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Stil & Mode

Bärte tragen als politisches Statement!

Eine kleine Reise durch die Welt der Bärte!

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Foto: Pixabay

Foto: Pixabay

„Wie nennt man einen Mann ohne Bart? –Frau!“ und „Ein Mann, der sein Gesicht rasiert, rasiert wahrscheinlich auch seine Beine!“ sind mittlerweile wieder häufig zu hörende Scherze. Denn Bart tragen ist wieder in, wie die bebrillten Hipster der urbanen Zentren zur Genüge zeigen. Es soll Ausdruck der Rebellion gegen den Mainstream sein und ist doch durch die metrosexuellen und hedonistischen Hipster, die ihn in Kombination mit dem sogenannten Man-Bun tragen, wieder voll im Trend.Doch wie jeder weiß werden bei den meisten Moden und Trends nur alte Stile wieder aufgewärmt und dies trifft auch auf den Bart zu. In diesem Artikel soll daher eine kurze modisch-politische Geschichte der männlichen Gesichtsbehaarung dargestellt werden, denn wie alle Moden und Trends war und ist auch der Bart Ausdruck des Zeitgeistes.

Der Bart als Zeichen der Revolutionäre

Beginnen wir im frühen 19. Jahrhundert, als die ersten politischen Massenbewegungen auftauchten. Waren im Zeitalter der Aufklärung die meisten Männer mehr oder weniger rasiert, um ihre aufgeklärte und zivilisierte Gesinnung zu kennzeichnen, so änderte sich dies später radikal. Durch französische Revolution und die darauf folgende Restauration war die Bevölkerung in rasiert und unrasiert eingeteilt, während rasierte Gesichter zum Zeichen der Royalisten und lange Vollbärte zum Zeichen der Republikaner wurden. In Deutschland differenzierte sich diese recht grobe Unterteilung in den folgenden Jahren dahingehend aus, dass die Anhänger der deutschen Einigungsbewegung die Vollbärte als Reminiszenz an das Mittelalter trugen, während die revolutionären Kräfte den Vollbart nutzten, um ihre radikal abweichende Gesinnung auch im Gesicht kund zu tun. Zu nennen sind hier Turnvater Jahn, sowie Karl Marx.

Karl Marx

Karl Marx

Der Bart wird hoffähig

Allerdings war in der Mitte des 19. Jahrhunderts der Bart auch in bei den europäischen Monarchen und ihren konservativen Anhängern angekommen. Während erst nur lange Koteletten, ausgehend vom britischen Hof, bei den gekrönten Häuptern und ihren Anhängern tragbar wurden, kamen später durch die Offiziere der Armee die Schnauzbärte bei den konservativen Zeitgenossen  in Mode. Dieser Trend sollte bis zum Ende der Monarchie anhalten, wozu Kaiser Wilhelm I und Franz-Joseph II durch ihre großväterlichen Backenbärte, die im Grunde eine Kombination aus Schnauzbart und Koteletten sind, besonders beitrugen. Und wer kann sich schon den eisernen Kanzler ohne seinen Walross-Schnauzer vorstellen?

Kaiser Wilhelm I.

Kaiser Wilhelm I.

Der Generationenwechsel

Mit dem Generationenwechsel in der deutschen Monarchie kam ein neuer, jugendlicher Bart in Mode, den viele kaisertreue Männer  vom jugendlichen Monarchen Wilhelm II übernahmen und der von Heinrich Mann als Ausdruck des deutschen Untertanengeistes geschmäht wurde. Der nach dem jungen Monarchen benannte „Kaiser-Wilhelm Bart“ war für die Zeitgenossen ein Symbol der neuen Zeit und symbolisierte die Jugend, Dynamik und Aufbruchsstimmung, für die der damals populäre, junge Kaiser stand. Auch war durch die Erfindung des Rasierhobels ein glattrasiertes Männergesicht einfacher und erschwinglicher geworden. Dennoch blieb der Vollbart in den oben genannten Kreisen populär und wurde auch beim Militär zuweilen unkonventionell genutzt; So musste der Kesselpauker des vornehmen, preußischen Kürassier-Regiments Garde du Corps stets einen besonders prachtvollen Vollbart tragen, der auch in den Dienstvorschriften reglementiert war.

Kaiser Wilhelm II.

Kaiser Wilhelm II.

Neue Zeiten-neue Bärte

Vor und mit dem Ende des Ersten Weltkriegs wurde die Bartmode nüchterner. Während die Soldaten unter ihren Gasmasken sowieso selten ausladende Bärte trugen konnten und diese Sitte von der Front mit in die Heimat nahmen bändigten die nun in Kommunisten und Sozialdemokraten ausdifferenzierten Sozialisten ebenfalls ihre Bartmode. So trugen die konservativen und rechten Kräfte entweder schlichte Schnauzbärte oder rasierten sich glatt, während bei Sozialdemokraten der sogenannte Gewerkschafterbart ala Philipp Scheidemann und Walter Ulbricht das Erbe der  radikalen Gesinnung aus der Zeit des Vormärz zur Schau stellte. Im Dritten Reich war dann neben dem auf zwei-Finger Breite reduzierten Schnauzer hauptsächlich ein glatt rasiertes Männergesicht en vogue, um die neue Ästhetik und das neue Menschenideal darzustellen.

Philipp Scheidemann

Philipp Scheidemann

Bärte-Republik-Deutschland

Mit den linken 68ern kamen auch die langen Vollbärte aus der Zeit des Vormärz in Kombination mit langen Haaren in Mode, die sowohl bei Hippies, als auch sogenannten linken Intellektuellen wieder die revolutionäre Gegenkultur symbolisieren sollten. Ansonsten war die Bartmode weniger politisch geprägt und kurzfristige Trends von Koteletten oder Schnauzern kamen und gingen. Nach der Wende waren Dreitage-Bärte, Kinnbärte und Henri-Quatre, auch despektierlich Fotzenleckerbart genannt kurzfristige Trends. Und was ist heute? Schaut man sich konservativ gesinnte Männer heute an, so fällt das auf, was man von einem Konservativen erwarten könnte. Er folgt keinen kurzfristigen Trends, insbesondere in Zeiten, wo der der Zeitgeist links dominiert ist. Es finden sich mal mehr oder weniger glatt rasierte Herren, aber auch Leute, die mit dem Bart ein Zeichen setzen wollen. Man sollte daher heute nicht von einem Vollbart automatisch auf Marx schließen, sondern auch Kaiser Friedrich in Erwägung ziehen.

Leo mit Henriquatre

Leo mit Henriquatre

 Vorschau-Foto: Pixabay

Foto Scheidemann:  CC BY-SA 3.0 de

Foto Leonardo Di Caprio: CC BY 2.0

Foto: Wilhelm I., Wilhelm II., Karl Marx (gemeinfrei)

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1 Kommentar

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Xerorx
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Xerorx

Der 3 Tage Bart kam eigentlich schon mit der Serie Miami Vice in Mode und der Henri-Quatre war schon lange vorher, besonders bei Latino Street Gangs angesagt, bis Edward Norton ihn dann 1998 in American History X zur Schau trug. Der Vollbart Trend, begann ungefähr mit diesem Titelbild: http://www.spiegel.de/spiegel/print/index-2003-10.html und hatte sich dann bis zur Barcelona Sonar 2008 unter den Hipstern verbreitet. 2018 ist man damit also schon lange kein Trendsetter mehr. Überhaupt, wer keinen Baum fällen, kein Feuer machen, keine Wildsau töten kann, sollte sich sowieso schleunigst rasieren, weil er einfach nur ein Poser mit Vollbart ist.

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