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Kino & Fern

„Die kommenden Tage“ – Dystopie vs. Realität

Spannender Filmtip!

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„Klimawandel, Terrorismus, Finanzkrise, Wasser- und Öl-Knappheit: Unsere Wohlstandsgesellschaft wird von allen Seiten bedroht“, so lautet die Inhaltsangabe des Films aus dem Jahr 2010! Diese unheilverkündenden Worte sind knapp 10 Jahre später omnipräsent. Das ist keine düstere Zukunftsmusik mehr… wir sind schon mittendrin!

Ironischerweise spielt der Film in den Jahren 2012-2020! Die EU zerbrach, Grenzen verschoben sich: „der Rest Europas hat sich eingemauert, um sich vor dem Ansturm afrikanischer Flüchtlinge zu schützen“, oder wie es der Frontex Mitarbeiter formuliert: „es komm‘ jede Woche Bimbos über die Grenze, hunderte…!“ (originales Filmzitate). Schon in den ersten Minuten sieht man Afrikaner zu Fuß die Alpen überqueren, Zufall?

Es wird gesagt, dass alles mit dem Ausbruch des Krieges um die saudischen Ölquellen begann, was zum vierten Golfkrieg führte. Hiesige Studenten veranstalten als Gegenreaktion spontane Proteste, darunter der Idealist Konstantin und seine Freundin Cecilia, die uns mit ihrer gut situierten Familie, bezeichnenderweise an „Fridays for Future Aktivistin Luisa Neubauer oder Fräulein Rackete erinnern dürfte! Als Gegenpol stehen dem unkonventionellen Pärchen Cecilia’s Schwester Laura und Hans (überzeugend gespielt von Daniel Brühl), gegenüber. Laura lebt in ihrer eigenen Welt und kann oder will nicht verstehen, was um sie herum geschieht, bis Hans sie vor eine Entscheidung stellt. Denn egal wie bodenständig und intellektuell er ist, so muss  er sich eingestehen, dass harte Zeiten harte Maßnahmen erfordern und eckt damit ziemlich an.

Die Charaktere könnten unterschiedlicher nicht sein, was dem Zuschauer authentische Dialoge und zwischenmenschliche Darbietungen liefert, die sowohl schmerzhaft, als überraschend sind. Man beobachtet, wie das gebrechliche Fundament einer Familie bröckelt und welche Spaltungen sie vollends auseinander treiben lassen und jeder auf seinem Weg ins Ungewisse zieht. Sinnbildlich geht der Riss zuerst durch die Familie, die „Keimzelle der Gesellschaft“, und bahnt sich seinen Weg.

RAF 2.0

In geheimen, konspirativen Treffen plant indessen die international agierende Terrororganisation „Die schwarzen Stürme“ ihre Anschläge, u.a. das Worldwide Web lahm zu legen, was weitere Unruhen zur Folge hätte. In der Darstellung erscheinen als eine Mischung aus RAF und Anonymous. Ihre Schlussfolgerung auf das aktuelle politische und klimatische Geschehen sind extrem: „…sollten wir scheitern, wird diese Zivilisation in absehbarer Zeit alles Leben auf dieser Erde zerstören“. Das ähnelt Aussagen von Greta und ihrer Klimahysterie-Clique, wie sie gegenwärtig auf dem Berliner „Zeltlager“ der „Extinction Rebellion“ zu hören sind. Erstaunliche Parallelen-, … und so organisiert und radikalisiert sich die Gruppe im Laufe des Films und die Forderungen und Ereignisse nehmen überhand. Der Zuschauer wird in eine sich immer schneller drehende Spirale hineingezogen, die nur durch traumatische private Schicksalsschläge unterbrochen wird. Intime Momente, die in betretener Stille hängen und den Blick für einige Minuten weg von dem chaotischen Äußeren wieder aufs Innere und Wesentliche lenkt: den Wert eines einzelnen Lebens. Doch die „Schwarzen Stürme“ sind sich bewusst, das auch „Märtyrer die Herzen der Massen bewegen“-, sind sie also bereit über Leichen zu gehen und im Eifer des Gefechts gegen das System Unschuldige zu töten?

Überzeugungstäter

August Diehl wirkt authentisch in seiner Rolle als rebellischer Konstantin, der er hier und da ganz subtil Sand in die Augen und Salz in die Wunden streut, um der Verwirklichung seiner radikalen Ziele näher zu kommen. Denn für ihn heiligt der Zweck alle Mittel und so findet er es legitim, selbst durch Gewalt das Denken verändern zu wollen. Ich habe selbst mal aus Neugier die stickige Luft eines „autonomen Jugendzentrums“  geschnuppert, wo enthusiastische Gespräche über die 1. Mai Krawalle geführt wurden, in der Hoffnung, das durch Angstverbreiten sich die anderen irgendwann unterwerfen werden. Sie fürchten sich nicht vor einem Tag X, sie provozieren ihn!

Passend dazu zitiert Ruhrbarone.de den Gründer von „Extinction Rebellion“ Roger Hallam, aus einer Rede, die er Anfang 2019 bei Amnesty International gehalten haben soll: „Wir werden die Regierungen zum Handeln zwingen. Und wenn sie nicht handeln, dann werden wir sie stürzen und eine Demokratie erschaffen, die tauglicher für den Zweck ist. Und ja, manche könnten in diesem Prozess sterben.“ In dem hier besprochenen Film könnte Hallam als Rädelsführer der „Schwarzen Stürme“ durchgehen! Es gilt: wer für den einen ein Terrorist ist, ist für den anderen ein Märtyrer!

Aber der Teufel tritt wie so oft nicht mit hässlichen Hörner auf, sondern in feinster Garderobe, wie im Film dargestellt, und sät Zweifel, Schuld und Unbehagen in labile Herzen von Menschen, die eine Identitätskrise haben, unschlüssig über ihre Zukunft sind oder nur von der Wand bis zur Tapete denken können.

 

 „Die kleine untergehende Wohlstandsdemokratie“

Autofreie Sonntage, Sicherheitsdienste und Polizisten, die die fast leeren Supermärkte und Tankstellen vor Plünderungen schützen müssen, radikale Moralisten – das prophezeite „die kommenden Tage“ für diese Zeit-, wie weit sind wir wirklich davon weg?

Es ist interessant, die Wege der Protagonisten mitzuverfolgen, die von Selbstreflexion und Selbstfindung, bis hin zur Selbstaufgabe und Leugnung eigener Werte reicht. Was überwiegt, wenn wir hin und her gerissen sind, zwischen Herz und Kopf, Realität und Utopie und die Suche nach Antworten ständig neue Fragen aufwirft? Wege kreuzen und trennen sich und finden unter Umständen in neuen Formationen wieder zusammen. Man fragt sich: wer zieht hier die Fäden, wer wird infiltriert, wer läuft nur mit um zu gefallen, wer hält an seinen Idealen fest und vor allem, wer behält am Ende recht und wer behält sein Leben?

In einer Szene wird der „erwachte“ Mensch, der die Zusammenhänge versteht, als geisteskrank dargestellt, weil er zu unorthodoxen Mitteln greift, um sich Aufmerksamkeit zu verschaffen und die Schlaf-Schafe zu wecken. Aber die sind scheinbar im Tiefschlaf. Nichts hören, nichts sehen, nichts sagen-, …und dann sich wundern, wenn es brennt!

Woher wusste man eigentlich…

2009 wurde bereits gedreht, also müssten Drehbuch und Recherchen schon zuvor begonnen haben. Wer war denn da so weitsichtig? Hätten sogar wir damals nicht an einigen Stellen im Kino die Stirne gerunzelt?  Wie dem auch sei. Eine besondere Nebenrolle, bzw. Schlüsselrolle kommt Jürgen Vogel zu, der als „Verfassungsschützer“ auftritt und den Film mitproduziert (!) hat, was zu meiner Frage führt, woher wohl all die konkreten Zukunftsvisionen vor 10 Jahren herkamen…? Ob wir die VS-Nebenrolle des Mitproduzenten als kleinen Wink verstehen dürfen, sei mal dahingestellt. Zeitlos ist, was Krieg, Interessenskonflikte und extreme Ansichten mit Familien, Beziehungen und ganzen Ländern anstellen kann. Deshalb lohnt sich der Film auch jetzt!

Fazit

Durchdachtes und gelungen inszeniertes Gesellschaftsdrama, vor der Kulisse Berlin’s, das in den knapp 130 Minuten Spiellänge mehr und mehr zerfällt und eskaliert, indem es zusehends multikultureller, ärmer und unsicherer wird. Diese Entwicklung ist auch visuell toll herausgearbeitet und umgesetzt worden! Mit Klassik und Gitarrenklängen ist der Film bestens untermalt, dramatisch dort wo es sein muss und einfühlsam in den unbeschwerten Augenblicken der Zweisamkeit in friedlicher Natur. Manchen mögen die Beziehungsgeschichten stören, um die die restliche Handlung rotiert, doch ich finde, dass es gerade diese Menschlichkeit braucht, um der Gefühlsarmut und Gewalt etwas entgegenzusetzen. Dieser zeitgenössische Film tut genau was er soll: er unterhält, regt zum Nachdenken an und bietet hervorragende Diskussionsvorlagen.

„Die kommenden Tage“ sind ein Beweis dafür, dass es tatsächlich sehenswerte deutsche Filme gibt, ja sogar von Fördermitteln staatlicher Organisationen mitfinanziert?! Hätte man diesen Film an Schulen gezeigt, wer weiß wie viele Schüler heute freitags lieber im Unterricht, statt brüllend auf der Straße sitzen würden…?

 

 

Von Annika Steffen

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