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Kino & Fern

Böse weiße Männer und die vielfarbige Allianz des Guten – The Last Jedi

Quelle: Poster Star Wars The Last Jedi (Fair Use)

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Die Erste Ordnung: so viel Potenzial und so wenig ist daraus resultiert. Aus dem Imperium der alten Filme, welches zumindest noch Nuancen des Grauen in sich vereinen konnte, wurden einfach nur Nazis im Weltraum – Disney Bösewichte ohne Tiefe und Charaktere, die einfach nur BÖSE sind um des Bösen willen und neben der Zerstörung von Planeten auch kleinen Kindern den Lolli wegnehmen. Der einzige Lichtschimmer in all dem scheint Kylo Ren zu sein, der zumindest eine Hintergrundgeschichte bekommt, mit der man sympathisieren kann. Derweil sind die Kämpfer der Ersten Ordnung geistslose Weißhelme und weiße Männer in schwarzen Uniformen, die cholerisch Befehle brüllen und sich wie Comic-Bösewichte der 50er Verhalten. Fehlt nur Captain America oder Superman, der diese Maulhelden im heroischen Faustkampf besiegt.

Ich erinnere mich noch an die Imperialen Offiziere aus den alten Filmen, die sicherlich eine faschistoide Note durch ihre Uniformen bekamen, aber ansonsten keine lächerliche Attitüde an den Tag legten, wie dies in The Last Jedi der Fall ist. (Spoiler)

General Hux, unser weißhäutiger und rothaariger Kommandat der Ersten Ordnung erteilt gleich in den ersten Minuten des Films den Befehl zum Angriff auf die flüchtenden Rebellen. Er wird von Poe Dameron per Funk kontaktiert und eine gute Minute hingehalten und von ihm mit einem «Deine Mudda» vor den Augen seiner Untergeben vorgeführt. Wenige Minuten später beginnt auch schon der Angriff der Rebellenflotte auf den Supersternenzerstörer der Imperialen, der von einem alternden weißen Mann kommandiert wird, der unglaublich fies aussieht und selbstverständlich katastrophal versagt und sein Schiff samt Mannschaft verliert. General Hux wird im Verlauf des ganzen Films immer wieder idiotische Fehlentscheidungen treffen, die weder taktisch noch strategisch einen Sinn ergeben. mittlerweile schon sagen, eher ein Comic-Relief in der Geschichte und sind nur für die Lacher Die Imperialen sind, das kann man da.  Sie sind böse, um des Bösen willen.l

Nehmen wir beispielsweise Captain Phasma, die für zwei Minuten Filmzeit in die Geschichte zurückgebracht wurde, nachdem sie zuvor im letzten Film im Müllschacht der explodierenden Starkillerbasis deponiert wurde. Sie schafft es den Verräter Finn und seine Freundin Rose auf ihrem Schiff zu stellen und festzunehmen. Statt die beiden sofort hinzurichten, entscheidet sie sich für eine langsame und besonders qualvolle Hinrichtungsmethode via elektrischer Waffen. Warum? Weil das natürlich den Helden Zeit gibt, um zu entkommen. Ein vorhersehbares Element.

Phasma hielt, das erfährt man im begleitenden Buch zu ihrem Charakter, eigentlich große Stücke auf Finn und bildete ihn persönlich aus. Dass sie sich auf einer ganz intimen und persönlichen Ebene von diesem Sturmsoldaten verraten fühlt, erfährt man im Film jedoch nicht. Motivation der Imperialen für ihr Handeln bleiben im Dunkeln und werden nicht ausgeleuchtet. Immer nur wiederholen sie, dass die Rebellen und die Republik vernichtet werden müssen. Warum? Eine Erklärung kriegt der Zuschauer nicht. Die alten Filme hatten wenigstens noch den Imperialen Offizier als moralisch grauen, dafür professionellen Handlanger, der nicht zwingend böse war, aber doch moralisch fragwürdige Befehle für einen bösen Sith ausführen musste. Angst vor dem Tod spielte bei der Hörigkeit der Imperialen Admirale in «Das Imperium schlägt zurück» eine erhebliche Rolle bei Ausübung des Dienstes. In «Rückkehr der Jediritter» haben wir sogar einen Admiral Jerjerrod, der in einer herausgeschnittenen Szene tatsächlich einen moralischen Konflikt hat, als der Imperator ihm befiehlt auf den Mond Endor zu feuern, wo sich noch die eigenen Kameraden des Imperiums befinden. Der imperiale Admiral will diesen Befehl nicht ausführen, sieht sich aber letztendlich gezwungen. In dieser herausgeschnittenen Szene sind diese Sekunden des Zögerns das Zünglein an der Wage, welche den Rebellen den Sieg bringt. Hätte er sofort geschossen, wäre Endor zerstört worden und mit dem Planeten wären dann auch Han, Chewie und Lea gestorben.

Selbst «Rogue One» bemühte sich wenigstens beide Seiten des Konfliktes auszuleuchten und in Licht und Schatten zu tauchen. Die Rebellen sind dort keinesfalls die leuchtenden Strahlemänner, sondern politische Widerstandskämpfer, die auch vor feigem Mord nicht zurückschrecken und bereit sind zivile Kolleteralschäden in Kauf zu nehmen, um ein Regime zu stürzen. Für die Imperialen im Film, wenn man Direktor Krennic glauben schenkt, sind davon überzeugt, dass die Rebellen Terroristen sind und das Imperium der Galaxis nach bald drei Jahrzehnten Krieg endlich Frieden und Sicherheit bringen kann.

Aber im letzten Film „The Last Jedi“ wird diese Nuancierung in den Müll geworfen und lächerlich gemacht. Ein bedauernswertes Ende für das erwachsene Publikum von Star Wars, die bei dieser Infantilität nicht mitgehen wollen.

Young German ist ein Blog zu Politik, Geschichte, Kultur, Gesellschaft und Militär. Wir sind ein kleines Team engagierter Autoren und schreiben in unserer Freizeit. YG ist ein ehrenamtliches Projekt ohne Gewinnorientierung.

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3 Kommentare

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TeutoBurk
Gast
TeutoBurk

Sehr guter Artikel. Trug ich am Anfang noch ein wenig Hoffnung im Herzen, Disney möge Star Wars mit dem gleichen Elan und der Ambition wie bei den Marvel Filmen angehen, hat sich kurz nach Episode VII Desillusionierung eingestellt. Es geht mMn nur noch darum aus dem ehrwürdigen Star Wars Namen möglichst viel Geld herauszupressen und dies mittels mittelmäßiger Popcornfilme von der Stange, die den kleinsten gemeinsamen Nenner bedienen. Fieberte man in den alten Filmen noch mit Luke & Co, sowie der Rebellion mit (gerade weil die Bösen ernster und bedrohlicher wirkten), hat man keinen wirklichen Grund gegenüber Ma-Rey Sue oder… Weiterlesen »

Xubor
Gast
Xubor

Schon witzig, wenn die Helden so schlecht sind, dass man sich mehr mit den Bösen identifiziert und sich dann ärgert, dass diese sich so dämlich anstellen 😀

Franz Rheinberger
Gast

Man sollte „Die letzten Jedi“ den Versuch einräumen, an einer Stelle einen anderen Weg zugehen, der leider nicht weiter verfolgt wurde oder anders ausgedrückt: „bemühte sich wenigstens beide Seiten des Konfliktes auszuleuchten“. Ich meine die Stelle, wo DJ/ der „falsche“ Code-Knacker – gespielt von Benicio del Toro – den anderen bei der Flucht verhilft und auf die Geschäfte der „Kapitalklasse“ mit Rebellen und Imperium verweist.

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