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Kino & Fern

Flucht vor dem Kommunismus

Wir haben uns den Film „Ballon“ (2018) von Michael Herbig angeschaut

Marco Nagel/Studiocanal

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Diesen Monat erscheint der deutsche Film „Ballon“ (2018) von Michael Herbig auf Blu-ray und als Stream im Internet. Wir haben ihn uns für euch angeschaut.

 

Der Film „Ballon“ beruht auf einer wahren Begebenheit: Der spektakulären Flucht aus der DDR in einem selbst gebauten Ballon nach Westdeutschland. Dabei gelang den Familien Strelzyk und Wetzel  am 16. September 1979 die Flucht über die mit Mauernschützen besetzte DDR Grenze. Diese aufsehenerregende Flucht war bereits 1980 von Disney in dem amerikanischen Film „Mit dem Wind nach Westen“ verfilmt worden. Nun hat sich „Bully“ Herbig noch einmal mit der Thematik auseinandergesetzt. Dies ist bemerkenswert, denn Herbig ist eigentlich für seine (eher kindischen) Comedyfilme bekannt ist. Dies ist sein erster Versuch ein ernstes Geschichtsdrama zu drehen. Ist er dafür der Richtige?

 

Die Verfilmung aus den 80ern entspricht zumindest nicht mehr den heutigen Sehgewohnheiten. „Mit dem Wind nach Westen“ hat außerdem Probleme mit dem Spannungsbogen. Weil der erste Fluchtversuch misslingt, kommt es zu inhaltlichen Doppelungen. Dadurch verliert der Film an fahrt und wird repetitiv. Umso gespannter waren wir also wie „Ballon“ mit dem bekannten Inhalt umgeht. Dabei wurden wir nicht enttäuscht. Die Neuverfilmung macht vieles besser. So wurde die Handlung leicht modifiziert, ohne dabei den Kern der Geschichte zu verfälschen. Der erste Fluchtversuch wird dabei direkt an den Anfang gestellt. Dadurch gelingt es die Zuschauer unmittelbar zu packen und mit den beiden Familien mitfiebern zu lassen. Auch andere Änderungen sind sinnvoll. So wird z.B. das Leben in dem ideologischen DDR Staat durch die Darstellung einer Jugendweihe noch deutlicher herausgearbeitet. Hinzugekommen ist auch ein Aufenthalt in Berlin, mit dem Versuch Kontakt zu der amerikanischen Botschaft herzustellen. Dadurch bekommt die neue Verfilmung zusätzliche Facetten und wird abwechslungsreicher.

 

Der Kern der Geschichte ist aber derselbe geblieben. Die Protagonisten sind zwei Familien die heimlich in ihrer Garage an einem improvisierten Ballon arbeiten. Bei den nötigen Einkäufen müssen sie versuchen jeden Verdacht zu vermeiden. Trotzdem ist ihnen die Stasi dicht auf den Fersen. Positiv fällt auf, dass sich die Darstellung der Familien an traditionellen Rollenbildern orientiert. Auf unrealistischen Hollywood Feminismus wird grundsätzlich verzichtet. Dadurch gelingt eine authentische Darstellung der Personen, in die wir uns auch gut hineinversetzen können. Unterschwellig spielt auch das Thema Heimat eine Rolle. Die Bereitschaft zur Flucht vor einem Unrechtsregime führt zwangsläufig dazu, dass die Protagonisten ihrer Heimat den Rücken kehren müssen. Sie wissen, dass sie Freunde und Bekannte nicht mehr wieder sehen werden. Dadurch wird es zu keiner leichten Entscheidung, welche nur durch die ständige Angst vor der Stasi beschleunigt wird.

 

Der Film zeigt, wie das Leben in einem gespaltenen Deutschland ausgesehen hat. So haben auch die Protagonisten Verwandte, von denen sie durch das DDR Regime erbauten Mauer getrennt leben. Dazu kommen Soldaten, die angehalten werden auf ihr eigenes Volk zu schießen und die ständige Angst vor den Spitzeln der Stasi. Damit gelingt es Herbig, wichtige historische Begebenheiten auch einem jungen Publikum näher zu bringen. Gerade heute, wo die Schrecken des Kommunismus offen verharmlost werden und ehemalige Stasi Spitzel bei der Amadeu Antonio Stiftung arbeiten, hat der Film eine wichtige Aufgabe. Man erfährt, wie die einfachen Bürger unter dem Kommunismus leiden mussten, während sich einzelne Funktionäre in dem System bequem eingerichtet hatten. Der Film ist hier ein wichtiges Medium um einen Zugang zu der eigenen Geschichte zu gewinnen. Im Gegensatz zu einem Geschichtsbuch wird eine vergangene Zeit vor den Augen des Publikums wieder zum Leben erweckt. Und diesmal nicht als ein billiger Fernsehfilm, sondern als eine hochwertige Kinoproduktion. Durch die konkreten Personen können wir einen ganz neuen Zugang zu diesem Kapitel unserer Vergangenheit erfahren.

 

Der einzige Kritikpunkt an dem Film sind die Schauspieler, welche oft zu aufgestylt wirken. Mit ihrer Kleidung sehen sie dabei wie aus dem Ei gepellt aus. Dies fällt insbesondere im Kontrast zu der früheren Verfilmung auf. Dadurch verliert der Film etwas an Authentizität.

 

Fazit: 4/5

Herbig ist eine packende Inszenierung gelungen. Der Stoff ist gut aufbereitet worden und kann mit knackigen Aufnahmen als Kinofilm punkten. Wir sprechen eine Empfehlung aus und sind gespannt, was wohl seine nächsten Filmprojekte werden.

 

Trailer

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Hat eine Leidenschaft für Kontrakultur, schreibt für Arcadi und verbringt zu viel Zeit im Internet.

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