher, „seltene Pokémon“ wie Arktos und Mewtu zu finden, als Pokémon Go es tut. Und Let’s Go Pikachu hat weniger Durststrecken, im Vergleich zur Handy App.

Allein schon fürs Graphikupdate lohnt sich der Blick.

Michael Kumpmann hat Medienmanagement studiert und schreibt seit 3 Jahren für mehrere Magazine, darunter eigentümlich frei.

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