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Leben für die Rente mit 40: Frugalisten on F.I.R.E.

Rente mit 40 klingt gut, oder?

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Lebensphilosophien gibt es mittlerweile wie Sand am Meer: Auf Youtube und anderswo versuchen „Influencer“ ihre Konzepte zu verbreiten und – was meistens eine beträchtliche Rolle spielt – damit Geld zu verdienen. Exzessiver Sport, Fitnesskult, Yoga, Meditation, Esoterik, fernöstliche Spiritualität, Veganismus, das Reduzieren des eigenen „Fingerabdrucks“ auf der Erde durch ein besonders ökologisches Leben – all diese Lebensstile geben dem eigenen Dasein einen Sinn und stimulieren das Belohnungszentrum im Gehirn.

Mit 40 in Renten

In Zeiten von Unterhaltungselektronik, Billigreisen und Hedonismus nehmen dabei die „Frugalisten“, die sich dem F.I.R.E.-Konzept verschrieben haben, eine Sonderrolle ein. Das Wort Frugalist stammt vom englischen Wort „frugal“, das „schlicht“ oder „bescheiden“ bedeutet. F.I.R.E. steht für „Financial Independence and Retiring Early”, was das Ziel dieses Lebensstils bereits verrät: Ein Frugalist will möglichst früh in Rente gehen. Dabei geht es den Frugalisten nicht etwa darum, gegen die Rente mit 67 zu kämpfen, ihre Ziele sind deutlich ambitionierter: Die meisten wollen mit etwa 40 Jahren in Rente gehen.

Tausende Euro durch kleine Änderungen im Tagesablauf einsparen

Dieses Ziel wollen sie sinniger Weise nicht mithilfe der kargen staatlichen Absicherung erreichen, sondern durch einen maximal sparsamen Lebensstil, der Konsum vermeidet. Der Unterschied zu den klassischen Aussteigern ist dabei, dass Frugalisten mitnichten dem Materialismus entsagen und ein Problem mit Geld und Marktwirtschaft hätten. Stattdessen realisieren sie lediglich, dass viel von unserem alltäglichen Konsum stumpfsinnig ist, weil er uns nicht glücklicher macht und in keiner Weise weiterbringt. Frugalisten kaufen zum Beispiel keinen „Kaffee-To-Go“ für 1 €. Wer das jeden Tag macht, gibt im Jahr 365 € für Kaffee aus. In zehn Jahren sind es 3650 € – nur für Mitnehmkaffee! Vor jeder auch noch so kleinen Ausgabe fragen sich Frugalisten also, ob sie diese wirklich benötigen. Teilweise visualisieren sie auch die Zeit, die sie dafür im Job arbeiten müssen und gelangen so meist zum Ergebnis, die Ausgabe doch nicht tätigen zu wollen.

Mehr als die Hälfte des Monatsgehalts sparen

Urlaub machen Frugalisten trotzdem – aber eben nicht auf den Malediven, sondern eher in Mecklenburg-Vorpommern im Zelt. Als Frugalist erkennt man also durchaus Bedürfnisse wie den Wunsch nach Urlaub und Erholung an, gestaltet deren Befriedigung jedoch so kostengünstig wie möglich. Erfolgreiche Frugalisten legen dank ihrer Philosophie fünfzig Prozent bis hin zu zwei Drittel oder sogar noch mehr ihres Gehaltes jeden Monat auf die hohe Kante. Fester Bestandteil der Weltanschauung ist es, sich mit dem Thema Geldanlage zu beschäftigen und das Geld nicht nur auf dem Sparbuch liegen, sondern auch für sich arbeiten zu lassen. Auch hier also ein deutlicher Unterschied zum Hippietum.

Zahlreiche Medien von Stern über ProSieben bis hin zu öffentlich-rechtlichem Rundfunk haben bereits über erfolgreiche Frugalisten berichtet. Doch wer wirklich mit 40 in Rente gehen will, muss früh anfangen – und das tun anscheinend doch einige, weswegen der Frugalismus auch irgendwo eine Jugendbewegung (jedenfalls für Mittzwanziger) ist.

Warum ich kein Frugalist werde

Die Argumente gegen eine frugalistische Lebensweise sollen jedoch nicht verschwiegen werden: Wer erfolgreicher Frugalist sein will und in seinen 20er Jahren damit anfängt, muss den Lebensstil auch konsequent durchziehen, damit mit 40 Jahren das gewünschte Ergebnis erreicht ist. Spätestens wenn ein Partner ins Leben tritt, der möglicherweise andere Vorstellungen vom Leben hat oder wenn Kinder hinzukommen, wird es zumindest bedeutend schwieriger. Wer den Lebensstil dann wieder aufgibt, hat seine Jugendjahre mit Sparen vergeudet. Und überhaupt: Ist es denn so erstrebenswert, mit 40 Jahren beruflich nichts mehr zu tun zu haben? Alle anderen Weggefährten sind in diesem Alter auf dem Höhepunkt ihrer Karriere – Gesprächs- und Reisepartner dürften dann also vor allem zwanzig bis dreißig Jahre ältere „echte“ Rentner sein. Gut möglich, dass man mit vierzig Jahren gar nicht aufhören will zu sparen und es im Übrigen auch gar nicht ertragen würde, seinen Geldhügel, den man sich eisern angespart hat, ab nun wieder schrumpfen zu sehen.

Nein, wer jahrelang knauserig durchs Leben zieht, wird mit 40 Jahren sicher nicht zum Parteionkel, sondern wird weiter scheffeln und auf seinem Goldberg genauso argwöhnisch sitzen wie Dagobert Duck. Glücklich macht das mit Sicherheit nicht. Wer einen Berg an Geld hat, muss es genauso hegen und pflegen wie einen großen Garten. Es muss investiert werden und spätestens wenn es mal wieder einen Börsencrash gibt, geistert täglich der Gedanke im Kopf herum: „Behalten oder doch verkaufen?“. Nein, man lebt nur einmal und dieses Leben sollte man nutzen: Natürlich nicht nur um sinnlosen Spaß zu haben, sondern um hier seine Pflicht für Gott, Vaterland und Familie zu erfüllen. Aber Spaß – und der kostet durchaus auch mal ordentlich Geld – gehört einfach dazu. Wie alle neumodischen Trendideologien führt also auch der „Frugalismus“ in die Irre. Er vergöttert den Gedanken der Sparsamkeit und des Geizes. Und doch können viele junge Menschen von vielen Grundannahmen der Frugalisten etwas lernen und sollten ihren Konsum überdenken. Dazu kann die Lektüre ihrer Blogs und Schriften einen großen Anstoß geben.

Was wir alle von Frugalisten lernen können

Wer über 800 € verfügt und sich für 800 € ein Smartphone kauft, das in einem halben Jahr nur noch die Hälfte kostet, handelt etwa ersichtlich weniger klug, als der, der das ähnlich gute Vorgängermodell für 400 € kauft und die restlichen 400 € in einen Aktienfonds investiert. Bei einem langfristigen Investment und einer für den Kapitalmarkt sehr zurückhaltend bezifferten jährlichen Rendite von zwei Prozent hat letzterer nach 40 Jahren aus den 400 € nämlich knapp 2000 € gemacht, ohne einen Handschlag dafür tun zu müssen. Klingt irre? So rechnen Frugalisten und Unrecht haben sie damit nicht.

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Wer ärmere Eltern hat, macht hier vielleicht die Rechnung ohne den Wirt. Kommen diese ins Pflegeheim, wird Elternunterhalt fällig. Je nach Alter des Frugalisten kann dies die Anspar- oder Auszahlungsphase erheblich stören. Und nicht nur die aktuellen Einkünfte, Ersparnisse >100000,- Euro sind ebenfalls in Gefahr. Ein Frugalist, der ab 40 vom Ersparten lebt, hat sicher höhere Rücklagen.

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