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Games

Megazone 23

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Vergessene Schätze

Zum Thema Retrospiele wurden von Arcadi einige Texte von mir veröffentlicht. Retro hat aber nicht nur was mit alten Computern zu tun. Auch in der Filmbranche gibt es „vergessene Schätze“ zu entdecken.

Eine Filmreihe, die in Deutschland faktisch unbekannt ist, aber sehr einflussreich war, ist die Megazone 23 Filmreihe. Diese handelt grob von einem Biker, der ein hochtechnisiertes Motorrad findet, was sich in einen „Transformers“ artigen Mech verwandeln kann, und damit entdeckt, dass er in einer virtuellen Realität auf einem Raumschiff gefangen ist. Er muss danach gegen die Regierung kämpfen, welche die Computersimulation abändern will, um die einfachen Leute davon zu überzeugen, einen Krieg mit einem anderen Kolonieschiff anzufangen.

Dies klingt relativ „gewöhnlich“ aus heutiger Sicht. Trotzdem war der Film sehr Einflussreich. Vor Allem scheinbar auf eine sehr berühmte Hollywood Science Fiction Reihe.

Überwiegend im Westen bekannt

Um direkt vorweg zu nehmen: Es gibt da einen bestimmten Grund, warum diese Filmreihe vor Allem im Westen bekannt ist. Die ersten beiden Filme handeln davon, dass jemand in einer gigantischen Stadt am Anfang der 1990er zu leben scheint, aber dann feststellt, dass das, was er für Real gehalten hatte, in Wahrheit eine von Maschinen erzeugte Virtual Reality Simulation ist, in der die Menschheit eingesperrt wurde.

Und der dritte Teil der Reihe handelt von jemandem, der tagsüber bei einer Softwarefirma arbeitet, aber heimlich auch ein gesuchter Hacker ist. Weil diese Stadt auch wieder eine von Maschinen kontrollierte Illusion ist, will ein „Cyberterrorist“ die Menschen befreien und sucht den Protagonisten des Films, weil er diesen für eine Schlüsselfigur in dieser Befreiung hält. Die Kontaktaufnahme läuft aber schief, weil „Agenten“ des Systems den Protagonisten finden und ihn nutzen wollen, um diesem Cyberterroristen nach zu spionieren. Diese Agenten können auch andere Bürger übernehmen, weshalb jeder in Wahrheit ein Agent sein kann.

Parallelen zu anderen Filmen

Man merkt schon, dass dies massiv an die „Matrix“ Filmreihe erinnert. (Weitere Parallele sind die „Octopus Artigen“ Roboter der „Maschinen“, die denen aus Matrix auffällig ähnlich sehen.) In den USA wurde die DVD Box dieser Filme sogar explizit damit beworben, dass dies das Vorbild der Matrix Filme gewesen sei. Die Wachowskis haben den Einfluss zwar bestritten, aber die Parallelen zwischen beiden Filmreihen sind zu auffällig, um bloße Zufälle zu sein. Der Film hat auch deutlich mehr Parallelen zu den Matrix Filmen, als die Animes, die von den Wachowskis als Einfluss genannt wurden. Besonders Ghost in the Shell und Akira haben vollkommen andere Geschichten als die Matrix Filme, während Megazone 23 sehr ähnlich ist.

Megazone 23 hatte abseits der Matrix auf Animes und japanische Spiele einen großen Einfluss. Eine Schlüsselszene aus Neon Genesis Evangelion sieht exakt so aus, wie eine Schlüsselszene aus Megazone 23. (näher darauf eingehen wäre ein massiver Spoiler für beide Serien.) Das Sega Megadrive Spiel „Phantasy Star 3“ hat auch eine sehr ähnliche Story zur Megazone 23.

Ein Kernelement der Geschichte der Filme basiert auf derselben gnostischen Philosophie wie die Matrix Filme. Dieses Element wurde von den Wachowskis aber ignoriert. In der Gnosis gibt es einen „Dämon“, der die Menschheit in einer Scheinwelt einsperrt. Dies ist in beiden Reihen die künstliche Intelligenz. Im Gnostizismus gab es aber noch die Figur der Sophia, die kein direktes Pendant in der Matrix hat (man könnte höchstens das Orakel ein wenig hier ansehen.). Die Sophia ist die Göttin der Wahrheit und die Verkörperung der Wahrheit. Im Gnostizismus wurde die von dem bösen Dämon gefangen gehalten und die Erlösung, die Jesus brachte, war die Befreiung der Sophia. Und Sophia ist auch die, die im Gnostizismus am Ende den Dämon besiegt.

Ähnlichkeiten zu Rock Oper und Musicals

Wie gesagt. In Matrix hat Sophia eigentlich kein Pendant. Bei Megazone 23 ist dies anders. Hier gibt es die Rocksängerin „Eva“, die ein Computerprogramm ist und in einer besonderen Beziehung zur KI steht. Am Schluss der Reihe sorgt sie auch für die Befreiung der Menschheit. Eva ist im Film ein computergesteuerter Rockstar (quasi das, was heute unter dem Begriff Vocaloid/Miku Hatsune wirklich existiert). Die Filme sind deshalb als Musical/Rock Oper konzipiert, und werden von den Songs von „Eva“ untermalt. Die Songs sind auch ziemlich cool. Meine persönlichen Favoriten sind „Sentimental over my shoulder“, „You can’t sleep alone“, „Lonely Sunset“, „Higeki no Idol“, und “Pandora no Fune”. Youtuber, die sich mit dem Film beschäftigen, ignorieren oft die Lieder aus dem dritten Teil. Dies ist aber unberechtigt. Diese Songs sind auch extrem gut.

Alle Musik, die nicht gesungen wird, ist aber dafür komplett belanglos. Die Musik ist sehr typisch 80er. (Dies ist bei den Filmen aber sowieso mehr als auffällig. Auch durch andere Elemente wie Szenen mit Aerobik Tänzerinnen wirkt der sehr nach einem „typischen 80er Jahre Film“. Es stellt sich die Frage, ob der Film deshalb irgendwann vielleicht Einfluss auf die Vaporwave Musik nehmen wird.)

Von der Optik ist der Film gut. Er kommt aber nicht an Filme wie Ghost in the Shell, Akira oder Wicked City ran. Die Umgebung ist oft auch ziemlich detailarm. Und mit Lichtgestaltung wird überhaupt nicht gearbeitet. Die Architektur der Stadt im dritten Teil ist aber richtig interessant. Insbesondere wenn man uralte französische Science Fiction Comics, wie von Jean Gireaud kennt. Das hat nämlich einen sehr ähnlichen Stil. Deshalb ist alles im Vergleich zum typischen Cyberpunk Setting auch deutlich sauberer und „polierter“.

Der dritte Teil hat von allen Teilen die interessanteste Optik. Und insgesamt ist die Darstellung von Technologie optisch das Beste an den Filmen. Auch z.B. die Raumschiffe, die aussehen wie unförmige, riesige Kolosse, die nur aus Rohren und anderen technischen Vorrichtungen zu bestehen scheinen, und denen jedes Menschliche zu fehlen scheint.

Die Geschichte des Films ist sehr gut erzählt und erstaunlich intelligent. Die Maschinen haben für Filme dieses Genres eine außergewöhnlich interessante Motivation, die auf Isaac Asimovs „Nulltes Robotergesetz“ anspielt. Die Maschinen haben die Menschen nämlich nicht aus Boshaftigkeit versklavt, sondern um sie vor der Selbstausrottung zu bewahren. Deshalb sind bis auf den letzten Film die Maschinen auch nicht die Antagonisten. Stattdessen will in den ersten beiden Filmen das Militär der Menschen die Maschinen für ihre eigenen Zwecke umprogrammieren. Die Motivation, warum das Militär dies nun vorhat, wird jedoch nicht wirklich ersichtlich. Das wirkt auch ehrlich gesagt komplett bescheuert. Wahrscheinlich muss man dies aber in einer grundlegenden Anti Kriegs Aussage sehen, die die Filmemacher damit machen wollen. Und dass dies bedeuten soll, dass Krieg grundlegend „irrational“ sei und oft eher ein Selbstzweck mit vorgeschobener Ausrede sei.

Konzept über Charakter

Die Figuren sind bis auf „Eva“ alle relativ langweilig, weshalb man sie schnell vergessen hat. Der Film ist wie einige alte Science Fiction Filme eine Geschichte über ein intellektuelles Konzept und nicht über Menschen. Aber im Vergleich zu sehr vielen Science Fiction Filmen der 70er sind die Figuren auch keine weltfremden Intellektuellen die nur philosophisches Zeug daher labern, sondern wirken wie „reale“ Jugendliche.

Wie bei vielen 80er Jahre Animes ist die Gewalt stellenweise außer ordentlich brutal (die Maschinen töten einen Soldaten z.B. , indem sie ihm ein Kabel mitten durchs Auge rammen). Der zweite Teil enthält einige Sex Szenen. Obwohl an diesen ein bekannter Hentai- Porno Regisseur beteiligt war, sind diese aber nicht sonderlich ordinär, sondern sogar relativ kunstvoll.

Nach der Vollendung der Megazone Filme entwickelten die Macher einige Stilelemente des Films zur Serie Bubblegum Crisis weiter. Die war in Europa eine der bekanntesten Kauf Animes der 90er Jahre. Bubblegum Crisis erinnert trotzdem mehr an Blade Runner als an Megazone 23.

Die Veröffentlichung des Films im Westen war eine „turbulente“ Geschichte. Der Film erste kam zuerst in Amerika raus, aber in einer sehr veränderten Form. In den 80ern war die Serie Robotech in den USA populär. Robotech bestand aus 3 Animes, die nichts miteinander zu tun hatten (wovon der Bekannteste Macross war), und die so ineinander geschnitten wurden, dass sie eine neue kohärente Handlung ergaben. Deshalb wollte man einen Robotech Kinofilm produzieren, aber man hatte kein Geld um einen selbst zeichnen zu lassen. Und der japanische Lizenzgeber verweigerte die Lizenz des Macross Kinofilms. Die Lizenz für Megazone 23 war aber durch einen obskuren Deal von früher schon vorhanden. Und da an Megazone 23 und Macross das selbe Personal arbeitete, weshalb die Figuren optisch ähnlich aussahen, hat man beschlossen, aus Megazone 23 den Robotech Film zu machen. Da hat man aber gleichzeitig einen sehr unsinnigen Fehler gemacht: Man hat den Film ausgerechnet mit Bildmaterial der Serie „Super Dimension Cavalry Southern Cross“ zusammen geschnitten. Da Megazone 23 aber in einer Megametropole spielt, und Southern Cross in einer Mondlandschaft, machte das zusammengeschnittene Endprodukt am Ende wenig Sinn. Gleichzeitig waren beide Bildquellen in deutlich unterschiedlichen Auflösungen, weshalb der Film optisch in der Qualität sichtbar schwankte. Der Film war ein totales Desaster an der Kasse und wurde nach weniger als 3 Wochen schon wieder aus den Kinos genommen.

Der Vertrieb in Europa

In Europa wurde der Vertrieb des dritten Teils später von „Manga Video“ übernommen, einem Verlag, der sich auf Science Fiction Animes spezialisierte. (Man kann davon ausgehen, dass die deutsche Firma „OVA Films“, welche in den 90ern die meisten Animes auf Heimvideo nach Deutschland brachte, im Umfeld dieses Verlags entstand.) Manga Video brachte aber nur den dritten Teil auf den EU Markt, und ließ die ersten beiden Teile aus. Um das zu verdecken, schnitt man einen extra Prolog, der erklärte, was in den ersten beiden Teilen passierte. An diese Version kommt man in Europa am Leichtesten. (Die hat den Ruf, etwas verfremdet zu sein. Aber aus persönlicher Erfahrung mit beiden Versionen wirkte die Story relativ unverändert wieder gegeben.)

In der letzten Hälfte der 2000er hat der US Verlag „ADV Films“ (den es auch nicht mehr gibt), alle Teile in der bisher bestmöglichsten Fassung als dreier DVD Box auf den Markt gebracht. Diese Fassung entstand im Zuge einer Situation, wo ADV den Robotech Produzenten die Lizenzen abkaufte, das original japanische „Rohmaterial“ in originalgetreuer Übersetzung veröffentlichen zu dürfen.

Für die Playstation 3 erschien in Japan ein Strategiespiel zur Serie, was an die „Super Robot Wars“ Spiele erinnert, welche die Figuren möglichst vieler Science Fiction Animes zu einem Spiel vereinen. Dieses Spiel sieht Optisch nicht wirklich wie der Anime aus, sondern wirkt extrem generisch. Deshalb hat mich das nie wirklich interessiert. In dem Genre scheint es auch spannendere Spiele wie Sakura Taisen oder Super Robot Wars zu geben.

In sehr wenigen Super Robot Wars Spielen taucht Megazone 23 übrigens auch auf. Da diese Spielereihe aber die Stories von vielen grundverschiedenen Science Fiction Serien zusammen würfelt, ist dieser nicht sonderlich anspruchsvolle, sondern reiner Fanservice. Alle Spiele dieser Reihe, bis auf vier Spin Off Spiele, verfügen über keinen Mehrspieler Modus, obwohl die eigentlich ideal für einen solchen wären.

Michael Kumpmann hat Medienmanagement studiert und schreibt seit 3 Jahren für mehrere Magazine, darunter eigentümlich frei.

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