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Kino & Fern

Joker – Ein Antifa-Film?

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Der Film Joker mit Joaquin Phoenix in der Hauptrolle hat es geschafft, die Marke von 1 Milliarde Dollar im Box Office zu knacken, und ist damit der profitabelste „Superheldenfilm“ aller Zeiten. Das ist eine Überraschung, denn das Thema um den psychopathischen Joker schien lange Zeit eher auf Randgruppen abzuzielen. Auffallend ist auch, dass der Film beim Publikum deutlich besser angekommen ist, als bei den Kritikern. In dieser Situation wollen wir den Film politisch analysieren.

Einordnung

Der Film fällt in ein ähnliches Genre wie Taxi Driver (1976), Falling Down (1993), Menschenfeind (1998) und Fight Club (1999). Die Protagonisten sind nihilistisch, depressiv und psychopathisch Veranlagt. Sie sehen keinen Sinn in der Gesellschaft und haben auch keinen Platzen in ihr. Schließlich entlädt sich der Konflikt in einer Gewaltorgie, bei der sie sich mehr oder weniger an der Gesellschaft rächen wollen. In den meisten dieser Filme können wir uns in den Protagonisten hineinversetzen und an ihrem Konflikt teilhaben.

Faszination des Abstoßenden

„Joker“ möchte nicht das Schöne, Starke und Gute darstellen, sondern er lebt von der Faszination des Schockierenden und Widerwärtigen. Das Publikum möchte in seiner Sensationslust menschliche Abgründe sehen: Verzweiflung, Wahnsinn und brutale Gewalt. All dies wird in dem Film Joker ästhetisiert. Das macht schnell deutlich, dass es sich bei Joker wohl nicht um einen konservativen Film handeln kann. Der Film zeigt einen Weg in den moralischen Abgrund, der symbolisch durch die Treppe in Bronx dargestellt. Während der Joker zunächst gezeigt wird, wie er die Treppe mühsam und zusammengesunken erklimmt, springt er sie später fröhlich tanzend herunter. Er hat sich von allen gesellschaftlichen Werten und Normen verabschiedet und den Weg in den Abgrund gewählt.

Kampf gegen das Kapital

Ein Thema, welches den Film durchzieht, ist der Konflikt Arm gegen Reich. Die Straßen sind dreckig, die U-Bahnen mit Graffiti verschmiert. Die Psychotherapeutin von Arthur (dem Joker) muss ihm leider mitteilen, dass die finanziellen Mittel für die Institution gestrichen werden. Arthur wohnt in einem heruntergekommenen Wohnblock. Im Gegensatz dazu steht der Reichtum, der von der Familie Wayne verkörpert wird. Diese wohnen außerhalb der Stadt in einem riesigen Anwesen. Arthurs Mutter schreibt immer wieder Briefe an Wayne, in der Hoffnung auf finanzielle Unterstützung. Eine Szene stellt diesen Konflikt visuell da: Die reiche Elite von Gotham schaut sich in einem wunderschönen klassischen Kino den Film „Modern Times“ von Charlie Chaplin an, während draußen die einfachen Massen gegen sie protestieren.

In der U-Bahn wird er Arthur von jungen Männern aus der Oberschicht („Wallstreet Guys“) zusammengeschlagen, welches schließlich dazu führt, dass Arthur zum ersten Mal gewalttätig wird. Damit bekommt die Gewalt des Jokers einen gesellschaftspolitischen Kontext, auf den der Film später immer wieder zurückkommt.

Clowns als Antifa

In dem Film gibt es eine Protestbewegung gegen das Establishment, die Clowns. Ihr Auftreten und ihre Gewaltaffinität erinnern an die Antifa. Sie sind vermummt, aggressiv und sehen sich als die Kämpfer gegen das Establishment. Ähnlich wie die Antifa in Hamburg zünden die Clowns Autos an und kämpfen gegen die Polizei. Anstatt ein politisches Alternativkonzept anzubieten, feiert man sinnlose Gewaltorgien. Dabei hat der Zuschauer durchaus Sympathien mit der Protestbewegung, weil die Gesellschaft von Gotham immer als unfair und ungerecht dargestellt wird. Die Clowns haben keine Zukunftsvision und auch keine Wurzeln, auf die sie sich berufen. Einen Ausweg durch sinnstiftende Elemente wie Kunst, Kultur und Identität suchen wir im Film vergeblich.

Die Gesellschaft ist Schuld

Der Film setzt nicht auf die Verantwortung des Einzelnen, sondern auf die Verantwortung der Gesellschaft. Der Joker beklagt, dass das System bestimmt, was richtig und auch was lustig ist. Gesteuert wird das System in Gotham von den Finanzeliten. Damit wird das Individuum zum passiven Opfer. Dies ist eine in linken Kreisen weitverbreitete aber fatale Sichtweise. Sie führt zu Selbstmitleid und einem Gefühl der Hilflosigkeit. Chancen, sein Leben zu ändern, werden nicht mehr ergriffen. Resignation und Depression sind die Folgen. Anstatt an sich selbst zu arbeiten wird die ungerechte Gesellschaft beklagt. Der Joker glaubt schließlich, nur noch durch seine Gewalt einen Unterschied machen zu können.

Fazit

Joker ist ein gut in Szene gesetzter Film, der uns zwar unterhält, doch seine Gesellschaftskritik ist antiquiert. Die Probleme heute sind deutlich komplexer als Arm gegen Reich. Wir Leben in einer Zeit von linksliberalen Eliten, die nie offen zugeben würden Eliten zu sein und die sich selbst als Kämpfer für soziale Gerechtigkeit sehen. Gerade diese Verdrehungen sind es, auf welche das „Clownworld-Meme“ basiert. Wenn ich die Zeitung öffne und über die neusten absurden Auswüchse linksliberaler Politik lese, dann kann ich mittlerweile nur noch darüber lachen. Nicht weil es lustig ist, sondern weil der Wahnsinn zur Normalität geworden ist. Das fehlt mir im Film.

Hat eine Leidenschaft für Kontrakultur, schreibt für Arcadi und verbringt zu viel Zeit im Internet.

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