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Bücher

Lobgesang auf Leibowitz – Eine postapokalyptische und katholische Zukunftsvision

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Meistens wird Science Fiction verständlicherweise als „Propaganda der Moderne“ bezeichnet. Es gibt aber auch Ausnahmen, die auf Tradition, Kultur und Werte, anstatt auf Fortschritt zum Selbstzweck setzen. (Und welche eine solche Fortschrittsideologie eher kritisieren.) Star Wars und Dune sind hier die Bekanntesten. Eine eher unbekannte, aber dennoch sehr interessante Geschichte dieser Art ist das postapokalyptische Buch „Lobgesang auf Leibowitz“ von Walter M. Miller.

Leibowitz ist eine deutlich intelligenter geschriebene Geschichte, als die „Trash Filme“, die man sonst mit dem Begriff „Postapokalyptik“ assoziiert. Die Welt des Romans ist eine Welt nach einem Atomkrieg. Aber eine die nicht in das Klischee „Leder tragende Punks hauen sich gegenseitig die Köpfe ein“ fällt, wie man dies von diesem Genre oft genug kennt. Stattdessen ist dies eine Zukunft, in der das Ende der modernen Menschheit zu einer Rückkehr ins Sakrale führte. Die dominante Macht der Zukunft ist kein Staat, sondern der Vatikan.

Das Buch besteht aus drei Kapiteln, die alle nach Zitaten aus der Bibel benannt sind, und jeweils ein Zeitalter beschreiben.

Das erste Kapitel, „Es werde Licht“ schildert die Welt kurz nach dem Nuklearkrieg. Ein Mönch findet alte Schriften aus der Vorkriegszeit und kann damit nach und nach die Technologie wiederentdecken. Dieser Mönch wird jedoch am Ende von Banditen umgebracht. Diese gehörten zu Gruppen von „Armen Leuten“, die vom Pabst aus falsch verstandener Nächstenliebe unterstützt werden, deren Lebensweise mit christlichen Werten jedoch vollkommen inkompatibel ist.

Im zweiten Kapitel „Lasset uns Menschen machen“ bricht durch die Wiederentdeckung der Technologie eine neue Renaissance an. Jedoch wird die Technologie zusehends für politische Zwecke missbraucht und es endet in einem Schisma, welches die Kirche entmachtet. Dies führt im finalen Kapitel „Dein Wille geschehe“ zu einer materialistischen Kultur, die ihre Werte dem Fortschritt opferte. Ein neuer Atomkrieg droht.

An dieser Zusammenfassung wird auch gut das Hauptthema des Buchs leicht ersichtlich. Ähnlich wie Evola, Spengler, und Andere, geht der Autor von einem Zeitzyklus aus. (Die Geschichte droht auf das Ereignis hinzu zu laufen, mit dem die Geschichte überhaupt begann.) Die Idee dahinter stammte von der Jugend des Autors als Kampfpilot im zweiten Weltkrieg. Auf einer Mission dort hatte er mit seinem Trupp versehentlich ein mittelalterliches Kloster bombardiert. Diese Erfahrung, quasi mit einem falschen Knopfdruck mal eben hunderte Jahre Kulturgeschichte ausradiert zu haben, schockierte Walter M. Miller, und brachte ihn zum grübeln, wie die Geschichte funktioniert und wie leicht das, was frühere Generationen aufgebaut haben, verloren gehen kann.

Der Zeitzyklus wird laut dem Buch von zwei Kräften bestimmt: Einmal die Tradition der Menschheit als „ewig gültiges Gesetz“ und dann das Streben nach Fortschritt als Selbstzweck. Der Zeitzyklus würde dann so ablaufen, dass nach einer Katastrophe die Menschheit sich der Tradition zuwendet, aber zuerst Neues bekämpft wird. Dies würde im Namen des Fortschritts bekämpft, was aber wiederum dazu führt, dass man alle Werte und Identität dem Fortschritt und materiellen Wohlstand opfert, was wieder in die atomare Katastrophe führt.

Und genau, dass dieses Buch sich intensiv mit der Idee der zyklischen Zeit beschäftigt, macht es auch besonders. Die Ausarbeitung der „archäofuturistischen“ Welt des Buchs ist nicht so detailliert und komplex wie in ähnlichen Werken wie „Dune“oder „Nausicaä“, und die Figuren sind auch vergleichsweise uninteressant, aber dieses Buch beschäftigt sich dafür deutlich mehr mit der Geschichtsphilosophie.

Wie vielleicht viele schon erahnt haben, ist die Geschichte ebenfalls deutlich ruhiger und intellektueller als die „Rittergeschichten“ wie Dune.

Positiv fällt auch auf, dass in dieser „Archeofuturistischen“ Zukunftvision mal nicht um antike Kulturen oder asiatische Religionen, sondern um Christen geht. Dies ist einfach für die Mitglieder der „christlich abendländischen Kultur“, wie uns, näher an der Lebenswirklichkeit. Wir wissen nicht wirklich genau, wie Osmanen, oder Antike Römer und Hellenen gelebt haben. Aber trotz Aufklärung und Leuten wie Margot Kässmann und Kardinal Woelki ist die Kontinuität zur Hochzeit der mittelalterlichen christlichen Kultur noch deutlich sichtbar.

Eine große Schwäche des Buchs ist jedoch, dass zu viel Handlung in zu wenig Text gepresst wurde. Das Buch ist nicht wie Dune eine massive Buchreihe, welche die Geschichte von mehreren tausenden Jahren bis ins kleinste Detail erklären kann, sondern ein einzelner Roman, der trotzdem versucht, eine riesige Handlung in sehr kurzer Form unter zu bringen.

Das Buch kann nicht mit Klassikern wie Dune mithalten. Es ist aber ein unterhaltsames Buch, was es sich zu lesen lohnt. Das Buch wurde nie offiziell verfilmt. Jedoch ist ein Teil der Babylon 5 Episode „In 100 Jahren, In 1000 Jahren“, dem Buch erstaunlich ähnlich.

Michael Kumpmann hat Medienmanagement studiert und schreibt seit 3 Jahren für mehrere Magazine, darunter eigentümlich frei.

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