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Politik

Andrej Hunko – Der linke Rebell

OSCE Parliamentary Assembly from Copenhagen, Denmark - Head of Delegation of the PACE Hunko OSCE PA Election Observation Mission to Georgia, 26-29 October 2018 CC BY-SA 2.0

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In der Linkspartei gibt es mit Sarah Wagenknecht eine deutlich antikapitalistisch positionierte Politikerin, die gesellschaftspolitisch weniger klar links positioniert zu sein scheint, als die meisten ihrer Parteigenossen. Was innerhalb der Linkspartei immer wieder für Ärger sorgt, wenn Wagenknecht sich etwa Brot-und-Butter-Themen zuwendet und für Gendersternchen eher wenig Interesse zeigt, findet in Teilen der deutschen Rechten durchaus Anklang.

Eine wesentlich weniger bekannte, aber ebenfalls interessante Persönlichkeit in der Linkspartei ist Andrej Hunko. Auf den ersten Blick sieht Hunko optisch aus, wie eine Karikatur eines DGB-Gewerkschafters: Dicklich, grauer Pferdeschwanz, grobschlächtiges Gesicht und eher einfacher Kleidungsgeschmack. Allerdings hat er etwas mehr politisches Format als seine optischen Doubles mit Trillerpfeife und roter Fahne und gilt als Mitglied der Parlamentarischen Versammlung des Europarates als außenpolitisches Schwergewicht mit klarem Kompass.

Ein Linker, der tatsächlich schon gearbeitet hat

Mit Sarah Wagenknecht gemein hat er, dass er sich für gewöhnlich eher weniger um die Frage nach der dritten Toilette in Schulen kümmert, was möglicherweise auch an der für viele selbsternannte Vertreter der Arbeiterklasse unüblichen Lebenserfahrung als Drucker, LKW-Fahrer und Krankenpfleger liegen könnte.

Gegen Israel…

Außenpolitisch vertritt Hunko Positionen, die zumindest bei einem Teil der in diesen Fragen traditionell recht gespaltenen Rechten Anklang finden kann: 2011 kritisierte er seine Partei harsch für deren Klärung des innerparteilichen Streits in der Nahost-Frage in Richtung einer zumindest formal pro-israelischen Haltung. Hunko vertritt hingegen wohl eher eine in der Linken als „anti-imperialistisch“ bezeichnete Positionierung zugunsten der Palästinenser.

… und gegen die Ukraine

Seit 2013 wird Hunko auch von Rechten stärker wahrgenommen, da er in der Ukraine-Krise recht eindeutig eine pro-russische Position einnimmt. So sammelte er unter anderem Spenden für ein Krankenhaus und übergab diese den Separatisten in Donezk persönlich, was ihm ein Einreiseverbot der ukrainischen Regierung einbrachte. Hunko hatte auch kein Problem damit, neben einigen AfD-Politikern von der russischen Regierung recht offensichtlich als Lautsprecher auf europäischem Boden gebraucht zu werden. Eine Einladung nach Moskau und einige Stellungnahmen für den RT Deutsch und Sputnik später dürfte daran kaum noch ein Zweifel bestehen. Auch in der Krim-Frage verteidigt er den Anschluss der Krim an die Russische Föderation. Jedenfalls in diesen Fragen liegt er damit auf Linie des besonders russlandfreundlichen Teils der AfD, von der er sich für einen Linkspartei-Politiker vergleichsweise wenig prominent distanziert. Hunko hat selbst übrigens ukrainische Wurzeln und sein Opa kämpfte im Zweiten Weltkrieg an der Seite der Deutschen gegen die Rote Armee.

Einsatz für Billy Six

Achja – Venezuela mag Andrej Hunko natürlich auch. Nachdem er im Januar 2019 noch über die „bequemen“ Gefängnisse spottete, in denen der deutsche JF-Journalist Billy Six vom dortigen Regime gefangen gehalten wurde, setzte er sich in den darauffolgenden Wochen jedoch sogar beim venezolanischen Botschafter für seine Freilassung ein und kritisierte die Bundesregierung, die für den rechten Journalisten keinen Finger krumm machte. Eine Haltung, die ihm abermals auch bei rechtsstehenden Bürgern Respekt einbrachte.

Skandal „Hygiene-Demo“

Nachdem Hunko im Februar diesen Jahres zum stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden der Bundestagsfraktion der Linken gewählt wurde – ein Vorgang, der in Moskau sicherlich zum Öffnen der ein oder anderen Krim-Sekt-Flasche geführt haben dürfte – folgte nun in Corona-Zeiten der nächste Skandal. Hunko hat an einer Pro-Grundrechts-Demonstration in Aachen teilgenommen. Diese war stärker als anderswo links dominiert, was ihn jedoch nicht vor harscher Kritik aus der eigenen Partei schützte. Die Parteivorsitzende Katja Kipping, mit der er ohnehin nicht sonderlich grün zu sein scheint, kritisierte ihn und der NRW-Landesverband sprach sogar von „Gaga-Positionen“. Dabei hatte Hunko in seinem Redebeitrag – soweit bekannt – selbst gar keine Verschwörungstheorien geäußert, sondern sich im Rahmen sachlicher Kritik bewegt, wie sie etwa auch von der AfD zu hören ist.

Er hat Merkel angezeigt!

Von Hunko lernen lässt sich jedenfalls in einer Sache: Bislang lässt er jegliche Kritik einfach an sich abperlen, keilt nicht zurück, sondern bleibt sachlich und zieht sein Ding durch. Und wer noch ein weiteres Argument braucht, um Hunko zumindest als satisfaktionsfähigen politischen Gegner mit Format anzusehen: Hunko hat schon einmal Strafanzeige gegen Angela Merkel erstattet – leider nicht wegen der Grenzöffnung, sondern wegen der „Ermordung“ des iranischen Generals Qassem Soleimani durch einen möglicherweise vom US-Luftwaffenstützpunkt in Ramstein  gestarteten „völkerrechtswidrigen Drohnenangriffs“.

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