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Gesellschaft

DISKUSSIONSKULTUR IN EINER GESELLSCHAFT DER SELBSTPROFILIERUNG

Streben wir in Diskussionen vor allem danach, selbst Inhalt des Gespräches zu werden?

Obama als Beispiel der gelungenen Selbstinszenierung

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Ist eine Diskussion, in welcher der verbale Schlagabtausch einem stupiden Abarbeiten einer Checkliste ähnelt, überhaupt für irgendetwas abseits des Manifestierens eigener Ansichten dienlich?

Hat man gelernt, die üblichen Vorwürfe des Gegenübers zu kontern, so ähnelt die verbale Außeinandersetzung nur noch einer Wiederholung bestimmter Bewegungsabläufe. Schnell bemerkt man die nicht vorhandene Flexibilität vieler Menschen und dem Verharren in immergleichen Strukturen. Nur die Wenigsten sind Koryphäen im Bereich des verbalen Kampfsportes und nur die Wenigsten überraschen mit neuen Fähigkeiten. Dient eine Diskussion also nur der Bloßstellung des Gegenübers, so erachte ich diese als eine Verschwendung von Zeit und in keinster Weise als bereichernd. Sie langweilt vielmehr.

Viel wichtiger erscheint mir der Dialog, der Austausch von Ideen, das Lernen vom Gegenüber. Diese Art der Kommunikation ist wahrlich bereichernd! In einen Dialog investiert man Zeit, zu einem gewissen Maße auch Energie und wird bereits im Laufe des Prozesses durch neue Erkenntnisse entlohnt. Die Diskussion hingegen raubt Zeit und Energie und entlohnt lediglich mit der Gewissheit, dem Gegner argumentativ überlegen zu sein – eine eher mittelmäßige Entlohnung für den Verlust kostbarer Lebenszeit.

In Deutschland scheinen mir die Menschen den Fokus auf die Diskussion in Form wilder Beschuldigungen gelegt und zeitgleich das Führen eines Dialoges verlernt zu haben. Sie bekriegen sich mit Vorwürfen, doch bleiben sie dabei auf der Stelle stehen. Sie ermüden, doch profitieren sie nicht. Sie keifen sich an, anstatt voneinander zu lernen. Sie protzen mit ihrer moralischen Überlegenheit und lassen die geistige außer Acht. Doch sollte dies in einer Gesellschaft kontinuierlicher Selbstprofilierung kaum überraschen. Zu groß ist das Verlangen nach Anerkennung, nach Beifall für nichts und zu gering die Sehnsucht nach Wissen, nach der Möglichkeit, Teil eines Dialoges zu werden.

In dieser egozentrischen und zugleich nicht weit gedachten Entwicklung sehe ich den Nährboden für die zunehmende Verdummung unserer Gesellschaft. Wer lernen möchte, muss dazu bereit sein, sich die Seite des Gegenübers anzuhören, um sich anschließend ein Urteil fällen zu können. Weniger Diskussion und mehr Dialog würde unserem Land nicht schaden!

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