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Bücher

Buchrezension: Wolfang Benz: Im Widerstand

Wir haben das aktuelle Werk gelesen.

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Die Weiße Rose. Georg Elser. Der Goerdeler-Kreis. Sie sind bis heute die prominentesten Widerständler im Dritten Reich. Wer sich aber weit über das Vertraute hinaus mit dem Widerstand gegen Hitler beschäftigen möchte, dem sei das neue Buch des Historikers Wolfgang Benz ans Herz gelegt.

„Im Widerstand“ ist übersichtlich in Gruppen geordnet: Da sind die Publizisten, Politiker, Künstler und Wissenschaftler. Dann der Widerstand aus der Arbeiterbewegung. Einzelkämpfer wie Georg Elser. Jüdischer Widerstand. Und die junge Generation wie die Studenten der Weißen Rose. „Widerstand“ soll die Forschung summieren und mit Mythen aufräumen, die sich bis heute halten.

Widerstand ist niemals einfach. „Wer sich, aus welchen Motiven auch immer, zum Widerstand gegen das NS-Regime entschloss, wählte die Einsamkeit des Außenseiters und nahm das Unverständnis der Mehrheit auf sich“, hält Benz fest. Das habe sich auch nach dem Ende des Dritten Reiches nicht so schnell geändert und Widerständler mussten lange warten, bis ihr Engagement gewürdigt wurde.

Warum waren es so wenige?

Schon auf der dritten Seite formuliert Wolfgang Benz das analytische Ziel seines Buches: „Warum waren es so wenige, die sich gegen das Gewaltregime aufbäumten?“ Als einen Grund nennt er eben die Begeisterung um 1933, die Aufbruchsstimmung. Dem Regime wurde sogar unterstellt, es wisse gar nichts von dem Terror gegen Juden und Kommunisten. Trotzdem sei es „hie und da“ zu Anteilnahme gekommen.

Wolfgang Benz widmet Widerständlern Kapitel, die im kollektiven Bewusstsein nicht so präsent sind. Wie Theodor Wolff, Redakteur des „Berliner Tageblatts“. Er versuchte, Thomas Mann zu überzeugen, ihm im Widerstand beizustehen. Oder der Schriftsteller Friedrich Franz von Unruh, der 1933 in seinem Essay das Regime vorwegnahm: „Wenn Hitler regiert, wird er ,Zehntausende‘ aburteilen und hinrichten lassen. Er wird aufräumen mit den ,Nichtskönnern und Schwächlingen‘.“

Die Weiße Rose

Wie gestaltet Wolfgang Benz sein Kapitel zu der bekanntesten Widerstandsgruppe? Auch dieses Kapitel ist nach Personen geordnet, was ein Schlaglicht auf die Individuen wirft, sodass auch Mitglieder Weißen Rose Aufmerksamkeit erfahren, die nicht so prominent sind wie Hans und Sophie. Und der Autor arbeitet heraus, dass sich sogar Thomas Mann aus dem Exil zu Wort meldete und 1943 in einer BBC-Sendung behauptete, dass die Münchner Studenten Helden seien, die „starben, doch ihr Geist, ihre Liebe und ihr Haß, Ihr Kampf für Frieden und Freiheit Deutschlands leben in Hunderttausenden und Millionen junger deutscher Herzen weiter“. Das sei eine „Illusion“ gewesen, konstatiert Benz, das Fanal der Weißen Rose, das sie durch den Abwurf der Flugblätter erreichen wollten, „verhallte ohne Resonanz“. Dass die Weiße Rose so prominent wurde, begründet der Autor auch damit, dass sie moralisch belastet war wie der Kreis um Stauffenberg, die dem Regime ja noch gedieht hatten.

Fazit: „Im Widerstand“ ist ein gut lesbares Buch, das wie zu erwarten, mit vielen historischen Fakten aufwartet, aber eine gute Übersicht bietet über bekannte und weniger bekannte Figuren des Widerstands im Dritten Reich. Die Frage, weshalb es so wenige waren, die Widerstand leisteten, treibt den Autor dabei um. Und er gibt eine Antwort: „Die Geschichte des Dritten Reiches ist notwendigerweise aber auch und vor allem eine Geschichte der Mehrheit, die sich (oft gegen besseres Wissen) bis zum bitteren Ende anpasste und mitlief.“ Eine Lektion, die sich auch heute auf viele Themen übertragen lässt.

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